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| 20:00 Uhr

Spremberg
Hoffen auf die nächste Brücke

Raik Nowka, Rene Nakoinz und Andreas Bränzel an der Wihelmsthaler Brücke: Sie soll erneuert werden – für den Hochwasserschutz und als Radwegverbindung.
Raik Nowka, Rene Nakoinz und Andreas Bränzel an der Wihelmsthaler Brücke: Sie soll erneuert werden – für den Hochwasserschutz und als Radwegverbindung. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Ersatzneubau in Cantdorf-Wilhelmsthal wird für Haushaltsplan 2019/2020 vorgeschlagen.

Für die Wilhelmsthaler Brücke gibt es nichts mehr zu begutachten. Sprembergs Baufachbereichsleiter Gerd Schmiedel schüttelt den Kopf: Sie kann nur noch abgerissen werden. Für den Haushaltsplan 2019/2020 schlägt er vor, eine neue Brücke zu planen und zu bauen. Ob es das Vorhaben in den nächsten Haushaltsplan schafft, entscheiden die Stadtverordneten.

Im Jahr 2013 gab es schon einmal eine Beschlussvorlage. Ein Neubau aus Stahlbeton, der Autos aushält, wurde empfohlen. Die Hochwasserereignisse 2010 und 2011 hatten gezeigt, dass die Brücke den Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Daran erinnert sich der Spremberger Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Raik Nowka (CDU): „Doch 2013 war ein schwarzes Jahr in der Kommunalpolitik. Die Konsequenzen des Atomausstiegs spürten auch die Standorte der Kohlekraftwerke. Die Stromkonzerne hatten Einnahmeverlust, das führte zu massiven Steuerrückforderungen und Steuerausfällen. In Spremberg war das das Aus für etliche geplante Investitionen, auch für eine neue Wilhelmsthaler Brücke.“

Cantdorfs Ortsvorsteher Rene Nakoinz nimmt nun neu Anlauf. „Der Zustand hat sich in den fünf Jahren verschlechtert, aber die öffentlichen Kassen sind mit den Steuergeldern der fleißigen Bürger wieder besser gefüllt“, sagt er. Nach ersten Tonnen- und Höhenbegrenzungen wurde die Brücke im Jahr 2016 so eingeengt, dass kein Pkw mehr durch passt.

Raik Nowka hofft beim Neubau auf den gleichen Bautyp wie die Fußgänger- und Fahrradbrücke in der Wendenstraße. „Diese Aluminiumbrücke, die ohne Stützpfeiler mitten im Flussbett auskommt, mindert die Gefahr des Rückstaus bei Hochwasser. Baumstämme und Äste bleiben nicht hängen“, erklärt er. 1,4 Millionen Euro Kosten könnte der Bau kosten, bis 75 Prozent Fördermittel könnten fließen.

Doch die Brücke in der Wendenstraße kann nur von Radlern und Fußgängern genutzt werden. Nach der Einengung für den Autoverkehr auf der Wilhelmsthaler Brücke im Jahr 2016 wurde Unmut laut. „Inzwischen sind die Meinungen gespalten. Natürlich kämen wir über die Wilhelmsthaler Brücke schneller in die Innenstadt. Aber mehrere Anwohner hier wissen inzwischen die Ruhe zu schätzen“, sagt Rene Nakoinz. Auch Radtouristen und Freizeitsportler nutzen die Strecke. Schlimm wäre ein Abriss aus Sicherheitsgründen ohne Ersatzneubau.

Rene Nakoinz winkt zum Durchlass vor der Brücke. Raik Nowka kennt ihn: „Er stand mit auf der Beschlussvorlage im Jahr 2013 und sollte auch erneuert werden.“ Von baulichen Mängeln war die Rede. „Schlecht sieht das Bauwerk nicht aus. Der Graben wurde an dieser Stelle schon mal gereinigt: Die Rohre sind frei, aber bei Hochwasser viel zu klein“, so der Ortsvorsteher, „Cantdorfer haben beobachtet, dass sich das Wasser vor den Rohren staut und regelrecht zurückschwappt.“

Mit dem Gewässerverband Spree-Neiße wurde begonnen, das Grabensystem in Cantdorf zu ertüchtigen. Auch der Binnengraben II gehört dazu. In diesem Zusammenhang sei zu überlegen, ob der Durchlass wieder zur breiten Mulde ausgebaut wird. Aber diese Mulde müsste dann überbrückt werden, und auf eine konkrete Prioritätenliste für den Hochwasserschutz in Cantdorf  aus dem Umweltministerium wartet Rene Nakoinz noch. Dabei hat die Wilhelmsthaler Brücke oft hohen Besuch: Landes- und Bundespolitiker, Staatssekretäre und Minister haben von hier aus in die braune Spree geguckt. Fest am maroden Brückenbauwerk ist die Bekalkungsanlage installiert. Die Kalkmilch in der Spree sorgt gemeinsam mit dem Flockungsmittel am Eingang zur Bühlower Vorsperre dafür, dass sich das Eisen schneller absetzt und aus der Vorsperre gebaggert werden kann.

Raik Nowka und Rene Nakoinz am Durchfluss vor der Wihelmsthaler Brücke: Das Gefällen für den Binnengraben II soll stimmen, aber bei Hochwasser seien die drei Rohre zu klein, und das Wasser staue sich auf der Wiese.
Raik Nowka und Rene Nakoinz am Durchfluss vor der Wihelmsthaler Brücke: Das Gefällen für den Binnengraben II soll stimmen, aber bei Hochwasser seien die drei Rohre zu klein, und das Wasser staue sich auf der Wiese. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit