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25 Jahre Spiegel aus Weißwasser

Mit Kind und Kegel feierte das SpiegelArt-Team um die Chefs Steffen und Christian Noack (M.) das Firmenjubiläum gestern mit einem Ausflug nach Dresden. Der schöne Tag begann natürlich im Grünen Gewölbe, das von ihnen gefertigte Spiegel ziert. Damit wurde die Firma deutschlandweit bekannt.
Mit Kind und Kegel feierte das SpiegelArt-Team um die Chefs Steffen und Christian Noack (M.) das Firmenjubiläum gestern mit einem Ausflug nach Dresden. Der schöne Tag begann natürlich im Grünen Gewölbe, das von ihnen gefertigte Spiegel ziert. Damit wurde die Firma deutschlandweit bekannt. FOTO: Andy Paulik
Weißwasser. Vor einem Viertel- jahrhundert hat Steffen Noack die ersten Spiegel auf Märkten an die Leute gebracht. Heute sind die innovativen Produkte von SpiegelArt für die Ausstattung von Schlössern, Hotels und milliardenschweren Yachten begehrt. Gabi Nitsche

Steffen Noack (54) und Sohn Christian (33) sind der "Kopf" von SpiegelArt. Beide sind Weißwasseraner mit Leib und Seele und als solche "gaaaanz stolz auf die Entwicklung des Eissports", sagt der Junior. Das haben sie seit drei Jahren bei jedem Füchse-Spiel unter Beweis gestellt, indem sie die besten Spieler jeweils mit einem in ihrem Handwerksbetrieb hergestellten Pokal ehrten. Sie zeigen ihre Leidenschaft auch jedem mit einem riesigen Füchse-Werbebanner an dem früheren Flachglas-Produktionsgebäude an der Berliner Straße. Die Immobilie, die sich seit vielen Jahren im Tiefschlaf befindet, haben Noacks gekauft. "Wir wollen das gelbe Elend, wie wir es nennen, abreißen und damit Platz schaffen für eine Erweiterung", erklärt Steffen Noack. Doch noch stecke diese Idee in den Kinderschuhen und muss reifen. Es sei schließlich auch eine finanzielle Frage. Wobei das Vater-Sohn-Gespann den Schandfleck lieber heute als morgen von der Bildfläche verschwinden lassen möchte.

Wenn sich die beiden etwas in den Kopf gesetzt haben, dann wird es auch? Kopfnicken und schmunzelnde Gesichter. Steffen und Christian Noack haben sich mit ihrem Team SpiegelArt zu einem deutschlandweit gefragten Kooperationspartner entwickelt. Ihr Mut, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, werde belohnt. "Es ist echter Wahnsinn, wie mit den tollen Aufträgen die Zeit vergeht." Sieben Jahre sei es nun schon her, seit Christian Noack die Meisterschule absolvierte. "Der Wandel, den unsere Firma seit ihrer Gründung vollzogen hat, ist irre. Was wir heute machen, geht über Spiegel im ursprünglichen Sinn weit hinaus, aber wir kehren immer wieder dahin zurück", so der Junior und plaudert mit seinem Vater aus dem Nähkästchen. Für die Ausstattung eines hypermodernen Geschäftes eines bekannten Mode-Labels mitten in Paris haben die Architekten von Noacks in Weißwasser 19 Millimeter starke Spiegel in Silbertechnologie mit den Maßen von knapp anderthalb mal drei Metern haben wollen - und das 36 Mal. "Aber das Gesamtgewicht wäre für die Statik des Hauses einfach zu hoch gewesen. Eine Platte wog um die 200 Kilogramm", erklärt Christian Noack. Gefertigt haben die Weißwasseraner letztlich zwölf dieser Platten, die restlichen fielen dünner aus.

Als Steffen Noack als 30-Jähriger seine kleine Firma gründete, habe er freitags auf einem Dresdener Markt Bestellungen angenommen. "Für die zehn Spiegel habe ich dann die Woche bis zum nächsten Markttag gebraucht. Heute würde man das in einer halben Stunde machen." Damals sei er glücklich gewesen über einen Monatsumsatz von 5000 Euro etwa. Für den gelernten Kraftwerksschlosser und somit Quereinsteiger in der Spiegelproduktion eine solide Basis. "In diesem Jahr erreichen wir einen Umsatz geschätzt von mehr als 700 000 Euro", verrät der Sohn stolz. Ein moderner Technikpark, das Know-how der Firma und engagierte Mitarbeiter machen das möglich.

Und möglich machen die Noacks so manches. "Es gibt Kunden mit ganz speziellen Wünschen wie aktuell für einen Yachtbau-Zulieferer. Das sind ausgefeilte und extreme Ansprüche an die Qualität, denen wir uns stellen. Bei dem konkreten Fall lassen wir Spiegel künstlich altern." Laut Christian Noack heißt das, erst optimal den Spiegel herzustellen und ihn dann so zu behandeln, dass er die gewünschten Alterserscheinungen aufweist. "Man muss etwas tüfteln, gucken, welche Technologie man am besten anwendet." Aufwand und Abstimmungsbedarf seien hoch. "Aber wenn wir damit für einen Aha-Effekt, für etwas ganz Besonderes sorgen, ist es einfach toll." Christian Noack sieht in den Spiegeln dieser Art einen neuen US-Trend für außergewöhnliche Dekorationszwecke.

Den Durchbruch und damit hohe Anerkennung in der Branche erzielten Noacks vor allem durch einen Auftrag für das Grüne Gewölbe in Dresden. Von den insgesamt 600 Quadratmetern Spiegelfläche in den zehn Räumen der sächsischen Schatzkammer wurden 345 Quadratmeter in Weißwasser hergestellt. Steffen Noack hatte dafür vor mehr als zwölf Jahren ein neues Verfahren entwickelt. Inzwischen sind die Weißwasseraner Spiegel-Experten mehr denn je im Innenausbau unterwegs. Spiegel aus Weißwasser zieren Schlossräume etwa in Ludwigslust, Schönhausen, Hubertusburg oder Parfümerien am Berliner Ku'damm oder auf der Düsseldorfer Kö, Hotels am Potsdamer Platz in Berlin oder das Barcelo in Hamburg. "Zurzeit ist das Hotel ‚Zur Bleiche' in Burg ein Auftraggeber", sagt Noack.

Zum Thema:
Über das Internet ist SpiegelArt für jeden Kunden zum Greifen nah. Inzwischen realisieren die Weißwasseraner etwa die Hälfte der Aufträge darüber. Die Kunden informieren sich über moderne und historische Spiegel, Duschglaswände und vieles mehr und lassen sich dann am Telefon umfassend beraten. Etwa 90 Prozent von ihnen bestellen dann tatsächlich. Firmengründer Steffen Noack, Junior-Chef Christian Noack und die neun Mitarbeiter setzen auf Individualität und Qualität. Derzeit bildet das Unternehmen eine Kauffrau für Büromanagement aus. Ein Azubi, der Flachglasmechaniker werden will, wird gesucht. www.spiegelart.com