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| 17:38 Uhr

Wasserverband
Klärschlamm wird zum Risiko

Spremberg. Spremberger Wasserverband sucht Platz für ein Zwischenlager. Von Annett Igel-Allzeit

Auch für den Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband (SWAZ) wird es schwerer, den Klärschlamm los zu werden, der in seinen zwei Klärwerken in Döbern und Spremberg anfällt. Abwasserverbände und Kommunen bundesweit bereitet das inzwischen Sorgen. Gesetzesänderungen in der Düngemittel- und in der Klärschlammverordnung, die verhindern sollen, dass Schadstoffe ins Wasser, in die Lebensmittel gelangen, verringern die Möglichkeiten der stofflichen Verwertung. Den Schlamm trocknen und auf die Felder bringen, geht nicht mehr. Auch Hersteller von Blumenerde, die solche Schlämme ihren Produkten in kleinen Mengen beimischten, lehnen das inzwischen ab, wie Frank Przychodski, Technischer Werkleiter des Forster Eigenbetriebes Städtische Abwasserbeseitigung, bereits im Sommer erklärt hatte. Also kommen oft nur noch die Betreiber von Verbrennungsanlagen infrage. Finden sich keine Abnehmer mehr oder wird die Entsorgung zu teuer, müssen die Klärwerkbetreiber selbst über Verbrennungsanlagen nachdenken.

Wie Margit Schumbach, Leiterin für Produktion und Technik beim SWAZ in Spremberg, in der Verbandsversammlung am Mittwoch bestätigte, ist die Abnahme sowohl fürs Klärwerk in Döbern als auch fürs Klärwerk in Spremberg erst einmal wieder für zwei Jahre gesichert. Das Recyclingunternehmen Reterra in Bärenbrück will die stoffliche Verwertung einschließlich Abtransport für 2019 und 2020 sichern. „Aber wir halten tatsächlich nach einem Lagerplatz Ausschau“, sagt Margit Schumbach. Nicht für eine Deponie, wie sie der nachfragenden Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier versicherte. „Sondern als Zwischenlager, falls wir den Klärschlamm nicht gleich loswerden.“

Tatsächlich nennt Wirtschaftsprüfer Olaf Donat die Veränderungen der gesetzlichen Regelungen in der  Klärschlammverwertung als eine der Risiken für den SWAZ. Neben der demografischen Entwicklung, dem hohen Durchschnittsalter der Belegschaft, der Verschärfung des Datenschutzes, der gerichtlichen Auseinandersetzung zur Waldsiedlung Groß Schacksdorf. Olaf Donat hatte am Mittwoch die Jahresprüfung für 2017 vorgelegt. Und Chancen sieht er auch: zum Beispiel darin, dass der SWAZ den Industriepark ab 2020 mit Trinkwasser beliefern könnte, Fremdwasser in der Schmutzwasserkanalisation ermitteln und ausbinden kann. Auch die geringe Nitratbelastung in den Grundwasserneubildungsgebieten des SWAZ und dass die Gefahr durch Sulfate im Wasserwerke Spremberg  als gering eingeschätzt wird, sieht er positiv. Und dass der Zweckverband darüber nachdenkt, die mobile Entsorgung aus den Sammelgruben und Kleinkläranlagen wieder in Eigenregie zu übernehmen und sich dafür selbst Fahrzeuge anzuschaffen, statt Verträge mit Dritten abzuschließen, begrüßt der Wirtschaftsprüfer.

Das Anlagenvermögen des SWAZ stieg im Jahr 2017 um 469 000 Euro auf 63,95 Millionen Euro. Investiert hatte der SWAZ im Vorjahr 3,97 Millionen Euro. Für Instandhaltungen wurden 588 000 Euro gebraucht. Während vom Jahr 2016 zu 2017 leichte Umsatzrückgänge im Trinkwasser- wie im Abwasserbereich zu verzeichnen waren, sei fürs Jahr 2018 wieder mit ausgeglichenen Werten zu rechnen – weil sich die Erhöhung der Trinkwassergebühr im Bereich Spremberg um 10 Cent auf 1,58 Euro auswirkt. Auch mit Verlusten im Netz von zehn Prozent stehe der SWAZ im Spremberger Bereich gut da. Das zeige, dass über Jahre gut gearbeitet wurde. Im Bereich Döbern allerdings liegen die Verluste bei bedenklichen 15 Prozent. Die Rückstellungen bleiben kontinuierlich bei 1,1 Millionen Euro.

Das Investitionsprogramm für 2019 haben die Mitglieder der Verbandsversammlung in dieser Woche in einem ersten Entwurf diskutiert. Auch im nächsten Jahr sollen wieder deutlich mehr als drei Millionen Euro investiert werden. Der SWAZ beteiligt sich an Straßenbauvorhaben, verlegt neue Leitungen. Im Bereich Döbern-Land werden weitere Pumpstationen saniert. Dass 50 000 Euro für den Katastrophenschutz eingeplant sind, überraschte Egbert Piosik, den Vorsitzenden des Amtsausschusses Döbern-Land. Aber Margit Schumbach bestätigte den Posten im Investitionsplan 2019: „Wir wollen für den Katastrophenfall mehrere kleine Notstromaggregate nachkaufen. Das Wasserwerk Döbern hat derzeit zum Beispiel gar kein Notstromaggregat. Auch neue Wasserbehälter, falls unsere Wasserwagen mal nicht ausreichen. wollen wir uns anschaffen.“