| 02:41 Uhr

Altbau
Stadt hofft auf Geld für Altbauten

Am denkmalgeschützten Haus, das die Postfiliale beherbergte, befindet sich inzwischen ein Baugerüst für die Instandsetzung. Bürgermeisterin Christine Herntier sprach schon mit dem Verwalter über eine mögliche Zukunft für das Gebäude.
Am denkmalgeschützten Haus, das die Postfiliale beherbergte, befindet sich inzwischen ein Baugerüst für die Instandsetzung. Bürgermeisterin Christine Herntier sprach schon mit dem Verwalter über eine mögliche Zukunft für das Gebäude. FOTO: wr
Spremberg. Das Konzept für die Sanierung wertvoller Altbauten haben die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses eingereicht. Nun hoffen sie auf Fördermittel aus dem Programm für den Stadtumbau Ost. Von René Wappler

Laut Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel "gibt es nach wie vor sanierungsbedürftige und leer stehende Grundstücke und Gebäude, welche sich in einem überwiegend schlechten baulichen Zustand befinden".

Seit 20 Jahren steht die ehemalige Tuchfabrik in der Georgenstraße leer. Der aktuelle Plan lautet, sie in ein Haus mit Wohnungen und Geschäftsräumen umzubauen. Auf 2,55 Millionen Euro belief sich die letzte Kostenschätzung für das Projekt.

Ebenso lange hat sich bei der ehemaligen Loge in der Karl-Marx-Straße 6 nichts getan. Wie aus dem Konzept des Rathauses hervorgeht, will die Stadt das Gebäude erwerben, sichern und neu vermarkten. So könnte es sich ebenfalls wieder in ein Wohnhaus verwandeln - bei Baukosten von 1,6 Millionen Euro.

Die architektonischen Spuren der Vergangenheit finden sich überall in Spremberg. Erst in der vergangenen Woche erinnerte sich die Chefin des Wirtschaftsförderers ASG bei der Einweihung des Bürogebäudes im Industriepark an den Anfang ihrer Firma. Im Jahr 1992 startete die ASG, damals noch als Altstadtsanierungsgesellschaft, in der Heinrichstraße 7: "Der Regen tropfte ständig durch das Dach."

Nahezu überall im Osten Deutschlands leiden die Kommunen noch immer unter den Bausünden der DDR. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bauwesen bestand "die Kehrseite des auf Neubau fixierten Städtebaus darin, dass die Altbausubstanz völlig vernachlässigt wurde". In einem Aufsatz für das "Handbuch zur Geschichte der Kulturlandschaft der Niederlausitz und südlichen Lubuskie" schreiben Sebastian Hettchen, Lars Scharnholz und Heidi Pinkepank: "Die Fortschrittsgläubigkeit im Zeichen des Sozialismus war jedoch auch mit massiven Eingriffen in die historischen Baustrukturen verbunden." In der alten Bundesrepublik verschwanden zwar ebenfalls vielerorts in den 70er-Jahren historische Stadtstrukturen im Zuge von "Modernisierungsoffensiven". Doch auf diesen kurzfristigen Trend folgte bald darauf eine Umkehr, die das kulturhistorische Erbe und die Pflege des Denkmalschutzes betonte.

Unter Denkmalschutz steht auch die langjährige Filiale der Deutschen Post in der Spremberger Innenstadt, die zum Ärger vieler Einwohner im August den Mietvertrag kündigte. Die Mitarbeiter des Rathauses nahmen die Immobilie in ihr Konzept zur Altbausanierung auf, dem die Stadtverordneten daraufhin vor knapp zwei Wochen einmütig zustimmten. Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) traf sich nun mit dem Verwalter des Hauses: Ihre Bemühungen zielen darauf ab, es "zu erhalten und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie es sich künftig nutzen lässt".

Damit folgt die Bürgermeisterin der Strategie, die das Konzept für Spremberg unterbreitet: "Das vorrangige Ziel bei der Altbaumobilisierung und der Aufwertungsstrategie ist die Beratung von Eigentümern." Wichtig sei es, die Förderchancen so konkret wie möglich zu benennen. Allerdings steht eine Antwort des Programms von Bund und Land zum Stadtumbau Ost noch aus: Die Mitarbeiter des Rathauses haben es wie vereinbart Ende September abgeschickt.