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Sport
Einmal Rallye, immer Rallye

Wolfgang Rasper steuert mit seinem Org.-Team die 20. Lausitz-Rallye vom 2. bis 4. November an. Foto: Regina Weiß
Wolfgang Rasper steuert mit seinem Org.-Team die 20. Lausitz-Rallye vom 2. bis 4. November an. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß / LR
Boxberg . Das größte Motorsport-Ereignis rund um Boxberg feiert Anfang November runden Geburtstag. Hauptorganisator Wolfgang Rasper freut sich auf ein tolles Starterfeld. Mit dem Virus Motorsport ist der 69-Jährige schon lange infiziert. Von Regina Weiß

Der Winter 1980 hatte es in sich. Noch am 28. Februar war es eisig. Da startete die 20. Pneumant-Rallye in der DDR in Berlin. Mit am Start Wolfgang Rasper. Rasant ging es auf der Strecke zu. „An einer Stelle waren wir so schnell, dass wir geradeaus auf einen zugefrorenen See gefahren sind.“ Das Eis trug, man blieb auf dem See, um illegal abzukürzen.

Bei der 20. Lausitz-Rallye, die vom 2. bis 4. November rings um Boxberg stattfindet, werden solche Abkürzungsmanöver nicht möglich sein. Noch dazu, wo diesmal mit dem GPS-gesteuerten Tracking-System die Zeitnahme satellitenüberwacht funktioniert. Solche Sachen waren vor über 40 Jahren undenkbar. „Wir hatten nicht mal feuerfeste Anzüge“, so Wolfgang Rasper. Der Organisationschef der Lausitz-Rallye war von 1975 bis 1983 als Pilot bei Rallye-Veranstaltungen in der DDR und im sozialistischen Ausland – das nicht sozialistische Lager war für ihn tabu – unterwegs. „Vor allem in Tschechien bin ich damals viel gefahren“, erinnert er sich.

Mit dem Motorsport-Virus wurde Rasper allerdings schon viel früher infiziert. „Ich glaube, mir ist es in die Wiege gelegt worden.“ Der Groß-Partwitzer – sein Heimatort liegt im jetzigen Partwitzer See – hatte Eltern, die motorsportbegeistert waren. Vor dem Krieg fuhren Vater und Mutter Beiwagenrennen. Wolfgang Rasper versuchte es zuerst bei den K-Wagen. Die Anlage in Lohsa war sein Anlaufpunkt. „Doch ich wollte weiterkommen“, war sein Ansporn.

Der Weg führte nach Riesa in das dortige Pneumant-Reifenwerk. Dort gab es Werksfahrer, die Reifen und Autos auf den Pisten testeten. Zu ihnen gehörte Klaus-Dieter Schulze. Zu dem heute 73-Jährigen hält Wolfgang Rasper noch immer Kontakte. Wie zu vielen anderen aus aktiven Zeiten. Einmal Rallye, immer Rallye – das eint die Enthusiasten. Wobei Verrückte vielleicht sogar besser passt.

Wolfgang Rasper brachte Motorsport und Arbeit unter einen Helm. In der Braunkohle beschäftigt, wurde er für Rennen immer freigestellt. Doch auch sein Arbeitgeber profitierte. Reifen für Pkw, Transporter und Lkw waren die Folge. Sie wurden in den Weiten des Tagebaugeländes getestet.

Natürlich musste auch am Rennfahrzeug immer etwas geschraubt, repariert oder verbessert werden. Die PGH „Gute Fahrt“ (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) in Hoyerswerda war sozusagen für Wolfgang Rasper und sein Auto zuständig. Bei Rennen wurde ihm von dort ein Mechaniker gestellt. Doch als Pilot musste man auch selbst ein guter Schrauber sein. Der Boxberger zeigt dabei auf ein Bild, als von einem neuen Rennfahrzeug gerade mal Motor und Fahrgestell erkennbar sind. Der Selbstaufbau erfolgte in der Garage in Boxberg.

„389 Rallyes bin ich gefahren“, so Rasper. Als Co-Pilot war er bis 2000 aktiv unterwegs. Zu seinen Meriten kann er unter anderem den Titel als Vize-DDR-Meister zählen. Mehrfach gelang ihm mit seinem Lada in der Klasse bis 1300 Kubik der Sieg. „Ich müsste das mal alles sortieren. Das habe ich mir schon so lange vorgenommen“, verweist er auf das Bildmaterial aus seiner aktiven Zeit. Dazu gehört auch, dass er mit Matthias Kahle (früher Kosel, jetzt Kölln) gestartet ist. Zusammen haben sie die deutsche Amateurmeisterschaft gewonnen. Rasper kann sich mit zuschreiben, die Karriere des siebenfachen Deutschen Meisters und international startenden Piloten mit angeschoben zu haben. In diesem Jahr wird Kahle zusammen mit Christian Doerr an den Start gehen. Sie haben einen Titel zu verteidigen.

20. Lausitz-Rallye – wie fing eigentlich alles an. Vor der ersten Rallye stand die Gründung des Rallye Rennsportclubs Riesa. 25 Jahre ist das her. „Wir wollten die Tradition des Rennsports erhalten“, so Rasper. 1999 wechselte der Verein nach Box­berg. Seitdem trägt er auch seinen Namen: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz (RRWC). Walter Karow Senior vom ADMV hänselte Rasper und Co. Der RRWC seien die Schwarzen, quasi die Illegalen ohne Dachverband. Das sollte sich mit dem Eintritt in den ADMV ändern. Zeitgleich wurde die Idee geboren, auch Rallye-Veranstalter zu werden. Es fehlte da noch was im Osten. Gemeinsam betrat man oder besser geschrieben, befuhr man am 11.11. ab 11.11 Uhr Neuland. Mit der Übergabe des Schlüssels von Boxbergs Bürgermeister Roland Trunsch an den Uhyster Karnevalsklub erfolgte der ungewöhnliche Startschuss für das erste Rennen in der Lausitz auf Schotter. Gestartet wurde ein 200er-Rennen mit 35 Wertungskilometern, das bis an die Königshainer Berge führte. Als nationale Veranstaltung wandte man Trick 17 an: 17 Ausländer starteten als Vorauswagen. Bei einem runden Tisch in Auswertung der Premiere stand fest, es geht weiter. Bis zur 10. hatte man sich festgelegt. Dann folgte die 15. und nun die 20. Auflage. Da muss auch Wolfgang Rasper schmunzeln. Wobei die Organisation mehr und mehr zum Kraftakt wird. Da sind die Sponsoren. Sie sind laut Rasper das A und O. Dann die Unterstützer. Ein großes Lob geht dabei vom Org.-Chef an Landrat Bernd Lange (CDU). Was er sagt, habe Gewicht. Weiter geht es mit der Gemeinde, deren Feuerwehren, dem Bergbaubetreiber. Auch dort hatten die jeweils Verantwortlichen immer zu ihrem Wort gestanden. Nicht zuletzt „seine“ Frauen im Büro, die Wolfgang Rasper unter anderem die Papierarbeit abnehmen oder zusehen, dass er nicht vom Fleisch fällt. Letztlich gehe ohne die Unterstützung der Familie gar nichts, unterstreicht der 69-Jährige ganz dick. Wobei die sich selbst mit einbringt. Egal, ob Ehefrau Dagmar, die zusammen mit anderen die Verpflegungsbeutel füllt, oder Bruder Siegfried als Umweltbeauftragter der Rallye.

Gab es da nie Momente, wo die Luft raus war? Doch, jede Menge. „Jedes Jahr nach der Rallye“, lacht Rasper. So wird es sicherlich auch bei der 20. sein. Doch der 21. Wettbewerb ist bereits für 2018 angemeldet.