Die wald- und wasserreiche Gegend wurde von den Bewohnern neben der wirtschaftlichen Verwendung zur Erholung und Freizeitbeschäftigung gebraucht. In den ersten Maitagen des Jahres 1885 gründeten 43 Turnbegeisterte den „Turn-und Rettungsverein Weißwasser” im Gasthaus „Zum schwarzen Adler” am Bahnhof. Unter ihnen waren die Sportler Haubitz, Künzel und Karl Ebert, die den Vorsitz dem Bergbauunternehmer Joseph Schweig antrugen. Zu Beginn wurden aus Mangel an Geräten nur Freiübungen geturnt. Als sich der Saal des Vereinslokals als zu klein erwies, zog man in das weit größere benachbarte Hotel „Zum Deutschen Kaiser”.

Eine Halle für die Turngeräte

Der Vereinsvorsitzende Joseph Schweig, der zwischen den beiden Gasthäusern sein Wohnhaus zu stehen hatte, stellte eine Lagerhalle für die inzwischen beschafften Turngeräte zur Verfügung. Erstmals, bei einem Preisturnen, trat der Verein am 2. September 1886 in der Öffentlichkeit auf. Nach diesem Auftritt war der Zulauf enorm. Joseph Schweig stellte als Vorsitzender Gelände zum Ausbau und zum Sporttreiben zur Verfügung. Bis 1896 war auf dem heutigen Jahngelände ein Turnplatz und ein Vereinshaus geschaffen worden. Bis Mitte des 20.Jahrhunderts wurden auf diesem Turnplatz noch Wettkämpfe ausgetragen.

Dem Verein gehörten 1903, als der neue Vorstand gewählt wurde, 137 Sportfreunde an, die abermals Joseph Schweig zum Vorsitzenden wählten. Dem Vorstand gehörten auch Paul Klinke, eine Sportgröße in Weißwasser, Otto Tusche und Ottomar Dold an.

Um den Nachwuchs im Verein zu sichern, fasste der Gemeinderat in einer Sitzung den Beschluss: „Jetzt ist festgelegt, dass alle Schulen, einschließlich der Kinder aus Hermannsdorf . . . diesen (Turnplatz) zu Turnübungen nutzen müssen.” Im November 1903 konnten so 84 Kinder im Verein aufgenommen werden. Erst viel später, im November 1912, wurde eine Damenriege gegründet, die 27 Mitglieder hatte.

Vergleiche waren Volksfeste

Vereinsvergleiche wurden mit anderen Gemeinden ausgetragen und hatten Volksfestcharakter. Nachgewiesen sind Staffelläufe von Muskau nach Weißwasser und Vergleichskämpfe im Turnen, Spiel und im Mehrkampf.

1912 wurde vom Generaldirektor der Osramwerke der „Werksturnverein” gegründet. Später kam der Bau des Keglerheimes dazu. Die Sportlerbewegung in Weißwasser wuchs enorm an und hatte im kulturellen Leben der Bewohner einen wichtigen Stellenwert. Da verwundert es nicht, dass gerade in diesem Ort, am 12. August 1906, das erste Monument seiner Art in Schlesien, das Friedrich-Ludwig-Jahn Denkmal neben dem Vereinshaus aufgestellt wurde.

Mit der weiteren Entwicklung der Arbeiterbewegung in Weißwasser nach 1890 entstand in der Glasmacherstadt auch der Gesangsverein „Vorwärts”. Er war der erste Arbeiterverein in unserer Stadt, der Vorläufer des später folgenden Arbeitervereins (ATV).

Neben dem „Turn- und Rettungsverein” bildete sich 1897 der „Arbeiter- und Turnverein” (ATV). Diesem gehörten etwa 60 Mitglieder an. In der Folge entwickelte sich das gesellschaftliche Leben im Ort allerdings rasant, weil die Glasmetropole Weißwasser bald zu einer der reichsten Kommunen der weiteren Umgebung gezählt werden konnte. Aber auch der massenhafte Zuzug von außerhalb ließ schnell eine bürgerliche Schicht entstehen, die sich besonders deutlich im Vereinswesen gliederte.

Standesunterschiede wurden immer deutlicher, bis es dann zu klaren Abtrennungen zwischen Bürgerlichen und Arbeitern kam. Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Interessengemeinschaften im „Turn- und Rettungsverein Weißwasser”, die sich als Abteilungen spezialisierten oder die Gemeinschaft gänzlich verließen, um eine selbstständige Vereinigung zu gründen. So entstanden der Samariterbund, der Arbeitersamariterbund, Radfahrclub „Stern” und „Weißwasser” sowie Radverein „Falke”. Sie betrieben ihren Sport als Radball, Kunstradfahren, Straßenrennen und Wanderfahrten.

1902 gründete sich der Athleten-Club „Hansa”, und 1904 bildeten sich die Abteilungen Boxen, Ringen und Stemmen (Gewichtheben) heraus. 1910 kam der bürgerliche Kraftsportverein „Siegfried” dazu. Die Ringer gehörten bald zu den Besten des Gaus Schlesien.

Zugpferd des Turn- und Rettungsvereins bildete jedoch die Turnabteilung. Als eines der ersten großen Sportereignisse in Weißwasser richtete sie im Jahr 1911 das zweite Bezirksturnfest auf dem alten Schützenplatz an der heutigen Puschkinstraße aus. Große Erfolge für die Weißwasseraner Sportler konnten dabei erzielt werden. Möglicherweise waren diese Ergebnisse Anlass, dass sich einige Turner aus dieser Abteilung lösten und noch im selben Jahr einen eigenen, den Männerturnverein (MTV), gründeten.

Graf Arnims Geschenk

Nur wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914-1918) erhielt dieser Verein ein Geschenk. Am 8.Juli 1914 übergab Graf Arnim auf die Bitte des Generaldirektors der späteren Osram-Glashütte, Vinzens Krebs, welcher Mitglied des MTV war, ein Stück Land. Hierbei handelte es sich um Territorium, auf welchem einige Jahre später das Turnerheim mit dem Sportplatz errichtet wurde.

Weißwasser hatte schon immer gute Kicker. Die großen Erfolge von Allemannia Cottbus (1905 und 1909), Askania Forst und Viktoria Forst, denen es gelang als Außenseiter unter die „Großen des deutschen Fußballs” vorzudringen, erreichten auch die Glasmetropole Weißwasser.

In den Vereinen von Weißwasser wurde kräftig Fußball gespielt. Neun Jahre nach Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (am 28. Januar 1900) gründeten Mitglieder des Arbeiterturnvereins (ATV) eine eigene Abteilung, den Verein für Bewegungsspiele 09.

Das erste Kicker-Team

Damit vollzog sich die Geburtsstunde des offiziellen Fußballs in Weißwasser. Bereits ein Jahr später (1910) fühlten sich die fünfzehn Arbeitersportler so fit, um bereits ein erstes öffentliches Fußballspiel zu bestreiten. Im Jahr 1912 konnte ein neuer Turnplatz auf dem Territorium des Konsum-Vereins an der Görlitzer-Straße, später Vereinsbäckerei, angemietet werden.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete das fröhliche Treiben im Vereinsleben von Weißwasser. Ein im Jahr des Kriegsausbruchs (1914) geplantes großes Turnfest musste ausfallen und auch die Sportbetätigung ruhte in den Kriegsjahren. Der Kohl rübenwinter 1916/1917 und die schwierigen Jahre danach brachten andere Sorgen und waren wenig geeignet, für freizeitliche Betätigungen.

Über die Entwicklung des Fußballsports in Weißwasser nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) bis zur faschistischen Machtübernahme (1933) wird der Autor in Teil 4 berichten.