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| 18:14 Uhr

Im Schokoladenland ist immer Saison
„Felicitas“ macht Schule - in der Scheune

 „Felicitas“-Mitarbeiterin Katja Schumann mit dem speziellen Berlin-Präsent aus Hornower Produktion. Die Berlin-Motivpralinen werden unter anderem auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld verkauft.
„Felicitas“-Mitarbeiterin Katja Schumann mit dem speziellen Berlin-Präsent aus Hornower Produktion. Die Berlin-Motivpralinen werden unter anderem auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld verkauft. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Hornow. Belgische Chocolatiers erweitern touristisches Angebot im Schokoladenland in Hornow mit Live-Produktion und einer Schule in der Scheune

Mit frischen Ideen und viel Herz für ihre Wahlheimat Hornow (Spree-Neiße) machen zwei Belgier seit 27 Jahren in der Lausitz Freunde der belgischen Schokolade glücklich. Dabei galt es einiges einzustecken. Das hat sie geformt, wie Goedele Matthyssen und Peter Bienstman zugeben. Heute können sie selbst dem BER-Flughafen-Desaster etwas Gutes abgewinnen, obwohl das ein herber Tiefschlag war. „Im Nachhinein betrachtet, war das sogar ein Glück für uns“, sagen sie beim Rundgang durch die neue Live-Produktion im ehemaligen Werksverkauf der Confiserie „Felicitas“ in Hornow.

Hier können Besucher durch die Scheiben des ehemaligen Ladens den Chocolatiers über die Schulter schauen. Dabei duftet es verführerisch nach Kakao und Schokolade. Mit flinken Händen verpackt Katja Schumann hier den Berliner Fernsehturm, das Brandenburger Tor, Berliner Bären und Baukräne im Pralinen-Format in Dutzende „Berlin“-MotivpralinenSchachteln.

Die sind ein absoluter Renner. Ähnlich wie die Berliner Bären als Marzipan-Pralinen oder individuell für Unternehmen wie die Spreewaldtherme Burg zum Beispiel individualisierte Give-Aways. Das sind kleine Genießer-Geschenkartikel als Betthupferl oder zum Mitnehmen als Reise-Souvenir oder als kleines Dankeschön für Geschäftspartner. Vor allem auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld in Berlin geht damit sprichwörtlich die Post ab.

So kann es durchaus passieren, dass Landsleute aus Belgien belgische Schokolade aus der Lausitz geschenkt bekommen. Von Geschäftspartnern aus Berlin. So hat es gerade der Bruder eines Freundes der Familie Matthyssen-Bienstman erlebt. „Er hat von einer Berliner Firma als Dankeschön eine Schachtel Berliner Bären-Pralinen bekommen. Bestellt und gekauft wurden die Pralinen auf dem Flughafen Tegel. Er hat sie natürlich gleich erkannt und gesagt, die kenne ich doch, die sind doch aus Hornow“ erzählen Peter Bienstman und Goedele Matthyssen amüsiert und glücklich.

 „Felicitas“-Mitarbeiter  Falk Bellmann zeigt Schokoladentafeln aus der Serie   „Spreewaldschokolade“. Die wird in drei  Varianten hergestellt: weiße Schokolade mit Erdbeersalz, Vollmilch mit Rispenhirse und Zartbitter mit Edeleberesche.
„Felicitas“-Mitarbeiter Falk Bellmann zeigt Schokoladentafeln aus der Serie „Spreewaldschokolade“. Die wird in drei Varianten hergestellt: weiße Schokolade mit Erdbeersalz, Vollmilch mit Rispenhirse und Zartbitter mit Edeleberesche. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Denn obwohl sie die für das Großflughafenprojekt BER einst bis ins Detail durchgeplante gläserne Produktion - so wie andere erwartungsfrohe potenzielle Investoren im Umfeld des Projektes damals auch - nicht realisieren konnten, sind sie doch in Berlin gelandet: Im Heinemann-Duty-Free auf den Flughäfen in Tegel und in Schönefeld.

„Das ist ein Geschenk für uns“, sagt Peter Bienstman, denn diese Art hochwertiger Give-Aways – Werbegeschenke wie Berliner Bären als Marzipan-Pralinen oder Berlin-Pralinen durch eine eigens kreierte Verpackung individualisiert, oder die Berliner Mauer in Schokolade, die sich die beiden Belgier 2011 patentieren lassen haben - sind der absolute Trend. Den zu bedienen lohnt sich jedoch erst ab einer gewissen Menge. Die Listung bei der Firma Heinemann gewährleistet das, sagt Bienstman. Jede Woche geht eine Lieferung mit mehreren hundert Pralinenschachteln aus Hornow nach Schönefeld und Tegel, um mit Reisenden abzuheben in alle Welt. Als exklusiver Gruß und Genuss aus Lausitzer Produktion

 „Felicitas“-Mitarbeiterin Katja Schumann mit einem speziellen Berlin-Präsent aus Hornower Produktion. Die Berlin-Motivpralinen werden unter anderem auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld verkauft.
„Felicitas“-Mitarbeiterin Katja Schumann mit einem speziellen Berlin-Präsent aus Hornower Produktion. Die Berlin-Motivpralinen werden unter anderem auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld verkauft. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Die wiederum beschäftigt inzwischen 73 Mitarbeiter, darunter 63 in Hornow und zehn in den Filialen Potsdam und Dresden der Confiserie „Felicitas“ GmbH. Die Filiale in Potsdam hätte es ohne die damaligen Braunkohlepläne zur Fortführung des Tagebaus Welzow wohl nicht gegeben. Denn als es damals hieß, der Tagebaurand käme ihrem Wohnhaus und Produktionsgebäude so nahe, dass sie täglich in die Kohlegrube schauen würden, suchten sie nach einem alternativen lebenswerten und nachfragestarken Standort. Der war in der Landeshauptstadt Potsdam in der Nähe des holländischen Viertel schnell gefunden und ist heute mit einer kleinen Manufaktur das Herz der Bio-Schokoladenproduktion von „Felicitas“. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir mit unserer kleinen Bio-Schokolade-Manufaktur an unsere Grenzen stoßen“, berichtet Goedele Matthyssen.

Hauptabnehmer ist die Berliner Bio-Company mit ihren 56 Märkten in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Dresden. Zudem findet die Bio-Schokolade über den Online-Shop immer mehr Absatz. „Um die Nachfrage gut und effektiv bedienen zu können, verlegen wir die Hohlfiguren-Produktion aus Bio-Schokolade zeitweise nach Hornow, in die Live-Produktion.“

 Blick in die Pralinenproduktion.   Antje Placke sorgt für die Amaretto-Füllung.
Blick in die Pralinenproduktion. Antje Placke sorgt für die Amaretto-Füllung. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Im Februar haben Goedele Matthyssen und Peter Bienstman gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Live-Produktion eröffnet. Sie ist mehr als eine Entlastung der Bio-Schokoladen-Manufaktur in Potsdam. „Wir haben damit auch die Produktionsabläufe neu gestaltet und den Versand am Standort konzentriert. Das macht die Abläufe effektiver.“ Dabei lassen sich die Hornower Chocolatiers auch gerne über die Schulter schauen und machen nacherlebbar, was alles dazu gehört, damit knackige glänzende Hohlfiguren entstehen können. Für das Projekt „Live-Produktion“ wurde die Confiserie „Felicitas“ im Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin mit dem pro-agro-Marketingpreis ausgezeichnet. Sie kam auf Rang zwei in der Kategorie Land- und Naturtourismus.

Mit dem Projekt „Schule in der Scheune“ ergänzen die Belgier nun das touristische Angebot am Standort Hornow um eine weitere Attraktion. Den Anstoß dazu haben die vielen Gäste gegeben, die das vor 15 Jahren anstelle der gläsernen Produktion am BER-Flughafen in Hornow eröffnete SchokoLadenLand mit Schoko-Kino und Café immer wieder gern besuchen. Viele wollen gerne länger bleiben und fragen nach einem ganzen Tagesprogramm. „Egal ob Kita-Gruppen, Schulklassen, Firmen- oder Familienanlässe, hier können sie jetzt ein ganzes Tagesprogramm genießen“, lädt Goedele Matthyssen ein, die Schule in der Scheune zu nutzen.

„Wir haben Partner gefunden, die in Kombination mit unserem Schokoladenprogramm Spannendes und Wissenswertes anbieten, zum Beispiel zu Bio-Produkten und fairem Handel, zu gesunder Ernährung, zu Schokolade und Diabetes, denn das eine muss das andere nicht ausschließen, oder zu heimischen Kräutern, die bei einer großen Kräuterwanderung selbst gesammelt werden können. Dazu gibt es Tipps zum Zubereiten, denn gemeinsam kann hier auch Mittagessen gekocht werden.“

Auch der Cottbuser Postkutscher und Theaterpädagogen Ronne Noack habe Interesse signalisiert. Er denkt über ein Programm für Kinder nach, wie Goedele Matthyssen sagt. „Die Industrie- und Handelskammer Cottbus überlegt, mit dem Haus der kleinen Forscher, einem lokalen Netzwerk für frühkindliche Bildung in Cottbus, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz in unserer Schule Station zu machen“, schildert sie und fügt an: „Wenn wir die Verweildauer und die Erlebnis-Qualität verbessern können, ist das für alle ein Gewinn.“