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Spremberg
Zwei Tonnen wiegt die Tanne

Die Nordmanntanne aus Schwarze Pumpe schwebt über den Spremberger Marktplatz.
Die Nordmanntanne aus Schwarze Pumpe schwebt über den Spremberger Marktplatz. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Schwarze Pumpe/Spremberg. Sprembergs Weihnachtsbäume kommen aus Schwarze Pumpe und vom Georgenberg. Sie wurden am Mittwoch auf dem Marktplatz und in der Dresdener Straße aufgestellt. Von Annett Igel-Allzeit

Ordentlich Späne gemacht haben am Mittwoch in aller Frühe die Mitarbeiter des Spremberger Betriebshofes im Ortsteil Schwarze Pumpe. Kaum ist die Säge verstummt, schwebt überm Bereich Bogenweg/Bahnweg der diesjährige Weihnachtsbaum für den Spremberger Marktplatz. Die Familie Hartstock kann zum ersten Mal an diesem Morgen durchatmen. Nach Vorarbeiten schon am Dienstag sind der Betriebshof, die Spremberger Polizeiwache und die Transportfirma Felbermayr mit Kran und Tieflader am Mittwochmorgen gegen 7 Uhr angerückt. Wichtig war zuerst, einen guten Platz für den Kran zu finden.

Im Juni hatten Hartstocks die Tanne neben ihrem Wohnhaus der Stadtverwaltung als möglichen Weihnachtsbaum gemeldet. „Er ist sehr schön gewachsen, steht aber einfach zu dicht an unserem Haus“, sagt Angela Hartstock und seufzt. „Die Fällung tut jetzt schon ein bisschen weh. Wir wollten aber vermeiden, dass unser Haus oder Nachbars Grundstück durch den Baum beschädigt wird. Jetzt erfüllt er noch einen guten Zweck, das tröstet“, so Karsten Hartstock.

Gepflanzt haben die Hartstocks den Baum selbst nicht. „Das war wohl unser Vorgänger. Wir haben das Grundstück 1996 bezogen. Da stand der Baum schon. Deshalb wissen wir auch nicht, wie alt er ist“, so Karsten Hartstock. Die Experten des Betriebshofes, die oft mit Bäumen zu tun haben, schätzen sein Alter am Mittwoch auf etwa 30 Jahre.

Weihnachtsbaum, so erzählt Karsten Hartstock, sei ihre Tanne nun auf dem Spremberger Marktplatz nicht zum ersten Mal. „Auch wir haben sie hier am Haus hin und wieder geschmückt. Eine Lichterkette hing heute Morgen noch zwischen den Zweigen.“ Kurz nach 8 Uhr wird der Baum auf dem Tieflader im Bahnweg befestigt. Der Stamm ist bereits geschält. Mit den zwei Streifenwagen geht es durch Schwarze Pumpe und durch die Dresdener Chaussee direkt in die Spremberger Innenstadt auf den abgesperrten Marktplatz. 2,2 Tonnen hat Kranführer Andreas Brutz zu heben. „Die Länge wird bei etwas über elf Metern liegen“, schätzt Brutz. Dass sie die genaue Tannenart noch nicht wissen – auch Hartstocks mussten da passen – wurmt Revierpolizist Jürgen Woineck. Während die anderen sich mit einem Kaffee aufwärmen, flitzt er schnell rüber zu Floristikmeister Jens-Uwe Winkler und kommt glücklich zurück: „Blumen-Winkler hat keinen Moment gezögert. Es ist eine Nordmanntanne.“

Dann werden wieder die Handschuhe angezogen. Das 1,60 Meter tiefe Loch im Marktplatz ist schon offen, die Holzscheite liegen bereit. Kranführer Brutz kämpft mit dem Sonnenschein, der blendet. Aber anders als bei Hartstocks, wo er nicht so dicht an den Baumstandort heran konnte, steht er diesmal mit seinem Kran unmittelbar neben dem Loch. Die Millimeterarbeit gelingt schnell. Die Schaulustigen haben kaum Zeit, den besten Standort bei blauem Himmel, strahlender Sonne und Rathauskulisse zu suchen. Zuletzt lenken die Mitarbeiter des Betriebshofes den Stamm und sind schnell unter den untersten Zweigen verschwunden, um die Scheite um den Stamm herum festzuklopfen. Sogar Schrauben werden noch durch das Holz gejagt. Steht die Nordmanntanne gerade? Auch Eric Schiffel, Sachbearbeiter für Ordnungsangelegenheiten im Rathaus, umrundet den Baum und ist sehr zufrieden: „Der erste Baum steht und ist wirklich schön. Jetzt geht es auf den Georgenberg.“

Denn aus der Mozartstraße kommt in diesem Jahr die Tanne, die an der Dresdener Straße vor der Berliner Kreuzung den Vorbeifahrenden Lust auf Sprembergs Lichterfeste und den Weihnachtsmarkt machen soll. Für Familie Hartstock aus Schwarze Pumpe jedenfalls wird die Adventszeit in der Spremberger Innenstadt in diesem Jahr etwas ganz Besonderes sein. Angela Hartstock nickt lachend: „Klar, werden wir unseren Baum immer mal wieder besuchen.“


Das Kranseil muss vom Hubsteiger der Städtischen Werke Spremberg aus vorsichtig aus den Zweigen geholt werden.
Das Kranseil muss vom Hubsteiger der Städtischen Werke Spremberg aus vorsichtig aus den Zweigen geholt werden. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR

Der geschälte Stamm wird vorsichtig in die 1,60 Meter tiefe Öffnung zwischen den Pflastersteinen gelotst.
Der geschälte Stamm wird vorsichtig in die 1,60 Meter tiefe Öffnung zwischen den Pflastersteinen gelotst. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR