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Ich töte niemand
Applaus.

Daniel Schauff
Daniel Schauff FOTO: Sebastian Schubert / LR
Ich töte niemand. Schmerzt ein wenig. Müsste es nicht „Ich töte niemanden“ heißen? Aber weiß das ein Libyer? Weiß das ein Franke? Jede Sekunde, die man damit verschwendet, über korrekte Grammatik nachzudenken, ist eine Sekunde, in der man weniger vom Film mitkriegt. Und das wäre am Sonntagabend wirklich weit mehr als nur schade gewesen. Von Daniel Schauff

Man gewöhnt sich langsam daran, dass aus Franken richtig gute Krimis kommen, die es ziemlich punktgenau schaffen, die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu halten, wobei Ersteres immer nur eine kleine, aber feine Nebenrolle spielt. Drei Jahre braucht Voss, um eine Einweihungsparty zu schmeißen? Ich find’s lustig.

Viel interessanter aber: Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel sind nicht nur grandiose Schauspieler, mimen darüber hinaus auch ein richtig starkes Ermittlerteam, das auf das so langweilige „Ich mag meinen Kollegen eigentlich gar nicht“ verzichtet. Danke. Beide waren am Sonntagabend in Höchstform, Paula Ringelhahn am Rande der Verzweiflung, Felix Voss irgendwo zwischen Wut und Resignation.

Es war kein lauwarmes Eisen, das der Franken-Tatort da angefasst hat. Herausgekommen ist ein Stück Gesellschaftskritik, das bei aller Moralstärke auch noch unterhaltsam war. An einem solchen Vorhaben sind schon viele Tatort-Macher gescheitert. Applaus.

4c_TV Tatort ARD
4c_TV Tatort ARD FOTO: Schubert, Sebastian / LR