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Wölfe verändern Fauna im Wald

Viele Jäger vermuten, dass die Rückkehr der Wölfe zugleich zu einem Rückzug der Rehe aus heimischen Wäldern führt.
Viele Jäger vermuten, dass die Rückkehr der Wölfe zugleich zu einem Rückzug der Rehe aus heimischen Wäldern führt. FOTO: dpa
Spremberg. In den Wäldern des Spree-Neiße-Kreises scheint die Zahl der Rehe zu sinken. Indizien dafür finden sich in der jüngsten Statistik zur Jagd. Von RENé Wappler

Fachleute aus der Spremberger Region glauben, dass die Rückkehr der Wölfe zum Verschwinden der Rehe beiträgt - und dass die Raubtiere somit das natürliche Gleichgewicht durcheinanderbringen.

Erst vor einem Monat lag im Süden von Proschim wieder ein totes Reh. Davon berichtet der Jagdvorsitzende des Dorfes, Karl-Heinz Wusk. "Die Spuren deuten darauf hin, dass da erneut ein Wolf am Werk war", sagt er. "Das Reh war regelrecht zerlegt."

Schon im Februar dieses Jahres war Karl-Heinz Wusk in Proschim auf den Kadaver eines ausgeweideten Rehes gestoßen. Eine Blutspur im Schnee, die zu Fell und Knochen führte, daneben die Fährte, nach seinen Worten eindeutig einem Wolf zuzuordnen: "Es gibt bei uns in der Gegend sowieso kaum noch Rehe", sagt er. "Sie ziehen sich aufgrund der Gefahr zurück, und insofern verändert der Wolf die Wildpopulation in unserer Heimat."

Auch die Mitglieder des Umweltausschusses im Spree-Neiße-Kreis berieten in dieser Woche über die Frage, inwiefern die Rückkehr der Wölfe die Tierwelt in der Lausitz verändert. Die Statistik für den Landkreis legt offen, dass die Jäger seit dem Jahr 2010 weit weniger Rehe erlegen als zuvor. So pendelte sich deren Zahl laut Jagdstrecke bis zum Jahr 2010 stets bei 4000 bis 4500 Tieren ein. Im jüngsten Jagdjahr, 2016 und 2017, lag sie nur noch bei 2821 Tieren: ein historischer Tiefstand.

Ganz anders sieht die Bilanz beim Schwarzwild aus: Da meldet die Statistik für die Jagdstrecke im Spree-Neiße-Kreis seit drei Jahren eine deutlich steigende Zahl, die im jüngsten Bericht bei 4656 Tieren liegt. Ein dreijähriges Modellprojekt soll dazu führen, dass sich der Bestand des Schwarzwildes reduziert: Es sieht eine Prämie von 20 Euro für jedes Tier vor, das ein Jäger erlegt hat. So konnte im Jagdjahr 2016/2017 "für 505 Stücken Schwarzwild die Erlegerprämie bewilligt werden", wie es in der Auswertung heißt. Insgesamt beläuft sich die ausgezahlte Summe damit auf 10 100 Euro. Die Prämie dient dazu, die Schäden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zu reduzieren, weitere Schäden an den Hochwasserschutzanlagen der Flüsse zu verhindern und das Bekämpfen von Seuchen zu erleichtern.

An Wildschweine wagen sich die Wölfe nicht heran, an Rehe eben umso mehr, wie der Proschimer Jagdvorsitzende Karl-Heinz Wusk zu bedenken gibt. Ihm pflichtet der Jäger Friedhelm Gröger aus Spremberg bei: "Der Wolf sorgt in unseren Wäldern für Unruhe", sagt er - und er erinnert sich an die Abschussprämie aus DDR-Zeiten. "Damals gab es Geld, wenn ein Jäger einen wildernden Hund zur Strecke brachte, um die vier Mark pro Tier. Wir hatten eine richtige Liste und wurden danach entlohnt." Aus gutem Grund habe diese Regel bestanden, erläutert Friedhelm Gröger. Denn schon ein wildernder Hund verschrecke andere Tiere im Wald, was umso mehr für die zurückgekehrten Wölfe gelte. "Heutzutage heißt es aber regelrecht, Wolf und Reh sollen Schulter an Schulter durch den Wald ziehen: Da kann man sich doch wirklich nur noch wundern."

Zum Thema:
Vor allem im Süden des Landes Brandenburg sinkt der Bestand an Schalenwild stark: Darauf hat im Januar die Landtagsabgeordnete Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) hingewiesen. Sie berief sich auf eine Fachtagung der jagdlichen Hegegemeinschaften. Demnach ist Muffelwild "weitflächig völlig verschwunden". Die Zahl von Rehwild, Damwild und Raubwild schrumpfe stark. Im Landtag sagte Iris Schülzke, die selbst Erfahrung als Jägerin vorweist, mit Bezug auf die Wölfe: "Prädatoren ist es eigen, immer wieder zu töten, das ist ihr natürliches Verhalten."