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Spreegas
Gasanbieter setzt mit auf Strom

Bei einem Tag der offenen Tür hat die Spreegas ihre Anlage bei Frauendorf gezeigt. Weitere sollen bei Sergen, Kostebrau und Drieschnitz-Kahsel folgen.
Bei einem Tag der offenen Tür hat die Spreegas ihre Anlage bei Frauendorf gezeigt. Weitere sollen bei Sergen, Kostebrau und Drieschnitz-Kahsel folgen. FOTO: zvg
Spree-Neiße. Die Spreegas investiert derzeit kräftig in Solarstrom. Dabei geht es aber um mehr als nur Stromverkauf – mit neuen Technologien soll die Infrastruktur des Gasversorgers auch zur Energiespeicherung genutzt werden. Jürgen Scholz

In Frauendorf wurde bei einem Tag der offenen Tür stolz die jüngste Investition gezeigt. In dem Ortsteil der Gemeinde Neuhausen/Spree entstand auf 17 Hektar Fläche eine Anlage, die zehn Megawatt Strom erzeugen kann. Insgesamt hat der Gasversorger im Bereich des ehemaligen Bezirks Cottbus Anlagen für 33 Megawatt Stromerzeugung installiert oder den Zuschlag dafür bekommen. In den kommenden zwei bis drei Jahren soll das Ziel erreicht werden - und das lautet 40 Megawatt, so Spreegas-Geschäftsführer Bodo Pawlowski.

Dabei denkt Pawlowski über die Stromerzeugung hinaus. Durch neue Technologien könnte die vorhandene Infrastruktur des Gasversorgers auch als Energiespeicher genutzt werden, also die Lücke zwischen Stromerzeugung und Strombedarf schließen, die momentan noch Probleme bei der Versorgungssicherheit von Energeie aus regenerativen Quellen bereitet.

Wo die Voraussetzungen stimmen, könnte neben der Stromerzeugung auch die Infrastruktur für die Speicherung entstehen. Elektrolyse-Anlagen, die beispielsweise Wasserstoff erzeugen, der wiederum mit Gas vermengt in den Gasspeichern gelagert wird, würde die Wertschöpfungskette in der Region erweitern. Damit könnte die Spreegas auch ihre Anlagen effizienter nutzen - immerhin 80 Prozent der Spreegas-Bilanz macht das Anlagevermögen aus. Direkt oder indirekt über den Mehrheitsgesellschafter Gasag verfolgt die Spreegas rund 130 Forschungs- und Versuchsprojekte auf diesem Gebiet, die bereits bundesweit laufen. Erste Gespräche zu einem eigenen Projekt gibt es derzeit zwischen Gasag und BTU Cottbus-Senftenberg.

Die Spreegas will aber auch die Kommunen ins Boot holen. Für Neuhausen wurde beispielsweise mit der Kommunalaufsicht ein Konzept abgestimmt, wie auch eine Gemeinde unter Konsolidierungszwängen bei so einem Unternehmen einsteigen kann. Die Anlagen wurden von Projektgesellschaften gebaut, die als GmbH & Co KG firmieren; die Kommunen können also im 1000 Euro-Scheiben Geld im Rahmen ihrer Möglichkeiten anlegen - wenn das Risiko überschaubar ist und die Ausschüttungen mittelfristig die Einnahmeseite der Kommune erhöht. Die Gemeinde Neuhausen hat sich noch nicht entschieden.

Die nächsten Spreegas-Projekte stehen aber schon an. So soll ein ähnlich großes Vorhaben im Neuhausener Ortsteil Sergen entstehen. An der Autobahn ist auf einer Konversionsfläche eine 10-Megawatt-Anlage geplant. Im Neuhausener Ortsteil Drieschnitz-Kahsel ist eine 3-Megawattanlage in Planung, und auf einer ehemaligen Kippenfläche in Kostebrau bei Lauchhammer soll eine 2,5-Megawatt-Fläche entstehen. Weitere Vorhaben nennt Spreegas-Geschäftsführer Pawlowski noch nicht - auch weil teilweise noch die Ausschreibungen laufen.

Pawlowski geht davon aus, dass die Bedeutung dieses Geschäftsfeldes zunimmt und mit immer effizienter werdenden Fotovoltaikanlagen in fünf, spätestens zehn Jahren Strom erzeugt wird, der ohne EEG-Zulage wirtschaftlich vermarktbar ist. Abhängig bleibe die Entwicklung von den politischen Rahmenbedingungen. Die Biogas-Branche sei aufgrund veränderter politischer Ausrichtung "quasi tot".

Gerade die Power-to-Gas-Technologie könnte ein neues Geschäftsfeld für die Gasversorger sein. Der Entwicklungsfortschritt sei enorm, so Pawlowski. Er weiß aber auch, dass genauso gut eine andere Entwicklung, wie eine neuartige Batterie als Energiespeicher schon wieder eine ganz andere Richtung vorgeben kann.