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90 Jahre – und immer noch kein altes Eisen

Gemeindewehrleiter Holger Liermann (r.) gratuliert Henryk Hentschke zum Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze.
Gemeindewehrleiter Holger Liermann (r.) gratuliert Henryk Hentschke zum Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze. FOTO: Ingolf Tschätsch
Skerbersdorf. Die Feuerwehr Skerbersdorf feiert mit Festsitzung Gründungsjubiläum. Am kommenden Sonnabend gibt es einen Tag der offenen Tür. Ingolf Tschätsch / igt1

Joachim Schuster und die Feuerwehr Skerbersdorf - ein unzertrennliches Gespann. Der 80-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie er als Sechsjähriger die Übergabe der ersten Motorspritze erlebte. Im Gedächtnis ist ihm auch geblieben, dass 1962, unter seiner Regie als Wehrleiter, die AG Junge Brandschutzhelfer gegründet und ein Jahr später das in Eigenleistung erbaute jetzige Gerätehaus eingeweiht wurde. "Mittlerweile ist in unserer Familie mit dem Enkel die dritte Generation in der Feuerwehr", erzählt der Bäckermeister im Ruhestand der RUNDSCHAU.

Am Sonnabend sitzt Joachim Schuster mit seinen Kameraden und ihren Frauen im Saal der Gaststätte "Zur Eiche". Große Festsitzung anlässlich des 90. Gründungsjubiläums der Skerbersdorfer Wehr.

Der freudige Anlass wird durch ein trauriges Ereignis getrübt - den plötzlichen Tod des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Henry Kossack Ende Mai. Sein Name habe ebenfalls auf der Gästeliste gestanden, erklärt Ortswehrleiter Henryk Hentschke zu Beginn seiner Rede. In bewegten Worten schildert er, dass Kossack ihm 1990 bei seinem Eintritt in die Feuerwehr die Hand geschüttelt habe, er ihn gut gekannt und geschätzt habe. Mit einer Schweigeminute gedenken die Männer und die Frauen des Verstorbenen.

Dann spricht Hentschke von den sieben Einwohnern, die im August 1927 die hiesige Wehr gründeten. Obwohl sie nicht mehr leben, wären sie sicher stolz darauf gewesen, eine Wehr ins Leben gerufen zu haben, die die Wirren des Zweiten Weltkrieges überstanden und in all den Jahren ihre Bereitschaft zur Hilfe am Mitbürger demonstriert und geleistet habe, erklärt der Festredner. Er erinnert auch an die erste Feuerlöschspritze, die 1929 zum Preis von 1550 Reichsmark beschafft wurde. Das Geld dafür musste durch freiwillige Spenden erbracht werden, wozu eine Namensliste im Dorf herumging. Kritisch merkt der Ortswehr-Chef an, dass die Skerbersdorfer Truppe im Vergleich zu früher wesentlich kleiner und älter geworden sei. Heute zählt sie 29 Brandschützer, von denen 18 in den aktiven Dienst einbezogen sind. "Es heißt zwar immer, Eigenlob stinkt, aber ich behaupte, dass unser Ausbildungsstand ausreicht, um den üblichen Anforderungen an einen Feuerwehreinsatz genügen zu können", schätzt Henryk Hentschke ein.

Was die Zahl der Einsätze betreffe, sei diese in den vergangenen Jahren auch bei den Skerbersdorfern gesunken. Der letzte schwere Verkehrsunfall liege schon einige Zeit zurück, und auch Brandeinsätze habe es nur in den Nachbarorten gegeben. "Die letzten großen Herausforderungen stellten eigentlich nur das Orkantief ,Kyrill` und die Hochwasser der Neiße dar", so der Ortswehrleiter. Im damaligen Kreis Weißwasser, im späteren NOL als auch im heutigen Landkreis Görlitz haben sich die Florianjünger aus Skerbersdorf einen guten Namen gemacht.

Diese Einschätzung von Henryk Hentschke unterstreicht in der Festveranstaltung auch Ingelore Ruge, Sachgebietsleiterin Katastrophenschutz beim Landkreis. Solche Beispiele wie der mehrmalige Titel "Vorbildliche Feuerwehr" zu DDR-Zeiten, die Ausrichtung des ersten Sternentreffens der Jugendfeuerwehren des Kreises 1989 oder der 1. NOL-Kreismeisterschaften vor 22 Jahren stehen dafür.

Glückwünsche zum Jubiläum überbringen außer dem Landkreis auch der Krauschwitzer Gemeindewehrleiter Holger Liermann, der stellvertretende Bürgermeister Daniel Moosmann (CDU), der für Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) gekommen ist, der zum Tag der Sachsen in Löbau weilt, und Petra Rettig vom Gemeindeamt. Sie hat eine persönliche Geldspende für den Außenanstrich der Gerätehalle der Wehr mitgebracht.

Beförderungen und Auszeichnungen dürfen natürlich bei solch einem Höhepunkt nicht fehlen. Befördert werden Maik Handke zum Oberfeuerwehrmann, Benjamin Junge zum Hauptfeuerwehrmann und Daniel Kliemann zum Löschmeister. Siegfried Junge wird für 60 Jahre treue Dienste geehrt und Erhard Müllrich für seine Verdienste zum Ehrenmitglied der Gemeindewehr ernannt. Ortswehrleiter Henryk Hentschke erlebt noch eine besondere Überraschung, als ihm Gemeindewehrchef Holger Liermann das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze an die Uniform heftet.

Mit einem geselligen Beisammensein klingt die Festsitzung aus. Am kommenden Sonnabend laden die Skerbersdorfer Florianjünger anlässlich ihres Jubiläums ab 15 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.