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| 18:40 Uhr

Spremberger Brandstifter riskierten Leben
Wohnungsbrand bringt Kameraden an ihre Grenzen

 Christian Balzer, stellvertretender Stadtbrandmeister in Spremberg, zeigt die neue Schutzuniformjacke samt Hose. Die Feuerwehrkameraden sollen demnächst noch besser geschützt zu den Einsätzen ausrücken können.
Christian Balzer, stellvertretender Stadtbrandmeister in Spremberg, zeigt die neue Schutzuniformjacke samt Hose. Die Feuerwehrkameraden sollen demnächst noch besser geschützt zu den Einsätzen ausrücken können. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Ein anstrengendes Jahr liegt hinter den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Spremberg. Stadtwehrführer Frank Balkow wertet Einsatzgeschehen des Jahres 2018 aus. Von Annett Igel-Allzeit

Die Einsatzahlen der Freiwilligen Feuerwehr Spremberg bleiben hoch. Nach 229 Einsätzen im Rekordjahr 2017 war es 2018 lediglich ein Einsatz weniger. Stadtwehrführer Frank Balkow schlüsselte zur Jahreshauptversammlung diese Zahlen auf, und Ehren-Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer bat die Feuerwehrmänner und -frauen, öfter bei ihren Eltern vorbei zu schauen.

Mehr als die Hälfte der Einsätze, zu der Sprembergs Feuerwehr im Vorjahr ausgerückt ist, waren Brände: „Wir hatten 2018 genau 125 Brandeinsätze, 2017 waren es 73“, so Frank Balkow. Nach kleineren Feuern in Mülltonnen und auf Flächen wurden sie am 8. Januar zu einem  Dachstuhlbrand in einer Tischlerei auf dem Georgenberg gerufen: „Das Ausmaß des Schadens sahen wir erst am nächsten Tag zur Nachkontrolle“, erinnert sich Balkow. „Um so mehr haben wir uns gefreut, als uns der Tischler im September zur Wiedereröffnung einlud.“

Noch im Januar kam Sturmtief Friederike, das fast alle Ortswehren der Stadt beschäftigte. „16 Einsatzlagen  in fünf Stunden mit 56 Kameraden und zwölf Einsatzfahrzeugen. Der Betriebshof stand uns nach seiner regulären Arbeitszeit unterstützend zur Seite“, sagt Balkow. Die Spremberger Feuerwehrleute halfen beim Löschen brennender Gebäude in Welzow, Proschim und Terpe. Auch als der Multicar auf der Kochsdorfer Kreuzung und zwei Lkw in Sellessen brannten, eilten sie herbei. Beim Kohleflözbrand in Reichwalde, bei den Waldbränden in der Lieberoser Heide und Treuenbrietzen und beim Reifenlagerbrand in Senftenberg waren Kräfte der Spremberger Feuerwehr im Einsatz. Waldbrände im eigenen Gebiet gab es in Hornow, Slamen und Rehnsdorf. Dass noch im Oktober der Stadtwald brannte, zeigte, so Balkow, wie der trockene Sommer dem Wald zugesetzt hatte.

 Und Wohnungsbrände beschäftigten die Feuerwehr. „Die Krönung bescherte uns der 15. Oktober. Hier wurden wir um 23.18 Uhr zum Gebäudebrand nach Schwarze Pumpe in die Straße des Kindes 2 gerufen. Eine P1-Wohnung im dritten Obergeschoss brannte komplett aus. Das hat so manchen Kameraden an seine körperliche Grenze gebracht“, sagt Balkow. Ausdauer und Kraft sei gefragt gewesen. Die Sporthalle der Grundschule wurde Notunterkunft. Die Einsatzkräfte mehrerer Ortswehren, der Rettungsdienst mit seinen Notärzten, die Polizei, die Sondereinsatzgruppe Betreuung aus Spremberg und Forst, der Kreisbrandmeister und die Werkfeuerwehr der Leag, die mit Material aushalf – allen ist Balkow dankbar für die Einsatzbereitschaft.

Böse aber war auch die Brandnacht zum 9. Juni. „Da wollte jemand die Leistungsfähigkeit unserer freiwilligen Feuerwehr in Erfahrung bringen und spielte mit dem Leben von Spremberger Bürgern“, sagt Balkow. Im gesamten Stadtgebiet wurden kurz hintereinander Müllcontainer, Zäune und ein Moped angezündet. Eine Frau, die bei offenen Fenster geschlafen hatte, musste mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in Krankenhaus gebracht werden. In einer Erdgeschosswohung in der Jägerstraße zersprangen die Fenster. „Wir konnten ein Übergreifen der Flammen auf die Wohnung verhindern. Die Rauchgase jedoch, die sich schnell breit machten, hätten in dieser Wohnung kein Leben mehr zugelassen. Bloß gut, dass die Mieter in jener Nacht nicht zu Hause geschlafen hatten.“

Wie gefährlich Feuer in Wohnungen ist, weiß auch Kätzmer. Unter den 398 Bränden im gesamten Spree-Neiße-Kreis waren 52 Wohnungsbrände. „Prüft zu Hause regelmäßig eure elektrischen Leitungen und Geräte. Und schaut öfter mal nach Mutter und Vater“, so sein Rat an die Kameraden zur Jahreshauptversammlung in Spremberg.