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| 16:43 Uhr

Fachgespräch in Schwarze Pumpe
Den Schienen gehört die Zukunft

Jens Krause (links) und Horst Böschow glauben, dass der Güterverkehr der Zukunft vornehmlich den Schienenweg nutzen wird.
Jens Krause (links) und Horst Böschow glauben, dass der Güterverkehr der Zukunft vornehmlich den Schienenweg nutzen wird. FOTO: Wappler / LR
Spremberg. Unternehmer sprechen in Spremberg über neue Wege für den Güterverkehr. Von René Wappler

Lastwagen verstopfen die Straßen. Anwohner ärgern sich über den Lärm. Trotzdem nimmt der Güterverkehr weiter zu, und zwar in rasantem Maße. Daran haben auch Konsumenten einen Anteil, die ihre Waren mit Vorliebe im Internet bestellen. Zur Entspannung des Konflikts könnte der Transport auf Schienen statt Straßen über lange Strecken beitragen. Darüber haben in dieser Woche 70 Unternehmer im Industriepark Schwarze Pumpe beraten.

Bis zum Jahr 2030 erwartet der Güterverkehr ein Wachstum um 40 Prozent. So sagt es Jens Krause, der als Leiter dieses Geschäftsbereichs bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus arbeitet. Er zählt zu den Organisatoren des Gesprächs der Unternehmer in Schwarze Pumpe. „Die Schiene kann als Ersatz für die Straße dienen“, sagt er. „Dazu brauchen wir nur eine vernünftige Infrastruktur.“

Jens Krause glaubt, dass sich in den nächsten Jahrzehnten der Verkehrsstrom in ganz Europa verändern wird. Als ein Beispiel nennt er die Niederschlesische Eisenbahn-Magistrale. Sie soll am 18. Dezember dieses Jahres offiziell eingeweiht werden. „Hier wird eine der wichtigsten Strecken zwischen dem Westen und dem Osten Europas fertig“, erklärt der IHK-Fachmann.

Nach Angaben der Deutschen Bahn erhält die Strecke von Knappenrode über Horka bis zur deutsch-polnischen Grenze nach 70 Jahren wieder ein zweites Gleis. Außerdem wird sie elektrifiziert. Für solche Bauprojekte interessieren sich die Unternehmer in der Lausitz. Denn der Güterverkehr auf den Schienen könnte nicht nur die Einwohner kleiner und großer Orte entlasten, sondern auch die Lieferzeit von Waren beschleunigen.

So sagt Horst Böschow vom Unternehmerverband Brandenburg-Berlin: „Es muss uns gelingen, dass der steigende Verkehrsbedarf allgemeine Akzeptanz erfährt.“ Schließlich gilt Brandenburg nach seinen Worten als Transitland mit einer „geografisch vorzüglichen Lage“. Die Region verbinde den Westen mit Osteuropa, darüber hinaus auch mit Asien.

Damit gehen jedoch auch folgenschwere Konsequenzen einher. Denn aufgrund der steigenden Zahl von Lastwagen auf den Straßen nimmt die Zahl der Unfälle zu. Bereits im Jahr 2017 sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke: „Allein 400 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Lastkraftwagen mehr im Vergleich zum Vorjahr zeigen uns, dass wir dort einen Schwerpunkt setzen müssen.“ Laut Statistik verursachten zwei Drittel der Lastwagenfahrer die Unfälle selbst.

Auch diesem Problem könnte ein Verlagern des Verkehrs auf die Schienen begegnen. Jens Krause von der IHK erläutert: „Wir befinden uns an der Strecke von Cottbus nach Görlitz, auf der sich der Güterverkehr vervierfachen ließe.“ Dafür sei jedoch der Ausbau der Bahnstrecke nötig, ähnlich dem Vorbild der Niederschlesischen Magistrale. Nur ein Güterzug mehr auf den Schienen führe dazu, dass 50 Lastwagen weniger auf den Straßen unterwegs sind.

Von Engpässen spricht unterdessen Horst Böschow, das Präsidiumsmitglied des Unternehmerverbandes. Die Dimension zeige sich auch beim Personenverkehr. „Von Berlin nach Breslau brauchen die Leute mit dem Zug heutzutage doppelt so lange wie vor fast 100 Jahren“, sagt er. „Hier muss sich logistisch etwas tun.“