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Zuerst gründete er den Kinderchor

Hermann Hulman, Kirchenmusiker des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg, verabschiedet sich in den Ruhestand.
Hermann Hulman, Kirchenmusiker des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg, verabschiedet sich in den Ruhestand. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spremberg hat der Kreiskantor Hermann Hulman als gemütliche Kleinstadt erlebt. Aber Zeit, mal ins Kanu zu klettern und die Spree zu erkunden, ließ ihm sein Arbeitspensum im Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg nicht. Jetzt geht er in den Ruhestand und bereut keineswegs, vor zwölf Jahren aus Berlin in die Provinz gekommen zu sein. Annett Igel-Allzeit

Als Hermann Hulman am 1. Dezember 2004 in Spremberg startete, hat er zuerst einen Kinderchor gegründet. Pfarrerin Ursula Orgis in Eichwege bat ihn um Unterstützung für eine sangesfreudige Gruppe Erwachsener. Schnell wurden es fünf, sechs Chöre, die Hulman musikalisch leitete - in der Michaelgemeinde, Groß Kölzig, Großräschen-Bückgen. Dazu kam der Kantatenchor.

Hulman wurde 1952 in Schwabach bei Nürnberg geboren. Er war acht, als er erste Stücke auf dem Klavier spielte und 15 Jahre, als ihn ein Pfarrer ermunterte, es mit der Orgel zu probieren. Als 16-Jähriger hatte er die erste nebenamtliche Orgelstelle. Er studierte Kirchenmusik an der Hochschule der Künste in Berlin. Die erste Kirchenmusiker-Stelle trat er 1978 in Berlin-Schöneberg an - in der Zwölf-Apostel-Kirche. Nach 30 Jahren Berlin wechselte er nach Spremberg in die Fußstapfen, die Kantor Peter Drichel hier hinterlassen hatte.

Mit der Sauer-Orgel in der Kreuzkirche freundete er sich schnell an. Nahezu jeden Tag spielt Hulman Orgel. "Allein um die Gelenke beweglich zu halten, ist das auch für gestandene Organisten wichtig." Ständig gibt es neue Orgelliteratur, die ihn reizt. In seinem letzten Spremberger Orgelkonzert zum Jahresausklang am 31. Dezember packte er zwischen Bach und Pachelbel mal Werke von Léon Boëllmann (1862 - 1897) und Baldassare Galuppi (1706 - 1785). "Hätten wir zu meiner Studienzeit mit einem Werk von ihnen zur Prüfung antreten wollen, wären wir damit wohl nicht durchgekommen. Sie werden selten gespielt, aber es macht Spaß, sie mal anzubieten", so der Kreiskantor. Dass sein letztes Jahreswechselkonzert fröhlicher klang, liege nicht an Boëllmann oder Galuppi. "Sie meinen, es klang gelöster? Ich gehe ja nun nicht für zwei Wochen in den Urlaub, sondern ich gehe in den Ruhestand." Nein, es sei nie leicht gewesen, zum Jahresabschluss mit dem letzten Werk genau um Mitternacht zu enden. "Das muss man vorher durchspielen. Einmal habe ich eine halbe Minute überzogen", gesteht Hulman, "und einmal musste ich alle ins Gemeindehaus umleiten, weil eine Pedalfeder an der großen Orgel gebrochen war."

Er hat Chöre gegründet und wieder auflösen müssen, Schüler unterrichtet, nebenamtlichen Organisten und Chorleitern geholfen, den Musiksommer organisiert, die Sommermusik begleitet. In den ersten Jahren hatte er den gesamten Kirchenkreis allein zu stemmen - bis für den Senftenberger Raum die Regionalkantorin Margret Schulze, die zugleich Kreisposaunenwartin ist, eingestellt wurde.

Hulman zieht nach Berlin zurück. "Damit mein Terminkalender im April wirklich leer bleibt und um näher bei meinen Kindern zu sein." Tochter Friederike Hulman haben auch die Spremberger im Konzert kennenlernen können. Inzwischen ist sie Solo-Oboistin im Orchester der Königlichen Oper Stockholm.

Das Schöne am Abschiednehmen sei, dass jetzt Leute vorbeischauen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Aber in seinen beiden Kindergärten - dem Musikkindergarten und "Bennolino" - tat das Abschiednehmen doch weh. In jeder Woche hat er den Kindern 30 Minuten Musikunterricht gegeben. Auch das Ferien-Musical-Projekt durchlebte er elfmal mit der Döberner Katechetin Irmgard Huckauf. Und wird noch einmal Anlauf für einen Kinderchor in Spremberg genommen, sollte er ökumenisch sein, rät Hulman. "In der Ökumene übrigens ist Spremberg schon sehr weit." Der Kinderchor steht in der langen Aufgabenliste der Stellenausschreibung. Die Wahlproben, die in der Regel öffentlich sind, sind im März geplant. Heute endet die Bewerbungsfrist für die Vollzeitstelle des Kirchenmusikers im Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg. Sie musste ein zweites Mal ausgeschrieben werden.

Am morgigen Sonntag im Gottesdienst wird Superintendent Michael Moogk Hulman vor den Altar holen und verabschieden. Aber an der Orgel sitzt er auch.