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| 17:39 Uhr

Neuhausen/Spree
Wo Fischadler und Ortolan brüten

Der Solarpark in Kahsel wurde im Herbst auf einem Feld hinter der Bauernstube aufgebaut. Wie in Laubsdorf wird hier ein Fischadlerhorst auf einem Freileitungsmast beobachtet. Nehmen die Vögel nach der Rückkehr aus dem Winterquartier den Horst wieder an?
Der Solarpark in Kahsel wurde im Herbst auf einem Feld hinter der Bauernstube aufgebaut. Wie in Laubsdorf wird hier ein Fischadlerhorst auf einem Freileitungsmast beobachtet. Nehmen die Vögel nach der Rückkehr aus dem Winterquartier den Horst wieder an? FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Neuhausen/Spree. Mit den Solaranlagen in Neuhausen/Spree punktet Spree-Neiße in Potsdam.

Bis zum Jahr 2030 will das Land Brandenburg im Rahmen seiner Energiestrategie 3500 Megawatt Photovoltaik-Leistung in der Fläche installieren. Im Vergleich: Das Kraftwerk Schwarze Pumpe kann 1600 Megawatt bieten. Die Gemeinde, mit der der Spree-Neiße-Kreis in Sachen Photovoltaik in Potsdam punktet, ist Neuhausen/Spree. Es gab in den Vorjahren kaum eine  Gemeindevertretersitzung, in der nicht zu Solaranlagen informiert oder beschlossen wurde. Wie Olaf Lalk, Bau- und Umweltdezernent im Spree-Neiße-Kreis, in der jüngsten Naturschutztagung in Drachhausen informierte, liege die Gesamtfläche aktiver Photovoltaik-Anlagen inzwischen bei 47,8 Hektar – und die seien vor allem auf Ackerflächen mit geringer Bodenwertzahl in Neuhausen/Spree zu finden. Weitere Anlagen werden geplant.

„Die Verträge“, so Olaf Lalk, „werden mit den ortsansässigen Landwirten geschlossen. Ein langfristiges Monitoring zur Bestandsentwicklung wird jeweils zugesichert. Und erste Beobachtungen zeigen uns, dass die Photovoltaik-Anlagen Rückzugsgebiete für Insekten, Schmetterlinge und Bodenbrüter sind.“ Die Flächen unter den Solarmodulen entwickelten sich zu extensiven Grünlandflächen mit einheimischen Wildblumen – wenn sich die Mahd auf zwei Termine im Jahr beschränkt. „Solche autoch­thonen Blühwiesen wirken dem generellen Verlust von Ackerwildkräutern entgegen“, so Lalk. Und der Ausgleich für den erforderlichen Eingriff in die Natur und  Landschaft könne in Neuhausen/Spree vor Ort stattfinden.

Allein mit den Anlagen in Frauendorf, Kahsel, Gablenz und Sergen kommt der Landkreis Spree-Neiße auf 25,75 Megawatt Leistung. Während die Solarflächen in Kahsel (6,4 Hektar) und Sergen (24,2 Hektar) im Herbst aufgebaut wurden, stecken eine Anlage auf 1,3 Hektar, das entspricht knapp zwei Fußballfeldern, im Ortsteil Koppatz sowie eine Anlage auf 55 Hektar in Laubsdorf an der Grenze zum Ortsteil Neuhausen noch in der Planungsphase.

Zur Laubsdorfer Anlage, die unter dem Namen „Solarparkanlage Flugplatz Neuhausen, 3. Bauabschnitt“ läuft, haben die Gemeindevertreter im Dezember die Billigung und Auslegung des Bebauungsplanes beschlossen. Auch der Ortsbeirat habe zugestimmt, sagt Bürgermeister Dieter Perko.

Im Jahr 2009 war das Vorhaben in Laubsdorf angeschoben worden. Aus der Zeit stammt der Aufstellungsbeschluss. Das Projekt ist Teil des Energie- und Netz­anschlusskonzeptes zum Ausbau der Solarenergie der Großgemeinde Neuhausen/Spree. Das Laubsdorfer Solargebiet soll die große Photovoltaik-Flächen am Flugplatz Neuhausen nun erweitern.

Beim Einbeziehen der Bürger und im Prozedere der Vorhabenplanung und -bewilligung hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Cottbuser Planungsbüro Wolff eine Menge Erfahrungen gesammelt. Und Bürgermeister Dieter Perko kennt dank der stets nötigen Umweltgutachten immer mehr Vögel, die in seiner Großgemeinde brüten und jagen.

Wie für den Kahseler Solarpark muss auch für Laubsdorf auf ein Fischadlerpaar geachtet werden. Der Horst liegt im Geltungsbereich, aber aus der Bebauungsfläche wurde er nun mit einem Schutzradius von 100 Metern herausgenommen. Mindestens seit 2007 nutzen die Fischadler laut Umweltgutachter die Nisthilfe an einem Freileitungsmast. Nachdem das Brüten 2015 und 2016 erfolglos blieb, wurden im Jahr 2017 wieder drei Jungtiere aufgezogen.

Als Nahrungsgebiet ist die Planungsfläche uninteressant, denn der Fischadler greift sich tatsächlich überwiegend Fische. Allerdings weiß noch keiner genau, ob eine Solaranlage einschließlich Aufbau und Wartung das Brüten und die Aufzucht stört. Im Umkreis von 300 Metern rund um den Horst darf während der Brutzeit nicht gebaut werden. Selbst Pflegearbeiten wie die Mahd, Pflanzaktionen und die Wartung der Solaranlage sind zu vermeiden. Und das soll nicht erst ab März gelten. Sondern diese Greifvögel wurden in der hiesigen Region auch schon ab Januar an ihren Brutplätzen gesichtet. Weil die Biologen noch wenig über die Wechselwirkung zwischen den Fischadlern und einer Solaranlage am Brutplatz wissen, regen sie neben den Schutzabstand ein mehrjähriges Fischadler-Monitoring für den Laubsdorfer Solarpark an.

Aber auch die Feldlerche, die direkt im Vorhabengebiet brütet, wird besonders beobachtet. Unter insgesamt 49 nachgewiesenen Vogelarten wurden auch Baumpieper, Heidelerchen, Mäusebussarde sowie Stare als Brüter im Randbereich entdeckt. „Und der Ortulan, ein Vogel, den ich bis dahin noch nicht kannte“, sagt Dieter Perko. Der Ortolan ist im Gegensatz zur verwandten Goldammer unauffälliger gefärbt, bietet aber im Gesang eine hübsche Vielfalt. Es soll sogar Ortolane mit Lausitzer Dialekt geben.

Bis zum 2. Februar liegt der Bebauungsplan zur Laubsdorfer „Solarparkanlage Flugplatz Neuhausen, 3. BA“ in der Gemeindeverwaltung aus und kann von den Bürgern eingesehen werden. Bereits zum Vorentwurf vom September 2017 waren die Träger öffentlicher Belange beteiligt worden. Ihre Hinweise seien in die neue Fassung vom November eingeflossen.   Im Endausbau könnte die Anlage in Laubsdorf bis zu 40 Megawatt Gesamtleistung liefern. Beschlossen haben die Gemeindevertreter außerdem den Aufstellungsbeschluss zu einem Bebauungsplan für eine Solarfreiflächenanlage auf dem Betriebsgelände der  Agrarproduktion Kahsel. Damit will der Vorhabenträger eine frühere Deponie- und Lagerfläche sanieren.