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43 Schleusungen fliegen auf

Ein Kofferraum voller Diebesgut füllte in der Dienststelle der Bundespolizei inspektion in Ludwigsdorf mehrere Tische. Das Handwerkszeug war nagelneu und original verpackt. Es gehört zu einem der spektakulärsten Fälle im vergangenen Jahr.
Ein Kofferraum voller Diebesgut füllte in der Dienststelle der Bundespolizei inspektion in Ludwigsdorf mehrere Tische. Das Handwerkszeug war nagelneu und original verpackt. Es gehört zu einem der spektakulärsten Fälle im vergangenen Jahr. FOTO: Inspektion Ludwigsdorf
Ludwigsdorf. Die Bundespolizei inspektion Ludwigsdorf hat im vergangenen Jahr 5262 Straftaten festgestellt. Das reicht von der Schleusung bis zum Schwarzfahren. Regina Weiß

Da behaupte noch einer, der Kofferraum eines A 4 Kombi wäre zu klein. Er reicht allemal aus, um acht Motorkettensägen, 20 Äxte, 49 Akkuschrauber beziehungsweise Bohrmaschinen, Gartengeräte, zwei Teppiche sowie Drogerieartikel zu verstauen. "Das war wie bei Tetris", zieht Inspektionsleiter Polizeioberrat Stephan Fischer einen Vergleich. Soll heißen, auch die letzte Lücke wurde zum Verstauen genutzt. Von außen verriet sich das Auto. Es war augenscheinlich schwer beladen. Für die Beamten der Bundespolizei Anlass genug, den Pkw im Herbst am A 4-Rastplatz "An der Neiße" zu kontrollieren. Die Ladung des Autos entpuppte sich als nigelnagelneue und original verpackt Ware. Ihr Wert belief sich auf 11 000 Euro. Fahrer und Beifahrer des Autos, das nach Polen wollte, wurden in Untersuchungshaft genommen, erinnert sich Michael Engler, Pressesprecher der Inspektion, an einen der besonderen Fälle des letzten Jahres. Schwer sei es gewesen, die Ware ihrem rechtmäßigen Eigentümer zuzuführen. Die beiden Verhafteten behaupteten hingegen, alles einem Unbekannten bei Frankfurt am Main abgekauft zu haben.

Insgesamt vermeldet die Inspektion, die für den 65 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen Köbeln und Hagenwerder zuständig ist, 5262 Straftaten. Im Vergleich zu 2015 sei das ein Rückgang von acht Prozent. Das Gros dieser Zahlen hat damit zu tun, dass Personen gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen. 1517-mal mussten die Beamten Anzeigen wegen unerlaubter Einreise fertigen. Wobei "nur" 877 Fälle als neu bezeichnet werden. Bei den anderen handelt es sich im Amtsdeutsch um Nachbearbeitungen. Da geht es um Personen, die sich jetzt im Landkreis Görlitz aufhalten, die aber schon lange vorher über die deutsch-österreichische Grenze gekommen sind.

Zudem wurden 43 Schleusungen mit 171 Personen festgestellt. Die absolute Mehrzahl versuchte es über die Autobahn, der Rest über die Stadtbrücke Görlitz oder die Brücke Bad Muskau.

Menschen von 36 Staatsangehörigkeiten haben 2016 versucht, sich ein Visa zu erschleichen. Die Fälle von Ukrainern, Tschetschenen, Georgiern und Moldauern machen 408 Fälle aus. Das könnten künftig weniger werden, wenn die EU, wie geplant, die Visafreiheit für Ukrainer und Georgier zulässt.

Andere probierten es mit gefälschten Personaldokumenten oder Zulassungen oder Führerscheinen. 121 Urkundenfälschungen registrierte die Bundespolizei und blieb damit dem Durchschnitt der letzten Jahre treu.

Nicht immer ließen sich Autofahrer bei ihren Touren stoppen oder wollten gar kontrolliert werden. Elfmal entzogen sich Fahrzeuge der polizeilichen Kontrolle. Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden.

Aus Erfahrung wissen Fischer und Engler, dass es sich bei den Autofahrern meistens um junge Polen handele, die oft unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stehen würden. Jede Streifenbesatzung müsse bei der Verfolgung selber einschätzen, wie weit sie gehen will.

Zum Thema:
242 Eigentumsdelikte weißt die Statistik der Bundespolizei auf. 214 davon sind laut Stephan Fischer Diebstähle. Ein Fünftel davon sind Fälle zum Nachteil der Deutschen Bahn. Es habe sich herumgesprochen, dass die Bahnstrecke zwischen Knappenrode und Horka Baustelle und dort manches Material zu holen ist. Die Ermittlungsarbeit nach solchen Fällen stelle sich als schwierig heraus.Auch Sachbeschädigungen halten Bundespolizei und Bahnmitarbeiter gleichermaßen in Atem. 341 Fälle seien es im vergangenen Jahr gewesen. Die Steigerungsrate beträgt hierbei 58 Prozent. Auch das Schwarzfahren nimmt zu. 177 Fälle kamen hier zur Anzeige. Auch tierschutzrechtliche Belange musste die Bundespolizei klären. Gefunden wurden in Fahrzeugen Kronengeckos, Schottische Falt ohrkatzen, Vogelspinnen und Möpse gefunden. In allen diesen Fällen arbeitet die Bundespolizei mit dem Veterinäramt des Kreises zusammen. So müssen die Tiere in Quarantäne untergebracht werden.