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Zubringer für Grubenwasserbehandlung in Schwarze Pumpe werden erneuert

Die Grubenwasserbehandlungsanlage in Schwarze Pumpe wird bei laufendem Betrieb erneuert. Der größte Teil der Anlage liegt auf sächsischem Gebiet, nur ein kleiner Teil in Brandenburg.
Die Grubenwasserbehandlungsanlage in Schwarze Pumpe wird bei laufendem Betrieb erneuert. Der größte Teil der Anlage liegt auf sächsischem Gebiet, nur ein kleiner Teil in Brandenburg. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Schwarze Pumpe. Über der Grubenwasserbehandlungsanlage im Industriepark Schwarze Pumpe dreht sich der Kran. Seit einem Dreivierteljahr wird die Anlage, die auf der sächsisch-brandenburgischen Grenze liegt, bei laufendem Betrieb erneuert. Annett Igel-Allzeit

20 bis 25 Mitarbeiter des Unternehmens Glass Ingenieurbau Leipzig und mehrerer Subunternehmen, die Glass in Welzow, Erfurt und Niesky gefunden hat, sind täglich auf der Baustelle beschäftigt. Seit Mai wird der neue Sammelzubringer Ost gebaut. Über ihn kommt das Grubenwasser aus dem Tagebau Nochten und der Zulauf aus Groß Luja. Für den Sammelzubringer West, der das Grubenwasser aus dem Tagebau Welzow-Süd und vom Bergbausanierer LMBV bringt, laufen die Bauarbeiten seit Juni, er wird mit 70 Metern das längste Bauwerk der Anlagenerneuerung, erklärt der Projektleiter Thomas Schumann.

Neben den Zubringern sollen bis zum Sommer 2019 auch das neue Zusammenführungsbauwerk und die neue Kalkmischstrecke stehen. Bei der zehn Millionen Euro teuren Investition werden in den zweieinhalb Jahren 2700 Meter Rohrleitungen verbaut. 3100 Kubikmeter Beton und 350 000 Kilogramm Bewehrungsstahl kommen zum Einsatz. Am tiefsten hinunter auf siebeneinhalb Meter geht es im Rundsandfang des Sammelzubringers Ost. Auf 6,3 Meter in die Höhe geht es für die Kaskaden im Sammelzubringer West.

Die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) hat im Lausitzer Revier drei große und vier kleinere Grubenwasserbehandlungsanlagen. Von den 400 Millionen Kubikmetern Wasser, die die Leag im Jahr hebt und behandelt, kommt in der Anlage in Schwarze Pumpe ein Viertel an. Hauptaugenmerk bei der Behandlung liegt auf dem Eisenhydroxid - Kalkmilch und Flockungshilfsmittel kommen weiter zum Einsatz. Aber da das Kohlendioxid in der neuen zweistufigen Entgasung effizienter ausgetragen werden kann, "müssen wir künftig weniger Kalkhydrat einsetzen, wodurch sich die Gesamt- und Karbonathärte des aufbereiteten Wassers verringert", erklärt Thomas Schumann. Das sei zum Beispiel gut fürs Kühlwasser, es könnte öfter genutzt werden, der Wasserbedarf insgesamt würde sinken.

Etwa zwei Drittel des Wassers fließen nach der Behandlung in die Spree. Ein Teil geht als Brauchwasser an Unternehmen im Industriepark Schwarze Pumpe: Das Kraftwerk nutzt es zum Beispiel als Kühlwasser, die Papierfabrik Hamburger Rieger braucht es für ihre Prozesse.

Aber als einzige Grubenwasserbehandlungsanlage liefert die Pumpsche Anlage auch 3,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr. Und zwar in zwei verschiedenen Qualitäten, erklärt Thomas Koch, Leiter für Geohydrologie und Wasserwirtschaft der Leag: Chloriertes Trinkwasser geht in Richtung Senftenberg zum Wasserverband Lausitz, ozoniertes - auch eine Form der Entkeimung - Trinkwasser wünscht sich Weißwasser.

Um all diese Lieferungen weiter absichern zu können, war es wichtig, die Erneuerung bei laufendem Betrieb durchzuziehen. Aber das begrenzte Baufeld und die vielen Leitungen und Kabel in der Erde machen "die Operation am offenen Herzen", so Schumann, zusätzlich spannend.

Im dritten und vierten Quartal 2018 könnten die ersten Umbindungen stattfinden.

Zum Thema:
Sieben Grubenwasserbehandlungsanlagen (GWBA) hat die Leag im Lausitzer Revier: Die GWBA Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Kringelsdorf sind mit mehr als 100 Millionen Kubikmetern behandelter Wässer im Jahr die drei großen Anlagen, während die GWBA "Am Weinberg", Tzschelln, Briesnig und Trebendorf mit 1,2 bis 29 Millionen Kubikmetern Wasser im Jahr kleiner ausfallen. Die Anlage im Industriepark Schwarze Pumpe ist seit 1959 in Betrieb. Im Gegensatz zu den sechs anderen GWBA bereitet die Anlage nicht nur Wasser für die Abgabe in den Vorfluter vor, sondern hier wird auch Brauch- und Trinkwasser hergestellt. Sie ist laut Leag für 140 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr ausgelegt. Thomas Schumann (36) ist der Projektleiter der "Operation am offenen Herzen", wie er die Erneuerung der Wasserbehandlungsanlage selbst nennt. Er hat in Zittau Chemie studiert, startete 2006 als Trainee in einem Entwässerungsbetrieb. 2013 wurde er zum Projektleiter berufen.