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| 19:52 Uhr

Mehr Verkehr auf die Schiene
Lausitzer Logistiker brauchen leistungsstarke Schienenstränge

Schwarze Pumpe. Ein Zusammenschluss leistungsstarker Unternehmen in der Region will die Grundlagen für die Wirtschaftsentwicklung der Region legen.

Die Szene ist bemerkenswert. Zugetragen hat sie sich bei der Sitzung der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ vorigen Donnerstag in Großräschen. „Ich höre immer nur Infrastruktur und wieder Infrastruktur. Wo bleiben denn die konkreten Vorschläge, die die großen Investitionen in die Infrastruktur in der Lausitz rechtfertigen sollen“, soll Ronald Pofalla sichtlich genervt während der Beratung im Seehotel gemosert haben. So erzählt es Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) am Freitag in Schwarze Pumpe vor Fachleuten der Lausitzer Logistikbranche.

Pofalla ist Bahnvorstand und einer der vier Vorsitzenden der sogenannten Kohlekommission. Herntier ist stimmberechtigtes Mitglied der Kommission. Augenscheinlich will Pofalla von den Vertretern aus der Lausitz erst wissen, was im Revier entstehen soll, ehe er sich darauf einlässt, dafür die notwendige Infrastruktur bereitzustellen.

Experten der BTU Cottbus-Senftenberg haben ein Modell entwickelt, wie kombinierter Verkehr an bestehende Haltepunkte ohne Millioneninvestitionen angedockt werden kann.
Experten der BTU Cottbus-Senftenberg haben ein Modell entwickelt, wie kombinierter Verkehr an bestehende Haltepunkte ohne Millioneninvestitionen angedockt werden kann. FOTO: LR / Jan Siegel

Bei den Logistikern in Schwarze Pumpe sorgt das für Kopfschütteln. In bemerkenswerter Einigkeit haben sich die Spediteure, Chefs großer Unternehmen und Betreiber von Logistikterminals, die am Markt miteinander konkurrieren, zusammengerauft, um an einem Strang zu ziehen. Ihr gemeinsames Ziel ist die Etablierung eines leistungsstarken „Kombinierten Verkehrs“ (KV). Die Region im Osten Deutschlands soll zur Logistikdrehscheibe werden, nach Osteuropa bis hin nach China. Gleichzeitig wollen die Transportfachleute die Straßen der Region mit der gezielten Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene entlasten.

Das ist angesichts Tausender Schwerlast-Lkw täglich auf den Autobahnen 13 und 15 und eines dauerüberlasteten südlichen Berliner Rings ein großes Vorhaben, aber nach Ansicht der Fachleute alternativlos. Schließlich erwarten sie in den nächsten Jahren Wachstumsraten beim Verkehrsaufkommen von bis zu 40 Prozent. Richtig eng wird es, wenn der Hauptstadtflughafen BER doch in Betrieb gehen sollte.

Bei der Umsetzung ihrer Pläne sind die Lausitzer Logistiker angewiesen auf eine leistungsfähige Infrastruktur. Die Voraussetzungen dafür muss der Bund schaffen. Ein wichtiges Etappenziel dabei ist geschafft, wenn die Niederschlesien-Magistrale zwischen Ruhland und der sächsischen Grenze zu Polen Anfang Dezember in Betrieb geht. Die Magistrale ist Teil des interkontinentalen Verkehrsweges von den großen europäischen Häfen in Rotterdam und Hamburg bis in den fernen Osten.

Aber die Niederschlesien-Magistrale ist nur ein Teilstück der Infrastruktur in der Lausitz. Eine eingleisige Strecke zwischen Cottbus und Lübbenau, Richtung Berlin und fehlende Strecken-Elektrifizierung von Cottbus nach Forst oder Görlitz bremsen die zukunftsweisenden Lausitzer Logistikträume abrupt aus.

Christine Herntier fordert die Logistik-Experten deshalb am Freitag in Schwarze Pumpe auf, laut zu sein und weiter Druck zu machen. „Wir haben nur eine Chance durchzudringen, wenn wir gemeinsam konkrete Vorhaben auf den Tisch legen.“ Die Infrastruktur bilde dabei die entscheidenden Nervenstränge der wirtschaftlichen Zukunft in der Lausitz.