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Wo Landkärtchen über Froschlöffel fliegen

Spremberg. Die Slamener Kuthen am Wasserwerk gehören zum 303,64 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet Slamener Heide. Haben sie eine Chance, Naturschutzgebiet zu werden? Besonders im Blick hat die Kuthen – die in der sorbisch-wendischen Sprache eine sandige, sumpfige Tümpellandschaft meinen – der Spremberger Regionalverband des Naturschutzbundes. Annett Igel-Allzeit

Er hat dort seine Naturschutzstation, einen Naturlehrpfad mit kleinen Gewässern. Das gereinigte Spülwasser des Wasserwerks fließt im Mäandergraben und versickert. Der Umweltfachberater Andreas Bergmann aus Forst hat jetzt für den Verein die Tier- und Pflanzenarten zusammengetragen. Das Ergebnis: Die Kuthen machen ihrem Namen wieder alle Ehre. Der Urwald, Kleingewässer, Teiche und die Hangquellen, so Andreas Bergmann, halten das Gelände so feucht, dass sich die Sumpfdotterblume wohlfühlt. Über 30 Gehölze und Straucharten hat er gefunden und fünf Farnarten. "Das ist von Bedeutung, weil die Farne zu den ältesten Pflanzen gehören." Der Königsfarn, der Echte Wurmfarn und der Adlerfarn wachsen. Auch die beiden seltenen Arten Rippenfarn und Eichenlappenfarn konnte Bergmann entdecken. Zudem hat er viele Falter fotografiert: den Admiral auf der Kohldistel, den Zitronenfalter auf der Sumpfkratzdistel, den Brombeerzipfelfalter auf dem Jakobs-Greiskraut und den Kleinen Fuchs auf der Kuckucksnelke. Auch der Gescheckte Queckenfalter, Bläulinge, Aurorafalter, der Wegerich-Scheckenfalter und der Würfeldickkopffalter, dessen Flecken quadratisch sind, fehlen nicht. Bei den Landkärtchen-Faltern fasziniert Bergmann, dass die zweite und dritte Generation in anderen Farben erscheint. Schließlich ließ sich auch noch der Baumweißling, ein sehr selten gewordener Falter, finden. Den seltenen Teichfrosch hat er entdeckt und den Grasfrosch. An den Feuchtbiotopen wächst das breitblättrige und schmalblättrige Schilf mit seinen Rohrkolben. Die Sumpfschwertlilie mag die vernässten Bereiche. Aber auch der Ruten-Blutweiderich streckt seine Blüten bis zu einem Meter in die Höhe. Der Froschlöffel ist da und der Uferampfer.

Manche Pflanzen in den Kuthen sind giftig: das Maiglöckchen mit seinen Beeren und der Bittersüße Nachtschatten. Zu den Orchideen, die in den Kuthen vorkommen, gehören der Rotbraune Stendelwurz und das große Zweiblatt mit seinen unscheinbaren Blüten. "Leider lieben die Wildschweine Orchideenwurzeln", weiß Andreas Bergmann. Nach Untersuchungen der Kuthen durch schlesische Botaniker im 19.Jahrhundert und Dr. Gunther Klemm im 20. Jahrhundert ist bekannt, dass es 70 Orchideenarten im Landkreis gegeben hat. "14 Arten sind davon heute noch nachgewiesen", so Bergmann. Im letzten Bild in seinem Vortrag vor den Naturfreunden zeigt Bergmann eine Sumpfspitzmaus. "Allerdings war sie schon tot, als ich sie fand", so Bergmann. Sie gilt in Deutschland als stark gefährdet. Bergmann: "So lange die Hangwässer fließen, wird die Natur hier funktionieren."