ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:47 Uhr

Wochatz bleibt mit Abstand Symphatieträger Nummer eins

Spremberg. Die CDU hatte allen Grund zum Jubel im ehemaligen Pub im City Center Spremberg, das sie (auch als deutliches Bekenntnis zum CCS) für ihre Wahlparty angemietet hatte. Aber sie blieb auch dann verhalten und geriet nicht außer Rand und Band, als die Stimmenauszählungen aus den 26 Spremberger Wahllokalen einen deutlichen Vorsprung der von Egon Wochatz angeführten Christdemokraten verzeichneten. Von Thoralf Schirmer und Renate Vater

In immerhin 24 Wahllokalen und bei der Briefwahl lag die CDU vorn. In 17 Wahllokalen folgte ihr die PDS auf Platz zwei vor der SPD, und in einigen Wahllokalen (vor allem im ländlichen Bereich) mussten sich die Sozialdemokraten sogar mit Platz vier bescheiden, weil die Vereinte Sozialgemeinschaft hier stärker war und (wie in Türkendorf mit 33,5 Prozent) sogar noch weit vor der PDS rangierte.
Auf Stadtebene zeichnete sich ebenfalls früh ein deutlicher Stimmenzuwachs für die CDU im Vergleich zur Kommunalwahl 1998 ab. Auch hier stand immerhin der ehemalige Spremberger Bürgermeister Egon Wochatz an der Spitze der Liste. Auf die Frage, wie viel Anteil er selbst an diesem deutlichen Trend für die CDU habe, winkte er ab und betonte, dass dies ausdrücklich der Erfolg einer Mannschaft sei, nicht sein eigener. Der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Hartmut Höhna räumt immerhin ein: "Es ist sicher so, dass Egon Wochatz der Sympathieträger ist. Er war schließlich von Anfang an Bürgermeister in Spremberg, und diese Stadt trägt seine
Handschrift." Erleichterung machte sich breit, als Frank-Michael Schober das Wahlergebnis vom Wahllokal Realschule Schomberg verlas. Hier, wo die SPD sonst deutlich mehr Anhänger als die CDU hatte, lagen die Christdemokraten mit 30,9 Prozent vorn, gefolgt von der PDS mit 20,9 Prozent und der SPD mit 18,6 Prozent. "Wenn das einen Trend darstellt", wagte Schober schon mal eine Prophezeiung, "dann könnte es sein, dass die CDU knapp an der absoluten Mehrheit vorbeischrammt."

Gedrückte Stimmung in der Wahlabendrunde der Spremberger SPD in der Gaststätte "Zum Burglehn". Auf einem kleinen Monitor werden die Wahlergebnisse zu den Kreistagen in Brandenburg von Wahlkandidaten und vom SPD-Landtagsabgeordneten Ulrich Freese verfolgt. Die Zahlen, die peu á peu eintrudeln, sind für die Spremberger Sozialdemokraten kein Grund zum Feiern. Für den Kreistag gaben 45,2 Prozent der Wähler aus Spremberg ihre Stimme der CDU, 19,8 der PDS, 17 Prozent der SPD. Für die Stadtverordnetenversammlung deuteten sich zu später Stunde ähnliche Stimmenverluste für die SPD an.


Andreas Lemke, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und seit 1990 Kommunalpolitiker, sieht drei Gründe für diese deutliche Einbuße: Die Verdrossenheit über die Politik in Bund und auch auf Landesebene und die Tatsache, dass Altbürgermeister Egon Wochatz für die CDU angetreten und viele Stimmen geholt hat. "Hätte Wochatz nicht kandidiert, dann sähe das Ergebnis anders aus," ist sich Andreas Lemke sicher. Man habe im Ortsvorstand schon in den Wahlkampfwochen erkannt, dass es 2003
schwierig wird, doch das Resultat liegt noch unter den Erwartungen.

"Was mich besonders ärgert, ist die geringe Wahlbeteiligung ", zieht Lemke ein erstes Resümee. Und Ulrich Fresse nimmt den Gedanken auf: "Wir haben nach meiner Meinung die meisten Stimmen an die Nichtwähler verloren. Wo die Wahlbeteiligung besonders gering war, hat die SPD auch außerordentlich schlecht abgeschnitten."
Zu einer gründlichen Analyse des Wahlverlustes wird sich der Vorstand des SPD-Ortsvereines am Dienstagabend treffen. Da bleibt man dann gewiss nicht nur bei der Politik in Bund und Land. Dort wird dann auch darüber zu beraten sein, an welcher Stelle eigene Fehler gemacht wurden und wie man gegensteuert. Ein Ansatzpunkt, das kann man schon heute sagen, wird sein, dass wir die Mitgliederwerbung aktivieren, ließ der Ortsvereinschef schon mal vorausblicken.


Im Schweizergarten sind am Tisch, wo die Spremberger PDS auf das Wahlergebnis wartet, gegen 23 Uhr schon viele Plätze frei. Das gute Kreistagsresultat lässt dennoch bei Birgit Wöllert und Peter Teschner keinen Jubel aufkommen. Auch die Tatsache, dass in der Stadt die Stammwählerschaft der PDS treugeblieben ist, führt nicht zur Euphorie. Die niedrige Wahlbeteiligung drückt hier die Stimmung. "Ich kann nicht verstehen, warum sich so viele Menschen die Chance vergaben, mit darüber zu entscheiden, wer hier in der Stadt Politik gestalten soll," beklagt Birgit Wöllert, die Fraktionsvorsitzende der PDS. Peter Teschner hat während der Unterschriftenaktion gegen Sozialabbau zig Wähler angesprochen. Die Meinungen reichten von "Endlich macht mal jemand was" bis "Mal sehen, ob es überhaupt Zweck hat". Die Menschen haben bemerkt, dass die Kommunalpolitiker nichts bewegen können, wenn kein Geld von Bund und Land zur Verfügung steht. Diese Haltung schlägt durch. Einige gehen deshalb gar nicht erst zur Wahl. Andere setzen ihre Hoffnung und ihre Kreuze bei Bürgerwählergruppen und Listenvereinigungen, ist sich Peter Teschner sicher.


Auch die Rechnung der Wählergruppe Spremberg-Land, einst aus den neu hinzugekommenen Ortsteilen gebildet, scheint aufgegangen zu sein. In den Ortsteilen Graustein, Groß Luja, Lieskau und Türkendorf bekamen ihre Kandidaten (meist die ehemaligen Bürgermeister dieser Orte) mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen, und so dürfte die Wählergruppe auch im neuen Spremberger Parlament wieder vertreten sein.