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| 18:49 Uhr

Ministerium widerspricht Wasserwerk im Streit um Sulfat
Weiter Streit um Sulfatbelastung für Wasserwerk Frankfurt (Oder)

Die Sulfatlast der Spree ist derzeit ein Dauerthema.
Die Sulfatlast der Spree ist derzeit ein Dauerthema. FOTO: Oliver Berg / dpa
Cottbus. Der Streit um die durch aktiven und Altlastbergbau verursachte Sulfatbelastung der Spree ist ein Dauerthema in der Lausitz. In einer aktuellen Debatte dazu spielt das Wasserunternehmen Frankfurt (Oder) eine wichtige Rolle. Jetzt mischt sich das Brandenburger Umweltministerium ein.

Die Sulfatlast der Spree beschäftigt die Fraktion von Bündnis 90/Grüne im Brandenburger Landtag seit Monaten. Am Mittwoch glaubte die bergbaupolitische Sprecherin der Fraktion Heide Schinowsky nun die Landesregierung bei der Verstrickung in Widersprüche zu dem Thema erwischt zu haben. Es geht dabei um die Trinkwassergewinnung für Frankfurt (Oder) und den dafür wichtigen Spree-Messpegel Briesen/Neubrück.

Vor zwei Wochen erst hatte die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) angekündigt, gegen die geplante Flutung des Cottbuser Ostsees juristisch vorzugehen, sobald eine entsprechende Genehmigung vorliegt. Die Wassergesellschaft gewinnt einen Teil ihres Trinkwassers aus der Spree und fürchtet, dass der Ostsee die Sulfatbelastung des Flusses und damit des Frankfurter Trinkwassers erhöhen könnte.Das Bergbauunternehmen LEAG, das den ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord in den See umwandelt, hält diese Befürchtungen für „absolut unbegründet“.

In der Pressemitteilung der FWA von Mittel Januar hieß es jedoch auch, das Land plane,den zulässigen Grenzwert für Sulfat am Pegel Briesen von 280 Milligramm pro Liter (mg/l) auf 350 mg/l hochzusetzen, um den Ostsee überhaupt genehmigen zu können. Auf eine darauf Bezug nehmende Anfrage der Grünen Heide Schinowsky erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch im Landtag, eine solche Erhöhung sei nicht geplant. Für Schinowsky ein Widerspruch zum Schreiben, das den Wasserwerken vorliege und an den ihre Fraktion erneut die Forderung knüpft, dem Bergbaubetreiber Leag Auflagen zu machen für die maximale Sulfatmenge , die mit dem Grubenwasser in die Spree fließen darf.

Kurt Augustin, zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium in Potsdam, widerspricht gegenüber der Lausitzer Rundschau der Darstellung der Frankfurter Wasserbetriebe und den daraus abgeleiteten Vorwürfen der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Er stellt den Sachverhalt so dar: Zur Zeit sei ein Bewirtschaftungserlass für Sulfat in der Spree in Arbeit. Ziel sei es dabei die Werte insgesamt eher zu senken. Am Pegel Briesen/Neubrück sollen die 280 mg/l als Grenzwert bleiben. Überschreitungen gebe es im Jahresdurchschnitt bisher nur an etwa zehn Prozent der Tage. Problematisch seien sommerliche Niedrigwassersituationen der Spree.

In einem Schreiben, so Augustin, habe das Umweltministerium die Wasserwerke angefragt, mit welchem Maximalwert am Pegel Briesen/Neubrück das Unternehmen in zeitweisen Ausnahmesituationen noch technisch umgehen könnte, um den gesetzlich vorgeschriebenen Sulfatgrenze im Trinkwasser von 250 mg/l einzuhalten. Das Ministerium habe in diesem Schreiben die 350 mg/l als den Wert genannt, der aus der Erfahrung dafür die absolute Grenze sei. „Wir brauchen einen solchen Wert ,weil wir dann zwingend Gegenmaßnahmen festschreiben müssen“, so der Abteilungsleiter.

Gerd Weber, Geschäftsführer der FWA, hält jedoch weiter dagegen. „Das Schreiben des Umweltministeriums ist für uns die klare Ansage, dass der Grenzwert auf 350 mg/l hochgesetzt werden soll.“ Er könne nicht warten, bis die gesetzliche vorgeschriebenen Trinkwassergrenzwerte in Frankfurt (Oder) überschritten werden. Am Dienstag habe er deshalb den Planungsauftrag für die rund 10 Millionen Euro teure Ertüchtigung des Wasserwerkes Müllrose unterschrieben. Um dauerhaft von der Spree unabhängig zu werden sei jedoch zusätzlich der Bau einer zweiten Grundwasserhebung notwendig, die noch mal zehn Millionen Euro kosten wird. Die FWA will diese Kosten von dem aktiven und dem Sanierungsbergbau als Verursacher erstattet bekommen. Vattenfall als Voreigentümer des Lausitzer Reviers hatte dafür schon seine Bereitschaft signalisiert. Eine Einigung mit dem im Bundeseigentum befindlichen Bergbausanierer LMBV kam jedoch bisher nicht zustande.