Von Christian Köhler

Können Sie sich noch erinnern? Vor 30 Jahren haben viele ihre Garagen entrümpelt, Schwalbe, Star, Simsonroller oder die S 51 aus dem Suhler Werk haben anschließend für den schmalen Taler den Besitzer gewechselt. Manche, so erinnert sich Wilfried Noack aus Weißkeißel, haben die Mopeds auch verschenkt. Klar, was aus dem Westen kam, musste offenbar gekauft werden. 30 Jahre später ist das kaum zu glauben. Heute nämlich muss man für eine restaurierte „Simmi“ schon einen höheren, vierstelligen Betrag auf den Tisch legen.

Nachfrage ist ungebrochen

„Die Nachfrage ist nach wie vor ungebrochen und ich denke, sie hat sich auch noch erhöht“, schätzt Wilfried Noack ein. Seit 30 Jahren nämlich lässt ihn das motorisierte Zweirad nicht los. Und dass die DDR-Fabrikate wieder auf dem Vormarsch sind, liegt wohl nicht nur an ihrer Langlebigkeit. Denn auch das Schrauben hat wieder Hochkonjunktur. Aber: „Es sind schon manche Väter an der Technik verzweifelt, die dem Sohnemann eigentlich nur helfen wollen“, räumt Wilfried Noack. Und wenn die auf den Hof der Familie Noack zwischen Weißwasser und Weißkeißel rollen, fängt die Arbeit die an.

Drei Generationen arbeiten gemeinsam

Denn beim Motorradhaus am Braunsteich gilt Interesse für Motorräder nicht nur für den „Senior“ in der Firma. Sohn Enrico Noack arbeitet schon seit Jahren mit im Familienbetrieb – und hat ihn schließlich 2016 übernommen. „Und das gleichzeitig mein Enkel Marcel ebenfalls bei uns die Lehre angefangen hat, macht mich schon stolz“, sagt Wilfried Noack, der jüngst wieder zum stellvertretenden Bürgermeister in Weißkeißel gewählt wurde.

Marcel Noack wiederum wird sowohl an Zweirädern als auch an Autos zum Kfz-Mechatroniker ausgebildet. „Wenn er im Februar fertig ist, wird er anschließend ein Meisterstudium absolvieren“, erzählt der Opa stolz. Dass sich die zwei um die Werkstatt kümmern, und Wilfried Noack selbst über all noch helfen kann, komme dem gesamten Betrieb zugute.

Freilich sind seit 1990 neben MZ und Simson zahllose weitere Fabrikate hinzukommen. „Wir reparieren alles, was zwei Räder und einen Motor hat“, sagt Wilfried Noack. Aber für ihre Kunden habe man sich in Weißkeißel schon immer Zeug gelegt. „Es hat uns sehr gefreut, dass am 2. Oktober so viele zu unserem Jubiläumsfest gekommen sind“, sagt der Firmengründer. Ganz besonders will er sich bei den Wipfelguckern aus Jämlich bedanken, die für die Kinder einen kleinen Cross-Parcour aufgebaut haben.

Nicht nur reparieren, sondern auch umrüsten

Dass die Anfragen für Reparaturen von Motorrädern aller Colour zunehmen, freut natürlich die Familie. „Wir haben in Suhl einen Lieferanten für Ersatzteile gefunden“, erzählt der Firmengründer, „und so haben wir uns nicht nur auf Reparaturen spezialisiert, sondern rüsten auch vermehrt die Elektronik um.“ Gerade bei den Mopeds, die auf 6-Volt laufen, bringe das Vorteile für die Fahrer. „Die laufen dann nämlich tadellos“, ist sich Wilfried Noack sicher.

Dass der Weißkeißeler überhaupt seinen Betrieb am 2. Oktober 1989 – also noch in „tiefester“ DDR-Zeit – gegründet hat, macht die Noacks übrigens nicht weniger stolz. „Es war ein langer Kampf und ich bin heute noch froh, dass gleichzeitig die PGH Motor aufgehört und mir die Motorräder überlassen hat“, sagt Noack. Die habe er nämlich als erstes repariert, bevor sich nach und nach die Kundschauft immer häufiger blicken lassen hat. 2019 hält Wilfried Noack fest: „Ich habe den Schitt in die Selbstständigkeit nie bereut.“