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| 19:57 Uhr

Spreewald
Polen verdienenjetzt zu Hause genug

Die Lage ist von Landwirt zu Landwirt sehr verschieden. Während mancher noch genug polnische Erntehelfer findet, ist die Situation bei anderen schwierig. Inzwischen verdienen viele auch in ihrer polnischen Heimat genug. Da ist ein Job auf den Feldern nicht mehr attraktiv.
Die Lage ist von Landwirt zu Landwirt sehr verschieden. Während mancher noch genug polnische Erntehelfer findet, ist die Situation bei anderen schwierig. Inzwischen verdienen viele auch in ihrer polnischen Heimat genug. Da ist ein Job auf den Feldern nicht mehr attraktiv. FOTO: LR / Medienhaus Lausitzer Rundschau/C
Cottbus. Feldarbeit in Deutschland wird zunehmend unattraktiv.

In Südbrandenburg mit dem Spreewald haben polnische Erntehelfer in den 1990er-Jahren den Großteil der Saisonarbeitskräfte gestellt. Obwohl es damals keinen Mindestlohn gab, war es für viele die Chance, in der Spargel-, Erdbeer- und Gurkenernte schnell gutes Geld zu verdienen.

Heute sagt Spargelbauer Gerald Kaltschmidt aus Preschen (Spree-Neiße), dass die zeitlich befristeten Jobs für sie aufgrund der anziehenden polnischen Wirtschaft und lukrativer Angebote im Landesinnern weniger interessant seien. „Es gab damals schlichtweg keine Arbeitsplätze in Polen. Und ohne Sprachkenntnisse war auf deutschen Äckern schnell etwas zu verdienen“, sagt Jan Pallokat, der Leiter des ARD-Hörfunkstudios in Warschau.

Als Korrespondent in Polens Hauptstadt erklärt Pallokat gegenüber radioeins, warum sich immer weniger Polen auf den Weg machen, um in Deutschland bei der Ernte zu helfen. „Die Lage hat sich grundlegend gewandelt“, erläutert er. „Die Wirtschaft wächst. Es gibt bessere Jobs. Sich für acht Euro Feldarbeit pro Stunde über Wochen von Familie und Freunden zu trennen, ist nicht mehr so interessant.“ Bei der jungen Generation, so Pallokat, habe zudem ein Wertewandel eingesetzt: Früher sei es darum gegangen, um jeden Preis Geld zu verdienen. Heute überlege man, sich selbstständig zu machen. Die oft überqualifizierten Erntehelfer denken heute daran, eine Firma zu gründen, statt sich auf dem Feld zu plagen.

Was in künftige Überlegungen in Planungen auch im Spreewald einfließen sollte: „In Polen herrscht nahezu Vollbeschäftigung“, verweist der Korrespondent darauf, dass auch hier Arbeitskräfte gesucht werden. 100 000 Ukrainer helfen da schon aus. Hintergrund dafür sei, dass das Lohngefüge zwischen Polen und der Ukraine heute so ist, wie es in den 1990er-Jahren zwischen Deutschland und Polen gewesen sei. Hinzu komme, dass die Sozialgesetze der regierenden PiS-Partei drei Euro pro Stunde Mindestlohn und 100 Euro Kindergeld eingeführt haben. „Das heißt, in ganz armen Regionen des Landes muss nicht mehr jeder Job gemacht werden“, gibt Pallokat wider, was Deutsche mit Blick auf Polen auch zur Kenntnis nehmen müssen: „Die Leute hier sagen, PiS hat uns die Würde wiedergegeben.“