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Seniorensport
Immer mehr „Vernunftsportler 60-Plus“

Potsdam/Dresden. Sportvereine und Fitness-Studios haben Zulauf. Unter den neuen Mitgliedern sind immer öfter auch Ältere. Sie wollen mobil und gesund bleiben. Zudem treffen sie dort Gleichgesinnte und hoffen auf soziale Kontakte. Von Hannelore Grogorick

. Ältere Brandenburger werden immer häufiger sportlich aktiv. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Anzahl der über 50-Jährigen, die in Brandenburg dem organisierten Sport nachgehen, stieg allein im vergangenen Jahr um knapp 5000 auf nunmehr 108 240 Sportler“, sagt der Sprecher des Landessportbundes (LSB), Fabian Klein. Auch in den Vorjahren sei ein Wachstum in diesem Alterssegment zu verzeichnen gewesen. Während vor 25 Jahren die Generation 60-Plus nur drei Prozent der LSB-Mitglieder ausmachte, sind es den Angaben zufolge mittlerweile 18 Prozent und damit 61 800 Brandenburger.

Auch im Freistaat Sachsen hat es vor allem in der Gruppe der über 50- und über 60-Jährigen in den Sportvereinen in den vergangenen Jahren deutlichen Zuwachs gegeben. Nach Angaben von Regina Brandt vom Sächsischen Landessportbund ist etwa jeder dritte Vereinssportler älter als 50 Jahre, fast jeder fünfte älter als 60. Diesen Menschen ginge es um die Gesundheit und das Vereinsleben, den Kontakt zu anderen, sagt Brandt. „Sie wollen gesund alt werden.“ Es gebe schon viele Vereine, die sich mit ihren Angeboten auf diese Menschen einstellten. Es sei aber noch mehr möglich. Eigenen Angaben zufolge hat der Landessportbund Sachsen aktuell rund 656 600 Mitglieder. Das sind fast 51 500 mehr als 2013.

Besonders beliebt sind bei den Älteren Sportarten wie Gymnastik, Fußball, Reha- oder Gesundheitssport, Sportschießen, Kegeln, Tischtennis, Behindertensport, Volleyball, Wandern, Schwimmen und Tanzen. Rund 60 Prozent der mehr als 3000 im Verband organisierten Vereine in Brandenburg würden Seniorensport anbieten. „Gerade im Gesundheits- und Rehasport nehmen die Angebote ständig zu“, sagte Fabian Klein. Fitness im Alter und sportliche Betätigung bedingten häufig einander – das hätten viele Senioren erkannt.

Neben Gesundheitseffekten, die bei nicht leistungsorientierten Sportkursen erzielt werden sollen, ist auch der Wettkampfsport für Senioren interessant, wie der LSB-Sprecher erklärte. „Besonders für die Menschen, die früher bereits überdurchschnittlich aktiv waren“, sagte er. Darüber hinaus würden ältere Sportler mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung Schlüsselpositionen in Vereinen wie im Vorstand, als Übungsleiter oder als Platzwart einnehmen.

In den Fitness-Studios ist dem Arbeitgeberverband deutscher
Fitness- und Gesundheits-Anlagen zufolge mittlerweile ebenfalls fast jeder dritte Aktive der bundesweit etwa zehn Millionen Mitglieder älter als 50. „Deren Zahl wird weiter steigen“, sagt der Sprecher des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV), Dustin Tusch. Die Fitness­industrie habe sich auf diese Gruppe gut eingestellt.

Die Menschen könnten so auf altersbedingte Beschwerden reagieren, ihre Mobilität erhalten und damit auch die Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen. Laut DSSV gibt es in Sachsen rund 340 Fitness-Studios. Etwa 403 000 Sportler bringen sich dort mehr oder weniger regelmäßig in Form.

Auch die rund 210 kommerziellen Fitness-Studios im Land Brandenburg ziehen ältere Sportler an, wie Dustin Tusch berichtet. Etwa jede dritte märkische Anlage sei im Verband organisiert. „Knapp ein Drittel der Mitglieder ist über 50 Jahre alt“, sagt Dustin Tusch.

Zu den altersspezifischen Angeboten zählten dabei unter anderem eine ausführliche Anamnese, Muskellängentraining, Rückenschule und altersgerechtes Krafttraining. Fitnesstraining zählt nach Schilderung des Sprechers zu den sichersten und am besten dosierbaren körperlichen Betätigungen, die sich besonders für ältere Menschen eigneten.

Die Branche hat 2016 bundesweit mehr als fünf Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von 4,5 Prozent. Der durchschnittliche Monatsbeitrag ist von 45,25 Euro auf 44,63 Euro zurückgegangen.

Die sportliche Betätigung Älterer etwa bei Gesundheitskursen wie Seniorengymnastik, Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik sowie sportmedizinische Untersuchungen wird von den Krankenkassen in der Regel finanziell unterstützt. Zu den beliebtesten Sportarten der Senioren zählen Fitnesstraining, Radfahren und Wandern, ergab eine Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse.

Dabei sei auch festgestellt worden, dass sich Menschen ab 60 im Alltag ganz bewusst mehr bewegen. So unterbrechen sie unter anderem öfter langes Sitzen, entspannen weniger auf dem Sofa und nutzen häufiger die Treppe als die 18- bis 39-Jährigen. Die über 60-Jährigen seien „Vernunftsportler“, heißt es. Sie trieben vor allem Sport, weil es gut für die Gesundheit sei. mit dpa