ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:08 Uhr

Lebensabend auf dem Bauernhof
Zehn Rezepte für Freude im Alter

Altenpflegerin Diana Putzke kümmert sich um Erna Pohle und Ruth Radtke (rechts).
Altenpflegerin Diana Putzke kümmert sich um Erna Pohle und Ruth Radtke (rechts). FOTO: LR / René Wappler
Spremberg/Bluno. Die Nachfrage bei alternativen Angeboten zum betreuten Wohnen für Senioren steigt. Von Rene Wappler

Der Bauernhof für Senioren in Bluno will seine Kapazität verdoppeln. Mitarbeiter der Gesellschaft für Altenpflege aus Spremberg kümmern sich um die Rentner, die an der Dorfaue leben. Einen Mann und fünf Frauen beherbergt der Hof derzeit. Statistische Daten sprechen dafür, dass solche neuen Modelle für altersgerechtes Wohnen schon bald auf stärkeres Interesse treffen werden.

Altenpflegerin Diana Putzke greift die Hand der 95-jährigen Erna Pohle. In eine Decke gehüllt sitzt die älteste Bewohnerin auf der Terrasse des Bauernhofes. Sie genießt den Sonnenschein, schließt kurz die Augen, blinzelt. Seit acht Jahren lebt sie an der Dorfaue in Bluno.

„Schön ist es“, sagt sie.

Nebenan picken Hühner ihr Futter auf, durch einen Zaun geschützt vor der Katze, die über den Hof streift. Die Gemeinschaft für Senioren wird sich nach dem Wunsch des Inhabers Gerd Williger bald erweitern, wie Diana Putzke berichtet. „Nebenan sollen voraussichtlich sieben oder acht neue Wohnungen entstehen“, sagt sie. „Genügend Nachfrage besteht ja.“

Allerdings wägen die Mitarbeiter sehr genau ab, wer zu den Bewohnern passen könnte. So vereinbaren sie mit Interessenten zunächst eine Probezeit. „Es wäre schon wünschenswert, dass sie kommunikativ sind“, erklärt Diana Putzke.

Schließlich handelt es sich keinesfalls um eine Demenzstation, sondern um ein Angebot, in dem die Pflegekräfte die Senioren nur tagsüber betreuen. Wer sich dafür entscheidet, auf dem Bauernhof an der Blunoer Dorfaue zu leben, verbringt dort so selbstbestimmt wie möglich seine letzten Jahre.

Zwei Frauen starben im vergangenen Jahr, eine in ihrer Wohnung, die andere nach kurzer schwerer Krankheit in einer Klinik.

Altenpflegerin Diana Putzke sagt: „Für uns ist es auch nicht einfach, wenn das passiert.“ Denn die Mitarbeiter bauen nach ihren Worten durchaus eine persönliche Beziehung zu den Bewohnern auf.

Ein Drittel der Deutschen würde eine solche Wohngemeinschaft für Senioren bevorzugen, wenn der Lebensabend näher rückt. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Deutschen Gesellschaft für Qualität hervor. Der Präsident der Gesellschaft, Udo Hansen, stellt dazu fest: „Neue Formen des betreuten Wohnens wie Wohnkomplexe, Mehrgenerationenhäuser oder privat eingestellte Betreuungskräfte gewinnen an Bedeutung.“

Genauer beleuchtet der „Pflegereport 2018“ vom Wissenschaftlichen Institut der Allgemeinen Ortskrankenkasse, was ältere Menschen unter Lebensqualität verstehen. Mit einem Messinstrument namens „Quista“ haben Forscher zehn Faktoren ermittelt: Etwas Sinnvolles zu tun, sich mit anderen Menschen auszutauschen, selbstbestimmt zu leben, eine Intimsphäre zu haben, Ruhe zu genießen, Abwechslung zu erfahren, sich heimisch zu fühlen, behütet zu sein, gesund zu bleiben und neue Informationen zu erhalten: So wünschen sich die Menschen im hohen Alter ihren Alltag.

Dabei wird dieser Aspekt in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Denn laut dem Pflegereport sind 4,8 Prozent der Einwohner in Brandenburg pflegebedürftig. Einen höheren Wert weist unter den deutschen Bundesländern nur Mecklenburg-Vorpommern mit 5,1 Prozent auf.

In der Altersgruppe ab 75 Jahren sind sogar 26,4 Prozent der Menschen in Brandenburg auf Pflege angewiesen, also mehr als jeder Vierte. Auch in dieser Statistik befindet sich das Bundesland neben Niedersachsen mit dem gleichen Anteil und Mecklenburg-Vorpommern mit 28,4 Prozent in der Spitzengruppe.

In Spremberg nimmt die Zahl älterer Einwohner ohnehin seit vielen Jahren zu. Die Gruppe der 66-jährigen und älteren Bürger war im Jahr 2017 im Vergleich zum Jahr 2016 erneut um 72 auf 5797 Personen gewachsen, wie der stellvertretende Bürgermeister Frank Kulik im Januar mitteilte.