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| 17:24 Uhr

Spremberg
Wo Kohlendioxid wach macht

Das mobile Schülerlabor der BTU Cottbus-Senftenberg macht mit dem Biotechnologen Toni Luge (l.) Station am Erwin-Strittmatter-Gymnasium.
Das mobile Schülerlabor der BTU Cottbus-Senftenberg macht mit dem Biotechnologen Toni Luge (l.) Station am Erwin-Strittmatter-Gymnasium. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Die BTU besucht mit ihrem mobilen Labor das Spremberger Gymnasium.

Das Chemiekabinett im Erwin-Strittmatter-Gymnasium ist modern ausgestattet – experimentierfreudige Arbeitsplätze, die große Dunstabzugshaube neben dem Lehrertisch, die digitale weiße Tafel. Aber die Experimentiersätze, die Toni Luge, Mitarbeiter der BTU Cottbus-Senftenberg, und der studentische Tutor Nick Förster auf die Schulbänke stellen, können sich die wenigsten Schulen leisten. Zum zweiten Mal hat sich Chemielehrer Gero Döbberthin das mobile Schülerlabor der BTU nach Spremberg geholt. „An so einem Vormittag gleich mehrere Aufgaben mit einem Versuchsaufbau zu lösen, ist im Unterricht kaum möglich. Da reicht die Zeit oft nur für ein Experiment, einen Nachweis“, so der Lehrer.

Etwas müde wirken die Elftklässler, als sie an diesem  frühen Morgen in den Chemieraum kommen. Dass das nicht nur an einem anstrengenden Wochenende, sondern auch an zu viel Kohlendioxid im Raum liegen könnte, erzählen sie. Und das gefällt Toni Luge. Mit einer Mischung aus Wiederholung zu Aggregatzuständen und Einblick in den bunten Stundenplan eines Chemiestudenten bringt er die Jugendlichen schnell zu ihrer aktuellen Aufgabe. Sie werden mit Brausepulvertabletten und Wasser Kohlendioxid erzeugen, es mit Bariumhydroxid und Methylrot nachweisen und mit „Spüli“ überschäumen, sobald Toni Luge und Nick Förster ihnen eine  Runde Trockeneis spendieren.

Der Biotechnologe Luge, der mit seinen Kollegen und Studenten im Jahr etwa 40 Schulen mit dem mobilen Schülerlabor besucht, nimmt es nicht persönlich, dass sich unter den Elftklässlern noch niemand als angehender Chemiker meldet. In die Naturwissenschaften, in die Medizin aber wollen einige – „und da werdet ihr in einem oder zwei Semestern ums Labor nicht herumkommen“, sagt Toni Luge.

Das mobile Schülerlabor „Science on Tour“ gehört zum „Zentrum für Studierendengewinnung und Studienvorbereitung“, das in der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg kurz College genannt wird. Der Stifterverband für Deutsche Wissenschaft hatte das mobile Schülerlabor im Mai 2014 mit der Hochschulperle des Monats ausgezeichnet, und 2015 gewann es sogar die Hochschulperle des Jahres 2014. Es soll Schülern und jungen Leuten, die bereits in der beruflichen Qualifizierung stecken, handlungsorientiert und praxisnah Wissenschaft und Technik schmackhaft machen. Leiter des mobilen Schülerlabors ist Sebastian Hänsel am Uni-Standort in Senftenberg. „Wollen die Schulen mit ihren Schülern in ein Labor, können sie zu uns kommen. Auch im Hygienemuseum in Dresden gibt es so eine Möglichkeit. Aber dafür geht dann in der Regel ein ganzer Exkursions-Tag drauf. Also haben wir uns überlegt, in die Schulen zu gehen“, erklärt Luge die Idee, während er neben Kästen mit Spritzen, Luer-Lock-Schraubverschlüssen, Dreiwegehähnen, Tubes, Glasstäbchen und Trockeisschaufeln auch einen kleinen Abfallbehälter und eine Küchenpapierrolle stellt. Kaum haben die Schüler ihre Kittel zugeknöpft und die Schutzbrillen zurechtgeschoben, stecken sie große und kleine Spritzen an den Verteiler und üben, was beim Zudrehen der Hähne passiert und wie sie die Apparatur richtig senkrecht nach oben halten. Aus der Spritze mit dem Wasser-Brausepulver-Gemisch entweicht das CO2 in zwei 60-Milliliter-Spritzen. Die ersten Zahlen sind aufzuschreiben, die erste Ausbeuten zu errechnen.

Nick Förster, der Biotechnologiestudent an Luges Seite, ist zufrieden. „Einmal falsch an der Spritze gezogen, schon landet das Brausepulver-Wassergemisch auf der Bank – das hatten wir schon in Klassen. Hier heute aber klappt alles prima.“ Auch Anna Löffler, Lehramtsstudentin im Praxissemester aus Eichwege, beobachtet gespannt die Schüler. „Ich war selbst mal hier Schülerin“, gesteht sie. Sie will Biologie und Chemie unterrichten. Was technisch an Schulen heute geht, fasziniert sie. „Die neuen Tafeln bieten viele Möglichkeiten – nur kommt das im Lehramtsstudium noch zu kurz – je nach Ambition des Hochschullehrers und meist nur in der Didaktik.“

Angelo und Nikolas lassen es kräftig schäumen. Paul und Emelin trocknen Messbecher. Aileen zeichnet die Protokoll-Skizze. Sie will Lehrerin für Chemie und Physik werden. Tim, der lieber präzise Tropfen zählt als skizziert, schaut nach einem Informatik-Studium. Nebenbei hat Toni Luge von den Fachrichtungen der BTU erzählt, und dass sie mit einem Orientierungsjahr starten könnten, wenn ihnen die Entscheidung schwer fällt. Lange klopfen Döbberthins Schüler ihren Dank auf die Bänke. Welches Fach sie nach dem experimentellen Vormittag haben? Sie lachen. Chemie.