Im Zuge der Umstrukturierung gibt es keine Dezernate und somit auch keine Dezernenten mehr. Drei Fachbereiche entstanden, die von Karl-Heinz Melcher (Bildung, Freizeit und Soziales), Ina Köhler (Öffentliche Ordnung) und Thomas Böse (Bauwesen) geleitet werden.

Neue Aufgabe bekommen
Harald Reck, der einst das Bau-Dezernat leitete, hat nun den Hut aufbekommen für die Weißwasseraner Brachen. Diese sollen lieber heute als morgen von der Bildfläche verschwinden. Keine leichte Aufgabe, wie OB Hartwig Rauh bestätigte. Viele offene Fragen im Zusammenhang mit dem jeweiligen Eigentümer, mit möglichen Erwerbskosten, mit der Nachnutzung - das kann auch Abriss bedeuten - sind aufzuarbeiten.
Aus Sicht von Rauh ist der erfahrene Reck der richtige Mann dafür. Ihm zur Seite steht seit Jahresbeginn Angelika Heß, die über Jahrzehnte das Vorzimmer der jeweiligen Oberbürgermeister führte. Ihre Umsetzung sorgte am Montag für Aufsehen im Rathaus.
Zu dieser so genannten Stabstelle, die dem OB direkt unterstellt ist, gehört weiterhin der Bereich Stadtentwicklung mit Torsten Rennhak. Dieser wird sich des Weiteren für die Wirtschaftsförderung engagieren.
Seit letztem Mai war dieser Bereich lahm gelegt. Die Stadt setzte auf die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH. Doch aufgrund der dortigen Personalsituation sei das nicht realisierbar. Doch ganz ohne Wirtschaftsförderung geht es auch nicht, so Rauh.
Pressesprecherin der Stadtverwaltung ist nun Angela Paulke.

Weitere Veränderungen möglich
Weitere Veränderungen will der OB für die Zukunft nicht ausschließen. Die bisherigen Wechsel seien von Vorteil gewesen, ist Rauh überzeugt. „Kommt man in einen neuen Arbeitsbereich, verändert sich die Sichtweise auf Althergebrachtes, neue Ideen entstehen.“
Das Jahr 2005 bedeutet für Hartwig Rauh vor allem, "mit dem vorhandenen Geld auszukommen". Das sei das A und O, davon werde alles Weitere bestimmt. So leistet sich die Stadt kein eigenes Rechnungsprüfungsamt mehr. Die bisherige Amtsleiterin Irina Teichert erhielt jetzt die Aufgabe, das Thema "Ausgliederung Bauhof" von allen Seiten zu beleuchten.
"Es geht darum, zu prüfen, was überhaupt möglich ist, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Könnten wir zum Beispiel den Winterdienst in private Hände geben, so wie es andere Gemeinden schon machen„ Wie kann man die Pflegearbeiten regeln“ Sparen wir wirklich, wenn wir ausgliedern oder wäre das nur Augenwischerei? Fragen, die einer Lösung harren. Kommt am Ende raus, dass es nichts bringt, ist auch das ein Ergebnis, auf das wir aufbauen können", so Rauh.
Das Jahr 2005 sollte dafür genutzt werden, das alles sauber abzuchecken.
Mit dem vorhandenen Geld auskommen - für den Oberbürgermeister wird unter diesem Aspekt immer deutlicher, dass Entscheidungen, die seit der Wende in Weißwasser getroffen wurden, auch nur aus dieser Zeit heraus zu verstehen sind. "Wir würden heute mit Sicherheit einiges anders entscheiden."
Ein Beispiel ist die neue Stadtbibliothek, eine von Rauh sehr geschätzte Einrichtung. Doch eigentlich hätte sich Weißwasser aufgrund der städtischen Entwicklung diesen Umbau gar nicht mehr leisten dürfen, ist er überzeugt. Doch damals scheint der Optimismus überwogen zu haben. Noch Mitte der Neunziger war die Ansicht verbreitet, Kredite seien nicht so schlimm und die Bürger, die gen Westen ziehen, kämen eines Tages schon wieder. „Probleme wurden nicht gelöst, sondern verschoben . . .“
Das mit dem Fazit, dass heute nicht mehr alles haltbar sei, was einst für knapp 40 000 Bürger geschaffen wurde, so Rauh. "Wir müssen nun mit dem Blatt spielen, das wir auf der Hand haben", so dessen realistische Feststellung.
Als vordringliche Aufgabe im neuen Jahr sieht der OB den Eissport, sprich die künftige Betreibung des Eisstadions (die RUNDSCHAU berichtete).
"Gespräche dazu fanden und finden statt. zum Beispiel mit der Sparkasse, mit dem Eissportverein und dem EHC, mit Kommunalpolitikern. Wir sind sozusagen ständig im Kontakt mit den Stadtwerken und dem Eissport. Demnächst, und darüber bin ich sehr froh, ist mit Unterstützung aus Dresden zu rechnen. Helma Orosz und Thomas Jurk - beide Minister haben als Landtags abgeordnete zugesagt, zu helfen." Rauh meinte gegenüber der RUNDSCHAU, er sei optimistisch, das Thema gemeinsam in den Griff zu bekommen.
Bestimmend für das neue Jahr sei der Tag der Sachsen mit Weißwasser als Gastgeber für dieses größte Vereinsfest im Bundesland. Wenn die Parkplatzfrage abschließend geklärt ist, etwa 80 Prozent stehen, dann gehe es an die Feinarbeit, meinte Rauh. Dieser geht von einer tatkräftigen Unterstützung aus dem Umland aus. In den regelmäßigen Stammtischrunden der Bürgermeister habe er diese rechtzeitig informiert, es fanden mit einigen detaillierte Gespräche statt, und noch im Januar folgt eine weitere größere Informationsrunde.
"Wir sind nicht mit Wunschzettel an die Gemeinden herangetreten, sondern stellen ihnen frei, sich je nach eigenen Vorstellungen einzubringen, damit eine große Vielfalt erreicht wird."
Spürbar soll in diesem Jahr weiter an der Verschönerung des Stadtbildes einiges passieren. Aus baulicher Sicht, so der Ex-Architekt, müssten Versäumnisse wettgemacht werden. Noch in den Wintermonaten geht es, wie angekündigt, der Schnitterbrauerei an den Kragen. Das Gelände kann dann zum Tag der Sachsen mitgenutzt werden. Unabhängig davon werden die drei eingereichten Investorenmodelle für die Nachnutzung geprüft.

Abriss beginnt
Ebenfalls noch 2005 werden die Allbau-Gebäude und die alte Ziegelei abgerissen. Eine Lösung strebt Rauh auch unbedingt für das Bahnhofsgebäude an. Neben der jetzigen Verwendung sollte diese Nutzung dann dem Tourismus dienen.
Der OB wiederholte in diesem Zusammenhang aber, dass die Stadt bei der Betreibung außen vor bleibe. Dann wäre da noch das Volkshaus. Dass die Sanierung überhaupt noch gewollt ist, wird von den Weißwasseranern immer mehr in Frage gestellt. Der OB versteht das. Nachdem das Finanzierungskonzept scheiterte (die RUNDSCHAU berichtete), ist der Ausgang tatsächlich offen. "Wir müssen uns mittlerweile auch fragen, ob der Telux-Speisesaal, den die Firma jetzt saniert, mit einer Kapazität von 300 Plätzen vielleicht sogar für Weißwasseraner Ansprüche reichen würde." Wenn nicht, dann muss neu über das Volkshaus nachgedacht werden. Das noch in diesem Jahr.

Türen sind weiter offen
Hartwig Rauh habe nicht das Gefühl, dass mit seiner Wahl als parteiloser Oberbürgermeister von Weißwasser die Türen in Dresden zufielen. "Dort will man sehen, wie wir mit unserem Haushalt umgehen, steht dann zu Gesprächen bereit", so die Erfahrungen der letzten Monate. "Wir wollen künftig noch enger mit dem Regierungspräsidium zusammenarbeiten und hoffen auch auf Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium."
Die Stadt habe jetzt zum Beispiel einen Antrag gewagt auf Erweiterung des Fördergebietes "Soziale Stadt". Einbeziehen will Rauh u.a. das Turnerheim.
Zu Ende gebracht wird dieses Jahr die Umgestaltung des Boulevards. Mit Stolz habe der OB gesehen, mit wie viel persönlichem Einsatz dort bisherige und neue Läden ausgestaltet wurden. "Ich hoffe, die Konzepte gehen auf."
Bisher hieß es, der alte Busbahnhof bleibe in der jetzigen Form bis über den Tag der Sachsen bestehen, um ihn als Festplatz mitzunutzen. Doch der OB informierte jetzt, dass die Überdachung doch wegkommt. Noch vor dem Fest. Wenn im Juni, Juli der neue Busbahnhof fertig ist, geht es dem alten an den Kragen. "Ich weiß, die Zeit ist knapp, aber es klappt. Ich habe ein gutes Gefühl." Ebenso wichtig sei ihm die Nachnutzung des Bereiches. Geht es nach dem gebürtigen Hattinger, könnte hier ein innerstädtischer Festplatz entstehen, wo zum Beispiel auch mal ein Rummel gastiert.
"Wenn die im Freizeitpark die Fahrgeschäfte aufbauen, nutzt das den Händlern in der Stadt überhaupt nichts. Wir müssen rein in die Stadt und das mit verschiedensten Aktionen, um Synergieeffekte zu schaffen."