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| 16:56 Uhr

Welzow
Brandserie schürt Angst in Welzow

Siegfried Matuszewski steht unschlüssig in seinem abgebrannten Wohnwagen.
Siegfried Matuszewski steht unschlüssig in seinem abgebrannten Wohnwagen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Welzow. Bürgermeisterin hofft auf mehr Sicherheitspartner und die Polizei auf mehr Hinweise.

In Welzow haben nicht mehr nur die Feuerwehrleute schlaflose Nächte. Immer mehr Bürger machen sich Sorgen. Nach zahlreichen Schäden seit dem 26. Januar hat es bei erneuten Feuern um 21.50 Uhr am Montag und 1.45 Uhr in der Nacht zum Dienstag weiteren hohe Schäden und den ersten Verletzen dieser Brandserie gegeben: ein 81-jähriger Renter, den die Einsetzkräfte nur noch aus seiner brennenden Wohnung tragen konnten.

Wer nachts nicht durch Blaulicht geweckt wird, erfährt es am Morgen von Nachbarn oder Kollegen. Auch Kathrin Kullmann ist entsetzt über die erneuten Feuer in der Dresdener Straße und in der Bahnhofstraße. Sie hatte in der Nacht zum Sonntag die Rathsburg, neben der sie wohnt, in Flammen aufgehen sehen und musste gemeinsam mit ihren beiden Kindern so schnell wie möglich ihre Wohnung verlassen. Das einst imposante Gasthaus, das der Architekt Theodor Steudel 1902 für die Familie Rathsburg gebaut hatte, ist ein Welzower Wahrzeichen. „Mein achtjähriger Sohn hat jetzt Angst, dass wieder etwas passiert“, sagt Kathrin Kullmann. „Er kann nachts nicht allein schlafen, weil er fürchtet, dass wir abbrennen.“ Sie geht davon aus, dass die Brände der jüngsten Zeit von Ortsansässigen gelegt wurden. „Das sieht nach jemandem aus, der sich gut in Welzow auskennt“, sagt sie. Zwar stellt sie fest, dass die Polizei inzwischen besonders oft im Ort kontrolliert. Doch das genügt nach ihren Worten nicht. „Inzwischen bin ich sogar für eine Überwachung von Gebäuden mit Kameras“, erklärt Kathrin Kullmann. „Vielleicht lässt sich auf diese Weise mal ein Täter fassen.“

Der 65-jährige Siegfried Matoszewski steht unschlüssig zwischen den verrußten Resten seines Wohnwagens. „Nach ihrer Spurensuche heute Morgen hat die Polizei ihn erst einmal freigegeben. Aber forträumen darf ich noch nichts. Und mit der Versicherung muss ich ja auch noch alles klären“, sagt der Welzower. Der Wohnwagen stand nur fünf Meter vom Mietshaus entfernt im Garten. „Wir haben es als Laube zum Feiern genutzt. Eine kleine Küchenzeile war drin, die Eckbank mit zwei Tischen, die Musikanlage mit den CDs“, beginnt er aufzuzählen. „Ich war schon schlafen gegangen, als ich am Montagabend rausgeklingelt wurde – ich habe kein Telefon. In der Nacht bekam ich kein Auge mehr zu. Das Blaulicht vom zweiten Brand blinkte in mein Fenster.“

Auch über den ehemaligen Schafställen an der Bahnhofstraße hängt der Brandgeruch. Das Doppelhaus 4a/6 – in einer Hälfte soll der 81-jährige Verletzte gelebt haben – ist stark beschädigt. Dass das Feuer auf weitere Wohnungen in dieser Doppelhausreihe übergriff, konnten 50 Einsatzkräfte aus Welzow, Proschim, Neupetershain, Drebkau und Spremberg verhindern, sagt Bürgermeisterin Birgit Zuchold. „Wir sind froh, dass die Bewohner gerettet werden konnten.“ Nach Informationen der Stadtverwaltung konnte eine Familie zwischenzeitlich bei Verwandten untergebracht werden. Ein anderer Bewohner, der das Krankenhaus unverletzt verlassen hat, wohne erst einmal in einer Zwischenunterkunft. Birgit Zuchold hofft nun, dass sich die Betroffenen von diesem großen Schock erholen. „Ein Täter, der nun offensichtlich das Leben anderer Menschen aufs Spiel setzt, ist ein Straftäter und muss für seine Taten verurteilt werden“, so die Bürgermeisterin.

Doch die Einwohner, die am Dienstag in der Bahnhofstraße diskutierten, können den Satz, dass ermittelt werden, nicht mehr hören. Sie machen sich Gedanken, was im Kopf des mutmaßlichen Täters vorgeht. Angst, entdeckt zu werden, habe er wohl nicht. Mit dem erneuten Feuer im Bereich der Schafställe sei er an einen Ort zurückkehrt, wo in der Nacht zum 30. Januar schon mal ein Schuppen brannte.

Täglich, so Polizeisprecherin Ines Filohn, stehen die Welzower Bürgermeisterin und Bettina Groß, Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, nun im Kontakt. Und die Polizei sei ständig vor Ort – „und keineswegs nur mit Streifenwagen und Blaulicht“. Ines Filohn ermutigt dazu, dass Bürger, denen ein Sachverhalt oder eine Person merkwürdig auffällt, das ruhig  melden. „Das hat nichts mit Denunzieren zu tun, sondern es könnte uns weiterhelfen“, so Ines Filohn.

Gleichzeitig ruft Birgit Zuchold die Einwohner dazu auf, sich als Sicherheitspartner der Stadt zu bewerben. „Und wir haben ein Spendenkonto eingerichtet“, sagt sie. Unter dem Verwendungszweck „Sicherheit“ kann Geld bei der Spakasse Spree-Neiße eingezahlt werden: IBAN DE26 1805 0000 3604 0011 10 und BIC WELADED1CBN.

Im Bereich der ehemaligen Schafställe in Welzow mussten in der Brandnacht mehrere Leute ihre Wohnungen zu verlassen.
Im Bereich der ehemaligen Schafställe in Welzow mussten in der Brandnacht mehrere Leute ihre Wohnungen zu verlassen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR