Das Kulturhaus mausert sich von Jahr zu Jahr. Das trifft sowohl auf den baulichen Zustand als auch auf die Veranstaltungen zu. Verständlich, dass es die Mitglieder des Vereins wurmt, wenn es im Dorf immer noch Leute gibt, die die Sache skeptisch beäugen. "Manche tun so, als würden wir das alles machen, um unsere eigenen Taschen zu füllen", ärgert sich Vereinsvorsitzender Martin Brendel. Aber so ist es weiß Gott nicht, betont dieser. "Es ist eigentlich der Wahnsinn, was unser Verein mit Unterstützung anderer aus dem Ort bewerkstelligt." Von den unendlich vielen Stunden Freizeit, die in Verwaltung, Erhalt und Pflege sowie bauliche Vorhaben und in Veranstaltungen fließen, wolle niemand reden. "Jeder einzelne Cent, den wir erwirtschaften, fließt zurück ins Kulturhaus", so Finanzerin Barbara Glowna vom Vereinsvorstand.

Nach Querelen um das Kulturhaus und dessen früheren Pächter war es nicht gut bestellt um das einstige Dorfgemeinschaftshaus. Die Sagarer hatten es 1962 freudig eingeweiht. In dem Gebäude steckten Tausende freiwillig geleistete Arbeitsstunden der damaligen Generation. Wie sollte es nun weitergehen? Diese Frage musste beantwortet werden, nachdem die Gemeinde Krausch witz das Kulturhaus per Gerichtsbescheid 2009 zurückbekam. "2011 entschieden sich einige Sagarer, die Betreibung zu übernehmen. Im Jahr darauf gründeten wir den Verein - 20 Mitglieder waren wir", berichtet Wolfgang Glowna, der "Vereinshausmeister". "Michael Handtke, der den Vorsitz übernahm, sagte damals: Wir springen ins Wasser. Entweder schwimmen wir oder gehen unter", erinnert sich Martin Brendel und fügt hinzu: "Und wir schwimmen." Die Gemeinde blieb offiziell im Grundbuch der Eigentümer, der Verein wurde erst einmal Betreiber. "Richtig Pächter sind wir erst seit 2014."

Gemeinsam mit der Gemeinde gingen die Kulturhaus-Enthusiasten das Thema energetische Sanierung an. Dach, Fenster, Sanitär. Mit einem großen Ruck sei das aber nicht möglich gewesen, aber Stück für Stück. Jedes Jahr etwas.

"Damit wir das Haus aber für Veranstaltungen nutzen konnten, mussten Gastraum und Küche erst einmal ausgestattet werden." Grit Brendel, die Vereinssprecherin, berichtet von den 100 neu angeschafften Stühlen, von Geschirr, Deko-Gegenständen, Tischdecken und, und, und. "Nur wenn sich die Gäste bei uns wohlfühlen, mieten sie sich für Veranstaltungen ein", so die Sagarerin. Unzählige Arbeitseinsätze wurden in den vergangenen Jahren gestemmt. Die und auch die Pflege der kompletten Außenanlagen samt Sportplatz seien nur mithilfe von anderen Einwohnern möglich gewesen. Einer, der stets mit anpackt und Technik seiner Firma zur Verfügung stellt, sei Wolfgang Noack, lobt Martin Brendel.

In diesem Jahr soll der Saal weiter verschönert werden, kündigt dieser an. "Dringend notwendig sind Arbeiten am Sesselraum. Hier hoffen wir auf Fördergelder aus dem Leader-Topf."

Doch um ein Objekt wie das Kulturhaus am Leben zu erhalten, braucht es nicht nur jede helfende Hand, sondern vor allem viel Geld. Das wisse jeder, der ein eigenes Haus hat. Allein die fixen Kosten seien nicht ohne. "Wir erwirtschaften uns das über unsere Veranstaltungen und Vermietungen", berichtet Grit Brendel. Sie freut sich deshalb, dass die Angebote so eine gute Resonanz finden. Zu den absoluten Rennern zählt sie den "Irischen Abend" im April. "Der war spitze, es gab viel Lob von den Gästen. Da weiß man, wofür man das alles macht."

Erfolge wie dieser spülen Geld in die Vereinskasse. Investiert wurde das zum Beispiel aktuell in den Umbau der Theke im Gastraum. Tischler Frank Ruhle sei ein Bravourstück gelungen, ist sich der Vorstand einig.

Das Kulturhaus ist gefragt. Der Karnevalsverein nutzt es für seine Veranstaltungen genauso wie die Jagdhornbläsergruppe Muskauer Heide oder Familie Täuber für Tanzkurse.

Mit dem Kulturhaus verfügt der Verein über einen der größten Säle in der Region. 200 Plätze bietet dieser und wird seit 2011 auch wieder von der Grundschule im Ort für Einschulungsfeiern genutzt. "Aber auch viele private Feiern finden hier statt", sagt Brendel.

Für Sagar ist 2016 ein besonderes Jahr. "Unseren Ort gibt es seit 650 Jahren. Das wollen wir Ende August feiern. Ein Festkomitee hat sich gegründet mit Vertretern von Vereinen und interessierten Bürgern." Der Kulturhausverein hat laut Grit Brendel die Regie dafür übernommen. Jeder aus dem Ort, der möchte, könne sich gern einbringen.

www.kulturhaus-sagar.de

Zum Thema:
Diese Veranstaltungen stehen 2016 auf dem Programm: 18. Juni Sommernachtsparty; 26. Juni Flohmarkt mit Kleiderbörse; 26./28. August 650-Jahr-Feier mit 5. Woodsports-Auflage; 7. Oktober Deutscher Abend; 5./6. November Kunst im Kulturhaus; 18. Dezember Weihnachten mal anders; 31. Dezember Silvesterfeier. Mittwochs ist um 18 Uhr "Bürgertreff" im Gastraum. Vereinsvorstand: Martin Brendel (Vorsitz); Enrico Noack, Barbara Glowna, Grit Brendel und Annegret Nickel