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Wo Kunden lange beobachten

Unter den 300 Handwerksbetrieben, die sich zur Cottbuser Handwerkermesse präsentierten, kamen viele aus der Spremberger Region. Während sie mit der neuen Öffnungszeit bereits ab 9 Uhr kein Problem haben, wünschen sie sich künftig einen Messetermin außerhalb der Winterferien.
Unter den 300 Handwerksbetrieben, die sich zur Cottbuser Handwerkermesse präsentierten, kamen viele aus der Spremberger Region. Während sie mit der neuen Öffnungszeit bereits ab 9 Uhr kein Problem haben, wünschen sie sich künftig einen Messetermin außerhalb der Winterferien. FOTO: Michael Helbig
Spremberg. Die Cottbuser Handwerkermesse hallt in der Region nach. Unter den 10 000 Besuchern waren am 28. und 29. Januar etliche Einwohner aus dem Spree-Neiße-Kreis, und viele Handwerker der Spremberger Region sichern sich jedes Jahr ihren Stand. Annett Igel-Allzeit

"2016 sind wir mit dem silbernen Specht ausgezeichnet worden - weil wir zum zehnten Mal dabei waren", erinnert sich Simone Marko. Viele Messebesucher nahmen Faltblätter vom Offenbauer Steffen Marko aus Jämlitz-Klein Düben und vom Roten Hahn, der Markengemeinschaft der Ofenbauer, mit. Aber dass sich an der Nachfrage am Stand die Auftragslage für den Rest des Jahres ablesen lässt, funktioniere längst nicht mehr. "Wir haben Kunden, die uns gestanden haben, dass sie vor dem Auftrag vier Jahre auf der Handwerkermesse verfolgt hätten, wie wir uns so präsentieren." Auch deshalb geben sich Markos Mühe mit der Gestaltung, nehmen Kissen und andere Wohnaccessoires mit, damit es am Stand gemütlich wird. Früher fuhren sie auch zu anderen Messen, nach Dresden zum Beispiel. Aber das sei dank der Markengemeinschaft Roter Hahn nicht mehr nötig. "Offenbauer der Gemeinschaft im Dresdener Raum verweisen an uns, wenn der Kunde es näher zu uns hat. Zugleich gibt es inzwischen Schulungen, die Neues besser vermitteln als Fachmessen", so Simone Marko.

Auch Schmiedemeister Erhard Merkel aus Friedrichshain genügt mit seinem Auftragsgebiet zwischen Spreewald, Zittauer Gebirge und Chemnitz die Handwerkermesse. "Ich fahre ja im Jahr noch zu zehn Terminen im Schauschmieden", erklärt er. Auch zu Ausbildungsmessen muss er nicht. "Ich habe im Jahr vier Praktikanten. Die sind stolz, mal ans Feuer zu dürfen. Wenn nach zwei Tagen der Muskelkater und die Blasen kommen, gebe ich ihnen eine Rechenaufgabe. So sehe ich, wer mit der Dichte von Eisen rechnen kann und als Schmied taugt."

Die Damenmaßschneiderin Sabine Mildner aus Spremberg folgte dem Ruf der Cottbuser Schneider-Inning zur Handwerksmesse. Zum siebten Mal, so schätzt sie, sei sie dabei. "Da wir immer sechs, sieben Leute am Stand sind, konnte ich auch mal selbst über die Messe spazieren. Schön ist, sich mit den Kollegen austauschen zu können. Wir haben ja alle viel zu tun, da sehen wir uns selten", so Sabine Mildner.

Intensiv wie nie zuvor konnte Corina Reifenstein die Handwerkermesse erkunden, denn die Spremberger Geschäftsführerin der Terpe Bau GmbH ist Vizepräsidentin der Handwerkskammer Cottbus. Und die Rundgänge hat sie genossen, weil sie viel mehr mit anderen Firmen ins Gespräch kam. "Mit Terpe Bau haben wir uns diesmal dem großen Stand der Bau-Innung angeschlossen. Aufträge abzuschließen, ist nicht das erste Ziel, sondern wir wollen auf der Handwerkermesse präsent sein, freuen uns, wenn wir Subunternehmen dort treffen." Und die Lehrlinge bieten stets eine kleine Show, ziehen eine Mauer hoch, arbeiten an einem Dachstuhl.

Dass Andreas Knopf, Geschäftsführer des Welzower Unternehmens Natur- und Werkstein auf der Handwerkermesse schon mal den Preis für eine Fensterbank schätzt oder sich mit einem potenziellen Kunden in eine Bauzeichnung vertieft, kommt durchaus vor. Seit Jahren nutzt Knopf die Handwerkermesse, um zu zeigen, mit welchen Materialien er arbeitet, wie aus den Steinen Treppen oder Tresen entstehen. Mit dem Organisationsteam um Yvonne Zenke, Projektleiterin in der Congress, Messe & Touristik GmbH, sei er zufrieden. Nur eins ärgert ihn: "Wenn die Messe in den brandenburgischen Winterferien stattfindet, wie in diesem Jahr, nimmt ihr das wichtige Besucher."

Simone Marko nickt: "Gerade unter den Eltern, die mit ihren Kindern in den Skiurlaub fahren, sind doch viele, die ein Eigenheim bauen oder modernisieren lassen." Corina Reifenstein weiß, dass es viele Aussteller bewegt. "Klar, das Problem nehmen ich mit. Wir müssen einfach mal die Besucherzahlen aus den Vorjahren vergleichen."