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| 14:39 Uhr

Kabarett
Witz, Weisheit und viel Gesang

Die Kabarettisten der Herkuleskeule Birgit Schaller, Jürgen Stegmann und Hannes Sell präsentieren in ihrem Programm „Freibier wird teuer“ auch ..zahlreiche Songs wie „Souvenirs, Souvenirs“, in denen sowohl Gesellschaftskritik als auch Politsatire zum Ausdruck kommt.
Die Kabarettisten der Herkuleskeule Birgit Schaller, Jürgen Stegmann und Hannes Sell präsentieren in ihrem Programm „Freibier wird teuer“ auch ..zahlreiche Songs wie „Souvenirs, Souvenirs“, in denen sowohl Gesellschaftskritik als auch Politsatire zum Ausdruck kommt. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Herkules-Programm im Spremberger Bergschlösschen begeistert und regt zum Nachdenken an. Von Anja Guhlan

„Von herzlich über heiter bis nachdenklich“, so lautet das Fazit, wenn es um das Kabarett-Programm „Freibier wird teurer“ von der Dresdener Herkuleskeule geht. Mit dem Programm gastierte die Herkuleskeule erneut im Spremberger Bergschlösschen vor rund 220 Besuchern. Und mal wieder hat die Herkuleskeule verbal kräftig ausgeteilt wie einst in der antiken Mythologie Herkules physisch mit seiner Keule. Auch die mittlerweile 50. Produktion „Freibier wird teurer“ des Herkules-Urgesteins Wolfgang Schaller vereint einfach alles, was das kulturelle Herz begehrt und sucht als Kabarett-Programm ihresgleichen.

Schon der ungewöhnlich ernste Einstieg mit dem Gedicht „Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag“ von Erich Kästner und dessen Kernfrage, ob Jesus umsonst gestorben sei oder in anderen Worten, ob die Menschheit jemals etwas dazu lerne, passt zur heutigen Gesellschaft und Zeit. „Jesus war ja auch ein Abgehängter“ lautet der nahezu erste Wortwitz des Abends und die Lacher im Publikum folgen zur Aufwärmung.

Ob mit oder ohne Bierflasche, aufgespanntem Regenschirm für alle Fälle oder Zeitung in der Hand, streiten, parodieren die Vollblutkabarettistin Birgit Schaller, Hannes Sell und Jürgen Stegmann auf der Bühne, die sich zur Kneipe verwandelt hat und holen im Anschluss zum Rundumschlag aus gegen alles, was in der Politik und in der Gesellschaft gerade falsch läuft. Natürlich bekommt das Merkel-Kabinett sein Fett weg, aber auch Handysüchtige Jugendliche, fanatische Vegetarier und selbst das eigene Publikum. Die Zuschauer amüsieren sich köstlich über die Spitzen. Aber auch die Frage, warum Merkel immer Blazer trägt, wird satirisch beantwortet.

Die absoluten Höhepunkte des Programms bilden jedoch die vielen Songs, die von den beiden Musikern Jens Wagner am Piano und Volker Fiebig am Schlagwerk instrumental begleitet werden. Mit Songs wie „Felicita“, „Souvenirs, Souvenirs“ oder „You are so beautiful“ (ins Deutsche übersetzt: „Du bist so wunderschön“), die allesamt sehr klug um getextet wurden, begeistern das Publikum und regen auch zum Nachdenken an.

„Uns allen im Publikum wird, wenn auch unterhaltsam und witzig, wahrhaftig ein Spiegel vorgehalten“, kommentiert Michael Massnick als Besucher. Der 36-Jährige besucht zum ersten Mal ein politisches Kabarett mit seiner Frau Kathleen (39). Ihnen gefällt das Programm und sie wollen sich in Zukunft gerne noch mehr Kabarett-Programme anschauen. Die Zuschauerin Ingrid Flicker aus Spremberg verfolgt bereits seit zehn Jahren die Programme der Herkuleskeule. „Dieses Programm gefällt mir besonders gut“, urteilt die Sprembergerin. Es ist mal wieder der Mix aus Politischem, Gesellschaftskritischem und aktuellen Themen wie der Digitalisierung, der sie so begeistert.

Der inzwischen 78-jährige Autor des Programms Wolfgang Schaller scheut weder klare Stellungnahmen noch intelligente Blödelei. Schaller will nach eigenem Bekunden gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten den Zuschauern Mut zur Zivilcourage machen, sich zu Wort zu melden und sich nicht alles gefallen zu lassen. Für Besucherin Roswitha Köberl ist politisches Kabarett deshalb sehr wichtig. „Ich habe früher selbst politisches Kabarett ausgeübt. Ich finde es in einer Gesellschaft wie der heutigen für sehr relevant. Es wird auch nachgefragt. Man sieht der Saal ist auch voll.“

Hausherrin Birgit Kamenz ist wieder voller Begeisterung: „Die schauspielerische und gesangliche Leistung der Kabarettisten beeindruckt mich wieder“, meint sie. Sie versichert zum Schluss, dass die Herkuleskeule auch im nächsten Jahr im Mehrgenerationszentrum gastieren darf. „Solange die Programme so gut nachgefragt werden, solange wird die Tradition um das Kabarett-Gastspiel in Spremberg im Dezember auch aufrecht erhalten“, so Kamenz.