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Zwillinge mit Förderbedarf

Max (l.) und Moritz freuen sich auf ihre Einschulung. Aber die richtige Schule für die Zwillinge zu finden, ist für ihre Mutter nicht einfach.
Max (l.) und Moritz freuen sich auf ihre Einschulung. Aber die richtige Schule für die Zwillinge zu finden, ist für ihre Mutter nicht einfach. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Max und Moritz sind wie die berühmten Zwillingspärchen in Literatur und Filmen. Sie hecken Streiche aus, wollen gleichberechtigt behandelt werden, sind im Team unschlagbar. Annett Igel-Allzeit

Die Bewohner der Jägerstraße hören sie, wenn sie nachmittags aus der Integrationskita "Flax & Krümel" mit ihrer Mutter Manuela Majunke heimgeradelt kommen. Moritz, der die Beschützer-Rolle einnimmt, hilft, die Fahrräder in den Keller zu tragen. Max flitzt mit der halb vollen Limo-Flasche zum Spielplatz.

Es war eine schwierige Zwillingsgeburt vor fast sieben Jahren, erzählt die Sprembergerin Manuela Majunke. "Sie kamen sieben Wochen zu früh. Max hatte die Nabelschnur um den Hals. Beide mussten an die Beatmungsmaschine." Eine geistige Behinderung wurde weder bei Max noch bei Moritz festgestellt. "Laufen gelernt haben sie mit anderthalb Jahren - das ist für Jungs völlig in Ordnung. Ansonsten gab es immer wieder Verzögerungen. Der richtige Durchbruch in der Sprache kam bei Max erst im Vorjahr", sagt die Mutter. Es fällt ihnen schwer, sich längere Zeit zu konzentrieren, eine verminderte Intelligenz wurde festgestellt. Regelmäßig besuchen sie die Ergotherapie und eine Logopädin. Manuela Majunke ist sich sicher, dass die Schule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" richtig für ihre Jungs gewesen wäre.

Aufgrund zu geringer Schülerzahlen hat das Staatliche Schulamt Cottbus den Landkreis Spree-Neiße aufgefordert, die Schule aufzulösen. Manuela Majunke hatte schon Plätze für Max und Moritz in Hoyerswerda. "Das ist auch eine Schule mit dem Schwerpunkt Lernen. Aber wir können die Schulfahrtkosten nach Sachsen nicht tragen. Das schaffen wir finanziell nicht."

Nun werden die Zwillinge in der Kollerberg-Grundschule eingeschult - getrennt in zwei reguläre Klassen. "Die Trennung ist wichtig, da können sie sich mehr auf sich konzentrieren. Das merken wir auch, wenn wir sie am Wochenende mal trennen." Aber es werden Klassenstärken von mehr als 20 Kindern sein. "Ich bedauere die Lehrer", seufzt die Mutter.

Gerald Boese, Leiter des Staatlichen Schulamtes, bleibt dabei: "Die Schließung der Förderschule kann nicht mehr verschoben werden. Zwei letzte Förderschulklassen verbleiben am Standort, laufen aus. Vier Kollegen und ein Gastlehrer aus dem Gymnasium Spremberg unterrichten 2017/2018 die zwei Förderklassen."

Laut Schulamtsleiter funktioniert das gemeinsame Lernen in Grundschulen seit Jahren. Verteilt auf die Klassenstufen 1 bis 6 lernen in der Lindgren-Schule acht, in der Kollerbergschule zwölf, in Schwarze Pumpe fünf und in der Heidegrundschule sieben Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Selbst wenn ein hoher Anteil dieser 32 Kinder aus sechs Klassenstufen die Aufnahme in die Förderschule wünschen würde, könnte das in keiner Jahrgangsstufe die Einrichtung einer Klasse rechtfertigen. Laut Schulamt werden die beiden verbleibenden Klassen in der Förderschule ab September 16 und 14 Schüler haben. Und in der BOS, so Boese, gibt das gemeinsame Lernen auch Schülern mit einer Lernbehinderung die Chance auf einen bundesweit anerkannten Schulabschluss.

Max und Moritz werden es mit dem gemeinsamen Lernen versuchen. Auf dem Spielplatz zwischen Vogelnestbau und Klettern hat sich Moritz den Füller gegriffen. Wie bei anderen Abc-Schützen rutschte in voller Konzentration auf den ersten Tintenstrich die Zungenspitze in den Mundwinkel.

Zum Thema:
Gegen die Vermutung in Spremberg, die Schule mit dem Förderbedarf "geistige Entwicklung" im Wiesenweg würde doppelt so viele Kinder haben, weil in der Georgen bergschule nicht mehr eingeschult wird, wehrt sich Schulamtsleiter Gerald Boese. Von 49 Schülern 2014/2015 wird die Zahl im September 2017 auf 66 klettern. "Die leichte Erhöhung ist landestypisch und hat andere Ursachen, unter anderem medizinische." Bei allen Kindern, die die Wiesenwegschule besuchen, sei der Förderbedarf "geistige Entwicklung" diagnostiziert.