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90 Kult-Mopeds tuckern durchs Kirchspiel

Pünktlich um 12.30 Uhr fiel der Startschuss für die Gaudi-Rundfahrt.
Pünktlich um 12.30 Uhr fiel der Startschuss für die Gaudi-Rundfahrt. FOTO: amz1
Schleife. Genau 90 SR 1- und SR 2-Fahrer sind zu Pfingsten auf den Rundkurs durch das Schleifer Kirchspiel gegangen. Zu der neunten Auflage des Treffens der Moped-Freunde hatte die 20 Mann starke SR-2-Brigade eingeladen. amz1

Neben der Technikschau vor der Schleifer Kirche wartet in jedem der sieben Dörfer des Kirchspiels eine Spaßprüfung auf die Fahrer. Erste Station bildet das brandenburgische Lieskau. Bei "Radlers Rast" muss mit der Luftbüchse auf eine an einem Scheunentor befestigte Scheibe gezielt werden. "Gar nicht so einfach", resümieren Lutz und Berit Hofeditz. Das Ehepaar aus Radeberg weiß nicht nur, wie man die kultigen SR-Mopeds fährt, sondern auch, wie eine Waffe richtig bedient wird. "Wir sind nämlich Jäger", begründet Lutz Hofeditz. "Da steckt hinter den Geschossen viel mehr Kraft. Schließlich soll das Schwein möglichst schnell umfallen."

Die Teilnehmer der Kult-Rundfahrt steuern auch Halbendorf an, wo eine "Fahrschule" wartet. In Trebendort muss der "Pechofenlauf" bestritten werden, in Mühlrose lädt die Kegelbahn ein. Bei den Mulkwitzern erhält jeder SR-Fahrer ein Glas voll Wasser, das er über eine gewisse Distanz möglichst verlustfrei transportieren muss. "Sieht einfacher aus, als es ist", kommentiert ein Teilnehmer. Neu dabei ist der Schleifer Historikverein. Auf dem Festplatz an der Struga sind die Fahrer zum originellen Hydrantenschlüssel-Zielwurf eingeladen. Ebenfalls kein leichtes Unterfangen.

An jeder Station sammeln die Teilnehmer Punkte. Am Ende siegt der Schleifer Sebastian Tobis. Zweiter wird Thomas Trommelt aus Weißwasser, Dritter der Forster Sven Hartenberger.

Darüber hinaus sorgt die Technik für Begeisterung. Besonders viele Blicke kassiert ein ehemaliger Krankenfahrstuhl. Das Gefährt, von Kennern als "Pitti" bezeichnet, gehört Ronny Marusch aus Mulkwitz. "Die Maschine stand lange Zeit bei einem Bekannten in der Scheune. Seit rund zehn Jahren gehört sie nun mir, und ich habe das gute Stück wieder komplett aufgebaut", erzählt der 33-Jährige. Zwar schaffe "Pitti" maximal lediglich 30 Stundenkilometer, doch aufs Tempo komme es Marusch nicht an. "Viel schöner ist es doch, durch die Landschaft zu tuckern."

Eine der wenigen Frauen im Starterfeld ist Melanie Tschierse aus Großräschen. "Mein Bruder hat mir die SR 2 zum 25. Geburtstag geschenkt", berichtet die 34-jährige Verkäuferin. Wie viele Kilometer sie mit der Maschine bereits zurückgelegt hat, kann sie indes nicht sagen: "Tacho und Kilometerzähler sind leider defekt."

"Es ist diese beeindruckende Technik, die uns so sehr an den SR-Maschinen begeistert", erklärt Mike Besch, seit Jahresbeginn Vorsitzender der Schleifer SR-Brigade. Gas geben und Schalten mit beiden Händen müsse man erst mal können. Sein Verein spreche SR-Enthusiasten jeden Alters an. Derzeit Jüngster sei der 18-jährige Kurt Mettke aus Schleife, als "Alterspräsident" fungiere Andreas Beland mit 59 Jahren, ebenfalls aus Schleife. Ach ja, "SR" stehe für "Suhl Rheinmetall". Die Mopeds wurden von 1955 bis 1964 gebaut.

Traditionell gehört zum SR-Treffen auch Gottes Segen. Die Schleifer Pfarrerin Jadwiga Mahling hat an diesem Pfingstsonnabend eine Menge zu tun. Vormittag eine Trauerfeier, gegen Mittag die Biker-Andacht und am frühen Nachmittag sogar eine Trauung. "Ich selbst bin noch nie mit einer SR gefahren, würde es aber gern mal versuchen", bekennt die Kirchenfrau. Eigens für die Hochzeit haben die Moped-Begeisterten ein Schild aufgestellt. Während der Trauung sollen die Motoren ausgeschaltet werden. Übrigens: Der Fahrer des Brautpaares, Bernd Zuchold, der mit einem historischen F 8-Cabrio vor die Kirche rollt, bezeichnet sich selbst als bekennenden SR-Fan: "Würde heute nicht diese Hochzeit stattfinden, wäre ich auf jeden Fall die Runde durch unser Kirchspiel mitgefahren."