Zugunsten anderer Prioritäten verzichtete er auf eine 75-Prozent-Förderung aus dem Efre-Programm für den Umbau des Volkshauses zu einem Jugend- und Familienhaus. Ein offener Brief des Jugendringes Oberlausitz (die RUNDSCHAU berichtete), der während der Stadtratssitzung noch einmal an alle Räte verteilt worden war, konnte die Mehrheit offenbar nicht mehr umstimmen. Geschäftsführer und Koordinator Rolf Adam hatte in dem Brief darauf hingewiesen, dass das Netzwerk Weißwasser (ein Verbund von Trägern der freien Jugendhilfe) mit der Stadt seit Jahren über neue Standorte, die zum Teil schon aus baulicher Sicht nötig sind, und über mögliche Synergien redet und man daher große Hoffnungen in den Ausbau des Volkshauses gesetzt hatte. Nach dem Beschluss sprach die RUNDSCHAU mit Rolf Adam.

Herr Adam, was sagen Sie zu der Entscheidung des Stadtrates, nicht in das Volkshaus zu investieren?

Dafür habe ich nur ein Wort: ignorant. Wir haben jahrelang diskutiert und jahrelang auf eine Entscheidung gewartet. Und wir hätten längst dringend eine Lösung haben müssen.

Nun müssen Sie nach anderen Lösungen suchen...

Nicht nur wir. Das Schlimme ist doch, dass jetzt jeder Träger im Netzwerk für sich nach anderen Lösungen und Standorten suchen muss und wird. Wir hatten ein Konzept für das Volkshaus, das nicht nur bedeutete, räumlich zusammenzurücken, sondern auch gemeinsame Ressourcen zu nutzen, was wiederum zu Kostendämpfung geführt hätte. Das wäre eine echte Chance gewesen. Die ist jetzt gestorben, einen solchen geeigneten Standort wird es nicht noch einmal in Weißwasser geben, und wenn sich alle nach anderen Räumen umgesehen haben, ist der Gedanke an ein gemeinsames Haus sowieso erst einmal vom Tisch.

Zum Jugendring Oberlausitz gehören der Jugend- und Familientreff W.C.B und die Ambulante Hilfe zur Erziehung, beide untergebracht in der Görlitzer Straße. Wie sieht Ihre Ersatzlösung aus?

Wie bei anderen Einrichten haben auch wir hier einen hohen Sanierungsbedarf. Auch im Außenbereich sollte etwas getan werden, was mit der Hoffnung aufs Volkshaus immer aufgeschoben wurde. Unser Mietvertrag mit der Stadt läuft übernächstes Jahr aus, und eins ist klar: Irgendwann wird die Geschäftsstelle des Jugendringes nicht mehr in Weißwasser sein. Wir werden uns nach anderen Räumlichkeiten umschauen, wo es besser ist. Was aus der Ambulanten Hilfe zur Erziehung wird, müssen wir überlegen. Laut Vertrag brauchten wir für sie ja einen extra Beratungsraum, der hier nicht vorhanden ist. Es ist einfach dumm, wenn man jahrelang auf etwas hin arbeitete und sich darauf verlässt, das dann einfach ad acta gelegt wird. Am Ende hat man nur die dreifache Arbeit.