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Spremberger Politiker entscheiden sich für Angebot
Berliner Firma prüft Bäder-Projekt

Spremberg. Beratungsgesellschaft für Behörden widmet sich dem Neubau der Schwimmhalle. Von René Wappler

Eine Firma aus Berlin wird untersuchen, wie sich der Neubau der Spremberger Schwimmhalle so wirtschaftlich wie möglich gestalten lässt. Die Mitglieder des Hauptausschusses haben sich in dieser Woche für das Angebot der Beratungsgesellschaft für Behörden ausgesprochen. Ursprünglich lag der vorgesehene Kostenrahmen dafür bei 10 000 Euro. Doch diese Maßgabe lässt sich nicht einhalten. Denn die Beratung kostet mindestens 15 000 Euro, wie Kerstin Schenker von der Stabsstelle für Recht im Spremberger Rathaus anmerkt. Hauptausschuss-Chef Andreas Bränzel (CDU) erklärt: „Wir haben uns ja dazu bekannt, dass neben dem Preis auch die Leistung eine Rolle spielen soll.“

So schnell kann es gehen. Gerade mal 25 Minuten benötigten die Mitglieder des Spremberger Hauptausschusses am Donnerstag für ihre Konferenz im Ratssaal des Bürgerhauses. Sie widmeten sich lediglich dem Angebot der Beratungsgesellschaft, das sie allesamt befürworteten.

Der stellvertretende Bürgermeister Frank Kulik erläutert: „Der Bieter erfüllt alle unsere Voraussetzungen.“ Zwar werden die festgesetzten Kosten des Rathauses nicht eingehalten. Doch dessen Mitarbeiter haben mit einem solchen Projekt auch noch keine Erfahrung, wie Frank Kulik einräumt. Das Unternehmen habe umfangreiche Referenzen beigefügt. Deshalb plädierte der stellvertretende Bürgermeister am Donnerstag dafür, ihm den Zuschlag zu erteilen – was schließlich auch geschah.

SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch trägt sich trotz seines Votums für dieses Angebot noch mit Bedenken. So weist er darauf hin, dass der Chef der Berliner Beratungsgesellschaft im Juli 2017 vor den Spremberger Kommunalpolitikern schon einmal über die Chancen und Risiken von Projekten wie einem Schwimmbad sprach. „Ich zweifle nicht an deren Integrität“, sagt Dirk Süßmilch. „Aber vielleicht steht ihre Unabhängigkeit in Frage, da sie ja die Situation in Spremberg aufgrund des damaligen Termins genau kennt.“

Bei seinem Besuch in Spremberg hatte Firmenchef Hartmut Fischer unter anderem die Frage beleuchtet, warum ausgerechnet viele Großprojekte scheitern. Nach seinen Worten fehlt es oft am kooperativen Planen im Team. Außerdem sei es besser, erst zu planen und dann zu bauen, statt es umgekehrt zu versuchen. Darüber hinaus solle die Vergabe nicht an den billigsten Anbieter erfolgen, sondern an den wirtschaftlichsten. In diesem Aspekt zeigt sich eine Parallele zum Spremberger Votum vom Donnerstag, das ja ebenfalls einen höheren Preis für die Beratung in Kauf nimmt als zunächst vorgesehen. Kritisch äußerte sich Hartmut Fischer auch zur Spremberger Schwimmhalle. „Sie sind schon in so viele spezielle Fragen eingestiegen, ohne die Grundlagen zu klären“, sagte er damals zu den Mitgliedern des Hauptausschusses. Niemand müsse sich der Illusion hingeben, dass ein Investor in das Schwimmhallen-Projekt einsteigen wird. Schließlich handele es sich stets um „ein gewisses Zuschussgeschäft“. Die Beratungsgesellschaft für Behörden begleitete nach eigenen Angaben bereits ungefähr 200 Ausschreibungsverfahren für öffentliche Auftraggeber.

Die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses werden das Verfahren „zu 100 Prozent aufmerksam begleiten“. Das bekräftigt Vize-Bürgermeister Frank Kulik. Ihm liegen nach eigenen Angaben die Referenzbriefe mehrerer Stadtoberhäupter aus Deutschland vor, die der Beratungsgesellschaft für Behörden eine hohe Fachkompetenz bescheinigen.

Die Untersuchung durch die Firma wird acht Wochen bis zu einem Vierteljahr dauern. Auf diese Zeitspanne hatte Chef Hartmut Fischer bei seinem Besuch in Spremberg hingewiesen. Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters wollen die Mitarbeiter des Rathauses danach in einer europaweiten Ausschreibung das Unternehmen suchen, das den Bau der Schwimmhalle in die Tat umsetzt.