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Medizinische Versorgung
„116 117“ – ärztliche Hilfe nachts und an Wochenenden

Dr. med. Lutz Buschmann.
Dr. med. Lutz Buschmann. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Sachsen reformiert den Bereitschaftsdienst, fasst 95 Hausbesuchsbereiche zu 23 zusammen. Eine wird Weißwasser/Hoyerswerda. Von Gabi Nitsche

In Zeiten, in denen alles niest und schnieft, werden die Not­aufnahmen an Krankenhäusern regelrecht überrollt. Weißwasser macht da keine Ausnahme. Der kaufmännische Geschäftsführer Andreas Grahlemann hat das schon häufig beklagt.

Der in Weißwasser niedergelassen Arzt Dr. med. Buschmann, der zum erweiterten Regionalausschuss Dresden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen gehört, bestätigt das: „Eigentlich ist der Arzt für die Patienten auf den Stationen und für wirkliche Notfälle im Dienst. Aber die meisten, die abends oder an den Wochenenden in die Rettungsstelle gehen, sind keine wirklichen Notfälle.“ Es komme vor, dass der eigens dafür vorgesehene ärztliche Bereitschaftsdienst nicht in Anspruch genommen werde. „Dabei ist es so einfach, im Bedarfsfall die einheitliche Telefonnummer 116 117 anzurufen und sich zu informieren, welcher Arzt Bereitschaftsdienst hat oder einen Hausbesuch anzumelden“, wirbt Buschmann. Zurzeit gibt es in Sachsen 95 regionale Bereitschaftsdienst-Bereiche. „Darunter auch etliche kleine mit Ärztemangel wie hier oder um Leipzig herum. Das bedeutet, die beteiligten niedergelassenen Ärzte sind permanent dran. Das ist ein untragbarer Zustand“, spricht es Buschmann deutlich aus. Deshalb sei es gut, dass man in Sachsen den hausärztlichen Bereitschaftsdienst reformiert. Zum einen will das der Gesetzgeber, sagt Buschmann, zum anderen verlangt das der demografische Wandel. „Nicht nur die Patienten werden älter, sondern auch wir Ärzte.“ Das Ziel sind nur noch 23, aber größere Dienstbereiche. Weißwasser/Hoyerswerda könnte einer davon sein, etwa ab 2021. Buschmann spricht von einem lernenden System, weil  ab Juli 2018 mit drei Pilotregionen begonnen werde: Anna­berg/Mittlerer Erzgebirgskreis; Delitzsch und Görlitz/Niesky. „Doch es wird ja nicht bei Null angefangen, Niesky sammelt ja schon Erfahrungen mit einer Bereitschaftspraxis am Emmaus-Krankenhaus.“

Lutz Buschmann erklärt, wie das für Weißwasser/Hoyerswerda aussehen könnte: Die Voraussetzung sind insgesamt 100 Ärzte in dem Bereich. Am Klinikum Hoyerswerda sei eine Portalpraxis im Gespräch. Klinikarzt und niedergelassener Vertragsarzt der KV kümmern sich dort um die ambulante Notfallversorgung. Der eine nimmt sich der echten Notfälle an, der andere der anderen Patienten. Am Krankenhaus Weißwasser wäre eine Zweigstelle denkbar für die Spitzenzeiten, zum Beispiel an Wochenenden, wenn erfahrungsgemäß mit einer Patientenwelle zu rechnen ist. Für Patienten, die nicht in diese Portalpraxis fahren können, weil sie vielleicht einen Hexenschuss haben, so Buschmann, soll es einen Fahrdienst geben, der einen Bereitschaftsarzt zum Patienten bringt. Den Auftrag bekomme dieser Arzt über die jeweilige Rettungsleitstelle.

Das Ziel der Reform, die einige Kollegen auch kritisch sehen,  formuliert Buschmann so: „Weniger Dienste für jeden beteiligten Arzt.“ Auch wenn die einzelnen aufgrund der größeren Bereiche intensiver ausfallen. „Die jetzige Unwucht –  einige haben viele, andere wenige oder gar keine Dienste – gibt es dann nicht mehr.“ Aus Sicht des Weißwasseraners mache es das auch für junge Kollegen attraktiver, sich hier niederzulassen.