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| 16:30 Uhr

Kunst und Tradition
100 Jahre und schöner denn je

Diese Arsall-Leuchte ist eine Dauerleihgabe und ist im Glasmuseum Weißwasser zu sehen..
Diese Arsall-Leuchte ist eine Dauerleihgabe und ist im Glasmuseum Weißwasser zu sehen.. FOTO: Glasmuseum
Weißwasser. Anlässlich des Jubiläumes der Arsall-Glas-Herstellung eröffnet das Glasmuseum Weißwasser gleich zwei Ausstellungen zu diesem Thema und schlägt damit den Bogen von der Historie zur Gegenwart.

Museumsleiterin Elvira Rauch ist von Vorfreude erfüllt – und auch von Arbeit. Und das schon seit Wochen. Schuld daran sind zwei Ausstellungen, die ab Freitag, 6. April, zum Besuch ins Glasmuseum einladen. An diesem Abend wollen Freunde der Weißwasseraner Glasgeschichte und -kunst diese in festlichen Rahmen als erste bewundern.

Am Mittwoch war alles fertig aufgestellt worden. Das Ergebnis: „Wenn man in den Raum guckt, dann ist das einfach überwältigend und wunderschön“, gesteht Elvira Rauch. „Im Sonderausstellungsraum 1 werden kostbare Arsall-Exponate gezeigt, die im Zeitraum von 1918 bis 1929 in Weißwasser gefertigt wurden“, berichtet die Museumschefin. Doch die wunderschönen gläsernen Dinge sind längst nicht nur in Weißwasser beheimatet. „Zu sehen sind insgesamt 135 Leihgaben aus dem Stadtmuseum Cottbus und eben Leihgaben von Privatsammlern“, erklärt Elvira Rauch. Diese ist begeistert von der Zusammenarbeit mit den Cottbusern, „das ist eine spitzenmäßige Zusammenarbeit gewesen“, spendet sie Lob. Dass zudem natürlich die Arsall-Sammlung des Glasmuseums, die zu den Kostbarkeiten des Hauses zählt, zu bestaunen ist, sei klar. Sie gehört zur Dauerausstellung in der geschichtsträchtigen Villa an der Forster Straße. Mit der zweiten Exposition werde der Bogen zur Gegenwart geschlagen. „Im Sonderausstellungsraum 2 zeigen Gotthard Petrick und Michael Penn moderne Kunstwerke in Arsall-Manier“, kündigt Elvira Rauch an.

Eine solche Ausstellung auf die Beine zu stellen, stand schon 2016 fest. „Aber was das alles bedeutet, wurde dann erst klar. Über ein Jahr dauerten die Vorbereitungen. Egal, es hat sich gelohnt“, schwärmt die Weißwasseranerin.

Die Arsall-Glas-Produktion war vor einhundert Jahren in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken Weißwasser aufgenommen worden, wo sich heute die erfolgreiche Stölzle Lausitz GmbH befindet, berichtet Reiner Keller vom Förderverein des Museums und bezieht sich auf Veröffentlichungen dazu von den inzwischen verstorbenen Autoren Wolfgang W. Hennig und Manfred Schäfer. Die Signatur  Arsall als geschütztes Warenzeichen wurde demnach am 10. Mai 1918 eingetragen und am 15. März 1928 erneuert. Wegen des Ablaufs der Schutzfrist wurde es am 9. August 1938 gelöscht.

Die Produktion der Arsall-Gläser gilt als deutschlandweit einmalig und war damit ein Alleinstellungsmerkmal für Weißwasser, so Keller.

Typisch für die Arsall-Gläser ist ein zweifacher Überfang auf farblosem, hellgrünem oder rosafarbenem Grundglas, aus dem das Dekor herausgeätzt wurde, wird es in den Veröffentlichungen der Weißwasseraner Fachleute beschrieben. „Bevorzugte Farbvarianten des Außenüberfangs sind Violett oder Rotbraun mit Grün. Dabei wurden diese Überfänge in den verschiedensten Farbnuancen verwendet, wobei sehr unterschiedliche Effekte entstanden“, beschreibt Reiner Keller. Er betont: „Einige Gläser besitzen auch Innenüberfänge. Dabei dominieren Rosa und Gelb. Durch Ätzung wurden die Innenüberfänge mattiert oder nur partiell beibehalten.“

In der Mehrzahl sind die Dekore der Arsall-Gläser matte Reliefs, zählt Reiner Keller auf, die aus den Überfangschichten herausgeätzt wurden. Seltener sei die Kombination von matten und durch Säurepolitur blanken Reliefteilen anzutreffen. Florale Motive dominieren als Dekoration. Ebenso finden sich Fluss- und Waldlandschaften auf den Gläsern.

 Durch eine Fotografie, die um 1925 entstanden ist, kann laut Reiner Keller bewiesen werden, dass auch sehr große Gefäße bis zu einer Höhe von 80 oder 90 Zentimetern hergestellt wurden. Einige dieser Stücke sollen sich im Besitz der Familie von Arnim in Bad Muskau befunden haben, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach 1945 vernichtet wurden.

Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, 6. April, um 18 Uhr im Glasmuseum Weißwasser statt. Die Laudatio hält Stadtvereinsvorsitzender Frank Schwarzkopf. Für die musikalische Umrahmung sorgen Kreismusikschüler.

Museumsleiterin Elvira Rauch freut sich auf die neuen Ausstellungen.
Museumsleiterin Elvira Rauch freut sich auf die neuen Ausstellungen. FOTO: Gabi Nitsche / LR