Von Christian Köhler

„Naja, Interesse können wir schon feststellen.“ Das hat der Magische Zirkel dem jungen Hartmut Schirrock bei seiner ersten Aufführung vor dem etablierten Künstlern im damaligen Bezirk Cottbus entgegengebracht, als dieser – gerade mit dem Moped-Führerschein in der Tasche – angerückt war und um Aufnahme gebeten hat. „Damals war ich schon sehr enttäuscht über das Urteil“, gibt Hartmut Schirrock heute zu. Schließlich hatte er sich seinerzeit gut auf den Auftritt vorbereitet, musste aber einsehen, dass es eben etwas anderes ist, vor Kennern zu zaubern als vor der Familie oder im Freundeskreis.

Aller Anfang ist schwer

In Groß Döbbern, wo Hartmut Schirrock aufgewachsen ist, hat er seit der siebten Klasse sein Umfeld in Erstauen versetzt. „Und eigentlich nur, weil es in unserer Bibliothek nur noch ein Buch gab, was ich noch nicht gelesen hatte“, erinnert er sich: Das Lehrbuch für Zauberei hat ihn seither nicht mehr losgelassen. „Meine Mutter hat mir damals Sachen geschneidert und ich habe mein Taschengeld für Requisiten ausgegeben“, erzählt er schmunzelt. Gebastelt hat er, probiert und getestet – bis alles sitzt.

1974 hat er es dann in den Magischen Zirkel geschafft. „Bei meinem Auftritt vor 45 Jahren in Görlitz kam ich wohl sehr gut an“, sagt Schirrock. Es zeige sich eben, „Aufgeben ist keine Option.“ Weil er bis dato kein Geld für seien Auftritte nehmen durfte, musste er, wie zu DDR-Zeiten üblich, zu einer Einstufung. „Alle zwei Jahre musste man sich einstufen lassen“, erinnert sich Hartmut Schirrock, „damals war ich mit meiner Frau beim Arbeiter-Varieté des Kraftwerkes in Trattendorf.“

Nach der Hochzeit mit Annette tritt er oft auf. Zwischen Cottbus und Zittau sind sie getourt. „Und doch habe ich mich nicht dafür entschieden, mit dem Zaubern mein Geld zu verdienen“, sagt er. Hartmut Schirrock ist Uhrmachermeister. Das filigrane Handwerk mag manch einem auch wie Zauberei vorkommen, aber tatsächlich hat beides Gemeinsamkeiten. „Man braucht schon viel Geschick, bei den Uhren und dem Zaubern.“

Zu Gast bei „Im Krug zum grünen Kranze“

Das größte Erlebnis zu DDR-Zeiten war der Auftritt 1984 bei „Im Krug zum grünen Kranze“, als er mit einem Degen durch einen Korb gestochen hat, in dem sich Annette Schirrock befunden hat. „Und sie hat bis heute alles überlebt“, sagt Hartmut Schirrock. Als sich Annette Schirrock 1992 für den Abschied von der Bühne entschied, ist er dennoch dem Hobby Zauberei treu geblieben – allerdings nunmehr nicht mehr für ein erwachsenes Publikum.

„Man muss vor Kindern genauso zaubern wie vor Erwachsenen, nur besser“, sagt er. Wer nämlich glaubt, Kinder würden mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten, der irrt gewaltig. „Wenn sie mitbekommen, wie der Trick geht, dann sagen sie es einem sehr direkt“, weiß Schirrock aus Erfahrung. Seither tritt vor Kindern bei allerlei Gelgenheiten auf und gibt zu: „Die Hüpfburg ist dabei mein größter Feind.“ Das größte Lob ist deshalb für den Magier, „wenn ein Kind zu mir kommt und sagt, das hat mir gefallen.“

Deutscher Meister 2005 im Zaubern

Dass in Westdeutschland auch nur mit Wasser gekocht wird, das hat Hartmut Schirrock bei seiner ersten und einzigen Teilnahme 2005 an der deutschen Meisterschaft in Sindelfingen erfahren. Dort hat er den erten Platz belegt. „Ich bin heute noch stolz, dass die Punktzahl, die ich erreicht habe, bis heute nicht mehr erreicht wurde.“

Nach der Meisterschaft hält Hartmut Schirrock selbst Zauberseminare, hat einen Zauberschüler, Luis Heinke, ausgebildet. Auf die Frage, wie viel Zauberstücke er kann, sagt er: „Ich könnte etwa 250 vorführen, aber die Stadtkasse von Weißwasser kann ich nicht füllen.“ Denn neben seiner Arbeit als Uhrmacher ist Hartmut Schirrock auch Weißwasseraner Stadtrat. „Ich habe durch meine Zauberei viele Menschen kennengelernt, aber die meisten tatsächlich als Stadtrat“, bekennt er. Auch bei der evangelischen Kirche engagiert er sich, ist seit 2002 Vorsitzender des Zauberclubs Cottbus. „Ohne meine Familie und die Unterstützung meiner Frau wäre das alles nicht möglich“, sagt Hartmut Schirrock.

Dennoch steht das große Jubiläum noch an: Am 15. November wird in die Weißwasseraner Telux zu einer großen Show geladen, bei der nicht nur Hartmut Schirrock zu sehen sein wird, sondern auch viele befreundete Künstler. „Es ist natürlich etwas Besonderes in Weißwasser aufzutreten“, sagt der Jubilar und hofft dabei auf gute Unterhaltung.