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| 13:06 Uhr

Felixsee
Ziegenwiese statt Autodesign

Der indische Ingenieur Shreyas Karthik Mallaiah kennt sich mit Maschinen aus. Zwei Wochen Pinokkio-Hof ohne Maschinen hat er trotzdem genossen. Mit  Frank Matthias bringt er die Ziegen auf die Wiese.
Der indische Ingenieur Shreyas Karthik Mallaiah kennt sich mit Maschinen aus. Zwei Wochen Pinokkio-Hof ohne Maschinen hat er trotzdem genossen. Mit Frank Matthias bringt er die Ziegen auf die Wiese. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Bloischdorf. Ein junger indischer Ingenieur erlebt den Pinokkio-Hof in Bloischdorf.

Wer einen Bauernhof  hat, kann nicht einfach durch die Welt reisen. Die regenerativen Mikroben, auf die Frank und Barbara Matthias auf dem Pinokkio-Hof in Bloischdorf setzen, arbeiten zwar recht selbständig. Aber die Laufenten sind Haferflocken gewöhnt, bevor sie ihre Futter selbst suchen. Das Pferd Tessa braucht frisches Wasser und Mary, die Hündin, gelegentlich Spielgefährten. Deshalb freut sich Familie Matthias über nationale wie internationale Gäste.

Damit sie kommen, bieten Matthiasens Kultur, Natur und zu den Kreisläufen mit effektiven Mikroorganismen Forschungsergebnisse und Erfahrungen. Nein, der junge Inder Shreyas Karthik Mallaiah hat im jüngsten Volkshochschul-Seminar in Bloischdorf nicht alles über Naturkreisläufe verstanden. Aber der Ingenieur, der in Aachen sein Masterstudium absolviert, ist fasziniert. Seine Heimatstadt Bangalore hat acht Millionen Einwohner. Sie steht für neuste Entwicklungen in der IT-Branche, in der  Luft- und Raumfahrt. „Mit Maschinen und Autodesign beschäftige ich mich als Mechaniker und Ingenieur. Aber nun bin ich hier auf einem Hof, wo es kaum Maschinen gibt“, so Shreyas Karthik. Barbara Matthias lacht: „Auf die Waschmaschine verzichte ich nicht.“

Über den Verein „Experiment“ fand der junge Inder nach Bloischdorf. Wie Hanna Sobotka sagt, vermittelt ihr Verein seit mehr als 50 Jahren mit dem Auswärtigen Amt internationale Studenten zu zweiwöchigen Aufenthalten in deutschen Familien. „Oft haben die Studenten nicht das Geld und die Zeit, um in den Semesterferien nach Hause zu fliegen. Zu Weihnachten hatte Familie Matthias einen syrischen Studenten zu Gast“, so Hanna Sobotka..

Barbara Matthias: „Unser Hof ist seit 2011 auch Mitglied im Netzwerk WWOOF-Deutschland. Das vermittelt freiwillige Helfer auf ökologische Höfe. Sie ziehen von Hof zu Hof, sammeln Erfahrungen, helfen bei der Arbeit.“ Einem der Helfer verdankt sie eine umfangreiche Präsentation zum Pinokkio-Hof.

Auch Shreyas Karthik hat seine Eindrücke aufgeschrieben. Er isst kein Rind- und Schweinefleisch, aber Barbara Matthias hat Kürbis- und Brennnessel-Suppe gekocht. Er kostete Rote Beete und präsentierte im Gegenzug ein Dessert mit süßen Nudeln. „Viele Nüsse für meinen Aufstrich hat er geknackt“, erzählt Barbara Matthias. Ein ausgebüxtes Kaninchen fing er mit Engelsgeduld ein. Auf ihrer Waldfläche, wo Frank Matthias Stute Tessa einsetzt, sammelte er Holz auf. Einfach war das nicht, gesteht Shreyas Karthik. Wie angewurzelt stand er vorm ersten Stück Holz. Da krabbelte etwas. „Spinnen und Schlangen, davor warnen indische Mütter ihre Kinder zuerst. Wir konnten Shreyas beruhigen: Spinnen sind hier meist nicht gefährlich. Wir warnen vor Zecken“, sagt Frank Matthias.

Den Spreewald zeigten sie ihm, Filzen hat er probiert und die Zehen in den Felixsee gesteckt. Über Zeit und Vandana Shiva haben sie gesprochen, eine indische Wissenschaftlerin, die sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzt. Das  sei ein großes Thema in Indien, sagt Shreyas Karthik: „Auch bei uns haben Kinder früh ein Handy, und das wird kontrovers diskutiert.“ Seine drei großen Schwestern sind alle Ingenieurinnen. Doch nach zwei Wochen auf dem Pinokkio-Hof hat er einen Traum: „Ich habe 100 Kilometer entfernt von Bangalore eine kleine Farm. Da möchte ich das, was Frank und Barbara hier tun, auch schaffen. Aber zuerst muss ich in der Wirtschaft viel Geld verdienen.“

Auch über Nachhaltigkeit haben Frank und Barbara Matthias mit ihrem indischen Gast austauschen können.
Auch über Nachhaltigkeit haben Frank und Barbara Matthias mit ihrem indischen Gast austauschen können. FOTO: Detlef Bogott