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| 18:35 Uhr

Brandserie
Feuerteufel in der Lausitz 

Brandstiftung wahrscheinlich: Feuerwehrmänner am Abend des 8. August im Einsatz beim Großfeuer in einem Reifenlager in Senftenberg.
Brandstiftung wahrscheinlich: Feuerwehrmänner am Abend des 8. August im Einsatz beim Großfeuer in einem Reifenlager in Senftenberg. FOTO: dpa / Steffen Rasche
Cottbus. Von Senftenberg bis Guben – Reifen, Getreidefelder, Autos brennen nicht von allein. Von Christian Taubert

Brandstiftung in zehn Fällen – die mutmaßlichen Feuerteufel von Welzow (obiger Beitrag) sind auch in der Lausitz kein Einzelfall. Immer wieder halten sie eine Region in Atem. Ob in Finsterwalde, wo im Herbst 2017 kurz hintereinander Mülltonnen, Papiercontainer, eine Baracke, eine Laube und ein ehemaliges Gebäude der Kreisverwaltung in Flammen aufgingen oder jüngst erst in Senftenberg, in Spremberg, Guben, Forst, Luckau oder dem Elbe-Elbe-Elster-Kreis: Brandstifter gibt es immer wieder. Aber sie sind „nicht alle psychisch krank“, hat der forensische Psychiater Dr. Werner E. Platz aus Berlin in einem RUNDSCHAU-Interview erklärt.

Knapp zwei Wochen nach einem Brand in einem Reifenlager in Senftenberg ist dort erneut ein Feuer ausgebrochen. Inzwischen verdichten sich die Anzeichen massiv, dass dort Brandstifter am Werk waren. Einsatzleiter Michael Pfau von der Feuerwehr in Senftenberg schließt aus, dass alte Glutnester wieder aufgeflammt sein könnten. „Aus meiner über 30-jährigen Berufserfahrung kann ich sagen, dass die Reifen nicht von allein anbrennen. Da braucht man eine gewisse Zündenergie. Da braucht man nicht viel zu spekulieren“, sagte er der RUNDSCHAU.

: Feuer an mehreren Stellen versetzt viele Spremberger in Angst und Schrecken. Eine 50-jährige Frau wird mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Als Feuerwehr und Polizei zwischen zwei und sechs Uhr zu mehreren Bränden im Stadtgebiet ausrücken, gehen sie von neun Brandorten aus. Letztlich ist von 13 Brandherden die Rede.

Guben wird von einem Brandstifter tyrannisiert. Morgens gegen fünf Uhr brennt auf einem Parkplatz ein Auto. Der Pkw ist bereits das dritte Auto, das innerhalb weniger Tage in der Stadt in Flammen aufgegangen ist. Laut Polizei hatten Unbekannte in einem Fall die Scheibe eines Transporters eingeschlagen und einen mit Benzin gefüllten Kanister in den Innenraum geworfen. Von einem Serientäter wollte die Polizei noch nicht sprechen.

Im Elbe Elster-Kreis ist eine Brandserie zum Teil gesühnt. Zwei Jahre zuvor hatte es eine Reihe von Einbrüchen, Diebstählen und vor allem sechs Brandstiftungen in Oschätzchen, Zobersdorf sowie Bad Liebenwerda gegeben. Der damals 18-jährige Karsten Tobias F. ist vor dem Landgericht Cottbus vollumfänglich geständig und wird zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Der zum Tatzeitpunkt 23 Jahre alte Manuel H. schweigt im gesamten Prozessverlauf.

Weil er im Mai und Juli 2007 fünf Brände gelegt hatte, muss ein ehemaliger Feuerwehrmann (23) aus Langengrassau (Dahme-Spreewald) für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Brandserie hatte Langengrassau wochenlang in Atem gehalten. Mal brannte ein Getreidefeld, mal ein Waldstück, mal ein Tiergehege. Stefan D. war als Gruppenführer der Feuerwehr immer einer der Ersten am Brandherd. Als Motiv nannte der junge Mann vor dem Cottbuser Landgericht private und berufliche Probleme. Er habe Bestätigung und Anerkennung gesucht.

Für den forensischen Psychiater Dr. Werner E. Platz geschieht die Hälfte der Brandstiftungen durch Täter in stark alkoholisiertem Zustand. Auch Drogenmissbrauch spiele eine Rolle. Hinzu kämen bei Jugendlichen auch ein gestörtes Sozialverhalten. „Daneben gibt es natürlich auch Menschen mit krankhaften Wahnvorstellungen oder Demenz, die Brände legen“, erklärt Platz. Unter Brandstiftern sind auch häufig Menschen, die soziale Konflikte nicht adäquat lösen können. Dazu würden Eheprobleme wie berufliche Konflikte gehören. Unter den sogenannten „Feuerteufeln“ sind aber auch Menschen, die sich ganz allgemein stark für Feuer interessieren und alles, was mit Löschen und Brandbekämpfung zusammenhängt, sagt der Experte.