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| 01:00 Uhr

375-jährige Dorfkirche in barocker Pracht

„Auch wenn das sicher jeder Pfarrer erklärt: Unsere Kirche ist schon etwas ganz Besonderes!“ Helmut-Andreas Spengler von der Evangelischen Kirchengemeinde Jänkendorf/Ullersdorf (NOL) hat gute Gründe für seine Behauptung. „Für mich ist die Ullersdorfer Kirche das am besten restaurierte Gotteshaus im weiten Umkreis“ , betont der Gemeindehirte. Von Uwe Menschner

Ullersdorf.
Dies würde sich weniger auf die Außenhülle beziehen, viel mehr jedoch auf das Innere des Bauwerkes. Dabei berichtet der Pfarrer von der Bilderbibel, einer Nacherzählung des Lebens und Sterbens Jesu Christi - und weckt damit die Neugierde. Wer als Fremder nach Ullersdorf will, der hat es nicht leicht. Kein Schild weist an der Hauptstraße auf den kleinen Ort hin, der sich unmittelbar an Jänkendorf anschließt. Einmal im Zentrum, trifft man immerhin auf die Ullersdorfer Straße und weiß nun, wo der Weg entlang führt.

Vorbei geht die Fahrt an saftig grünen Wiesen, rechterhand grüßen die dicht bewaldeten Hänge der Königshainer Berge. Ländliche Idylle pur - und mittendrin erhebt sich der schlanke Turm des Ullersdorfer Gotteshauses. Und tatsächlich - von außen unterscheidet es sich kaum von vielen anderen Kirchen der Region. Pfarrer Helmut-Andreas Spengler lächelt wissend, als er den rustikalen Schlüssel im Türschloss der Kirche dreht. Mit einem Ruck öffnet er die Tür und lässt den Besucher eintreten. Aus dem relativ dunklen Eingangsbereich gelangt er in das vom Tageslicht erleuchtete Kirchenschiff - und sieht sich inmitten einer ungeahnten Flut von Farben und Formen.
Ob nun die Kanzel oder die zahlreichen Wandbilder links und rechts davon - alles sprüht förmlich über vor Farbenfreude. Keine Spur von der Schlichtheit, die oftmals in der Gestaltung von Dorfkirchen dominiert.
Die Ullersdorfer Kirche ist barocken Ursprungs, und sie gibt sich alle Mühe, dies zu zeigen. „Wir hatten das große Glück, die Stiftung Denkmalsschutz für die Innensanierung mit ins Boot zu bekommen“ , erläutert der Pfarrer. Und wo die Stiftung ihren Beitrag leistet, da sind Freistaat und Landkreis verpflichtet, ebenfalls einen Obolus zu entrichten. „Es war ein Husarenritt im Wert von über 500 000 Euro“ , erinnert sich Helmut-Andreas Spengler. „Fördermittel in dieser Höhe würde es heutzutage nie wieder geben.“ Davon profitiert haben unter anderem die Wandbilder, die die Ullersdorfer Bilderbibel bilden. Sie wurden vor der Sanierung teilweise nur noch durch die verblasste Farbe zusammengehalten.
Heute strahlen sie in ungeahnter Lebendigkeit, lassen die Geschichte des Lebens und Sterbens Christi wie in einem Film vor dem Auge des Besuchers ablaufen.
Die Ullersdorfer Bilderbibel ist sicher eines der bedeutendsten sakralen Kulturdenkmäler der Region - und kommt jetzt gänzlich neuen Ehren: Aus ihren Bildern gestalteten die Gemeindeglieder ein Fastentuch. In Zukunft soll es in der Tradition der berühmten Zittauer Tücher in der Fastenzeit den Altar der Ullersdorfer Kirche verhüllen. Noch vieles mehr gibt es in und an der Ullersdorfer Kirche zu entdecken: Die Fensterrose, das letzte noch erhaltene Stück des zu DDR-Zeiten abgerissenen Schlosses, hat einen Platz im Eingangsbereich gefunden; eine Truhe, von der Pfarrer Spengler überzeugt ist, dass sieAblasshändlern zum Einsammeln ihrer Pfründe diente; das halb in den Boden eingesunkene Sühnekreuz, das an ein längst vergessenes Verbrechenerinnert.

Wer sich selbst einmal in dieser außergewöhnlichen Dorfkirche, die kürzlich ihr 375-jähriges Jubiläum feierte, umschauen will, fährt auf der BAB 4 bis Nieder Seifersdorf und von dort in Richtung Niesky (oder von Niesky kommend in Richtung Löbau). In Jänkendorf ins Zentrum abbiegen und dort der Ullersdorfer Straße folgen.