An einem sachsenweiten Bündnis gegen Rassismus beteiligen sich auch verschiedene politische Kräfte aus Weißwasser. „’100 Prozent Mensch’ steht für Respekt im Miteinander und Empathie für jeden“, erklärt Antonia Mertsching, Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete der Partei Die Linke. In Weißwasser wollen damit Politiker von unterschiedlichen Parteien und Wählergemeinschaften erneut für die gemeinsamen Werte von Demokratie, Kultur, Vielfalt und Respekt einstehen, wie auch schon bei der Kundgebung im Sommer auf dem Marktplatz von Weißwasser.

Kampagnen-Start in Dresden

Die Kampagne beginnt am Samstag, 16. November, dem Internationalen Tag der Toleranz, und endet am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Passend zum Thema der Gleichheit aller Menschen finden nicht nur in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, sondern auch in Weißwasser Veranstaltungen zu dem Thema statt, so Antonia Mertsching.

„Niemand ist mehr oder weniger wert. Deswegen hat auch jeder und jede das Recht sich zu äußern und gehört zu werden“, sagt sie. Sie sei froh darüber, dass es in Weißwasser Veranstaltungen und Vereine gibt, die ein ähnliches Grundverständnis vom gegenseitigen Respekt haben.

Verschiedene Veranstaltungen in Weißwasser

Der Verein Kultursofa Weißwasser etwa zeigt am Freitag, 22. November, in Kooperation mit dem Verein „Augen Auf“ aus Zittau einen Film von und mit Jugendlichen, die im Jahr 2015 auf eigene Faust Flüchtlinge auf dem Mittelmeer gerettet haben. Der Film „Iuventa“ samt Diskussion mit dem Regisseur findet in der Station Junger Naturforscher und Techniker um 18 Uhr statt.

Ebenfalls im Zuge der Kampagne ist das Konzert in der Telux mit dem diplomatischen Chor am 30. November ab 19 Uhr zu sehen. „Unter gleichem Himmel“ werden Stücke aus allen drei Weltreligionen zu hören sein, informiert Stadtvereinschef Frank Schwarkopf.

Mitmachen ist selbstverständlich

Dass sich Weißwasseraner Politiker an der Kampagne beteiligen, ist für viele selbstverständlich. Der Kreisvorsitzende der Grünen, Norman Dahley, erklärt seine Teilnahme so: „Die Kampagne erinnert an die bedingungslose Gleichheit aller Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft oder Geschlechts. Wir müssen uns unablässig an diese Werte erinnern und an ihnen arbeiten, um in Vielfalt zu leben.“

Gegen die Verrohung in der Gesellschaft

Da kann sich KJiK-Stadtrat Bernd Frommelt nur anschließen: „Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang aller Menschen miteinander. Streit und Diskussion sind wichtig, dürfen aber nie herabwürdigen. Anderen Meinungen, kulturellen Erfahrungen, politischen oder religiösen Ansichten sollte man möglichst vorurteilsfrei begegnen.“ Das sieht auch Neu-Stadträtin Karina Ott (Für unser Weißwasser) so. Sie konstatiert eine wachsende gesellschaftliche Verrohung.

Kati Struck, Vorsitzende Gemeindeverband Kirchspiel Schleife, will eine freie Meinungsäußerung, „jedoch gibt es im demokratischen Alltag immer mehr den Missbrauch der Meinungsfreiheit. Massive Auseinandersetzungen in Tonlage und Begriffe in zulässigen und unzulässigen Ansichten und Äußerungen. Darum ist es mir sehr wichtig, diese Aktion zu unterstützen“, sagt sie.

Film Iuventa


Eine Gruppe junger engagierter Menschen gründet im Herbst 2015 in Berlin die Initiative „Jugend Rettet“. Über eine Crowdfunding-Kampagne kaufen sie einen umgebauten Fischkutter und taufen ihn auf den Namen „Iuventa“. Im darauffolgenden Jahr startet ihr Schiff zu seiner ersten Mission und schließt sich den Schiffen verschiedener Nichtregierungsorganisationen, der italienischen Küstenwache sowie der Marine an. Nach über einem Jahr Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde im August 2017 das Schiff plötzlich beschlagnahmt und von den italienischen Behörden in Lampedusa festgesetzt. Seitdem kursiert unter anderem der Vorwurf der Kooperation mit Schlepperbanden. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die bewegende Geschichte wurde von Regisseur Michele Cinque festgehalten.

Der Film wird in der Station Junger Naturforscher und Techniker am 22. November um 18 Uhr gezeigt.