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| 16:04 Uhr

Spremberg
Windkraft gegen Fledermaus

Wie viele Fledermäuse und Vögel sterben hier: Sprembergs Stadtverordnete fordern mehr Informationen zu den Windanlagen im Stadtwald.
Wie viele Fledermäuse und Vögel sterben hier: Sprembergs Stadtverordnete fordern mehr Informationen zu den Windanlagen im Stadtwald. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Abschaltzeiten für die Windanlagen im Stadtwald sind laut Umweltamt geregelt. Von Annett Igel-Allzeit

Die Fledermäuse hängen derzeit in ihren Winterquartieren. Doch diese Winterruhe hat Jens-Uwe Winkler, Stadtverordneter der Fraktion Vereinte Wählergruppen, im jüngsten Bauausschuss mal für eine Grundsatzfrage genutzt:  Haben die Windparks I und II Abschaltzeiten für die Ausflüge der Fledermäuse? Kerstin Schenker, verantwortlich für die Rechtsangelegenheiten der Stadtverwaltung, versprach ihm, sich mit den Windparkbetreibern in Verbindung zu setzen. Doch Antworten von der Windenergie-Lobby zu bekommen, ist gar nicht so einfach.

Wie Jens-Uwe Winkler berichtete, sollen tote Fledermäuse  im Spremberger Stadtwald unter Windkraftanlagen gefunden worden sein. Tatsächlich wird darüber von Naturfreunden seit Bestehen des Windparks I immer mal wieder berichtet. Auch einen Versuch mit toten Küken aus dem Tiefkühlfach hatte es in diesem Zusammenhang schon gegeben. Werden Küken unter den Anlagen ausgelegt und sind binnen kurzer Zeit verschwunden, legt das nahe, dass auch Fledermäuse und Vögel, die von den Windradflügeln erschlagen werden, von Füchsen und anderen Tieren aufgefressen werden, bevor sie jemand finden und zählen kann. Wenn  kaum oder keine Fledermäuse gefunden werden, würde das nach diesem Experiment eben nicht automatisch bedeuten, dass es im Stadtwald kaum oder keine Schlagopfer gibt.

Relativ schnell auf die Anfrage der Stadtverwaltung hat der Pächter des Windparks II telefonisch reagiert. Ihn wunderte zunächst die vage zeitliche Angabe „in letzter Zeit“ für den Fund. Seit August 2017 sei täglich ein Service-Team an den neueren Anlagen unterwegs. Diese Service-Mitarbeiter hätten dergleichen nicht feststellen können und keine toten Tiere gefunden. Wie der Pächter der Stadtverwaltung erklärt, seien die Anlagen im Windpark II mit Sensoren versehen. Nach bestimmten Algorithmen, welche die Genehmigungsbehörde vorgibt, stellen sich die Anlagen automatisch ab. Zum Beispiel, wenn extremere Bedingungen bei Wind, Regen und bei den Temperaturen eintreten. Dass die Betreiber diese genehmigungsrechtlichen Grundlagen einhalten, werde sogar überwacht.

Das bestätigt der RUNDSCHAU Thomas Frey, Referent im Landesamt für Umwelt (LfU). Zumindest für die Anlagen im Windpark II kann er von solchen Abschaltzeiten berichten. „Sie sind zur Verringerung des Kollisions- und Tötungsrisikos für Fledermäuse vom 15. Juli bis 15. September die Anlagen in der Zeit von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang abzuschalten“, so Frey. Und folgende Parameter gelten für diese Abschaltung: In Höhe der Gondel muss die Windgeschwindigkeit unter fünf Metern pro Sekunde liegen, die Lufttemperatur erreicht zehn Grad Celsius und mehr, und es regnet nicht. Was heißt, dass in einer windstillen, lauen und regenfreien Sommernacht die Fledermäuse ihren Flug über den Stadtwald genießen dürfen und manch anderen Nachtwanderer kein Klappern und Schlagrauschen stört.

„Die Einhaltung der Abschaltregelungen ist dem LfU jährlich bis spätestens 15. November mit Protokollen nachzuweisen“, sagt Frey.  Allerdings, so Frey, sei dem Betreiber 2014 auch eine Befreiung für fünf der acht Anlagen im Windpark II zugesagt worden, wenn er im Rahmen eines Monitorings nachweist, dass das Gebiet keine besondere Bedeutung für den Fledermausschutz hat. Mindestens zwei Jahre müsste er dafür die Höhenaktivitäten von der Gondel aus zählen und Kollisionsopfer suchen.

Der Pächter selbst berichtet der Stadtverwaltung von Ausgleichsmaßnahmen im Freistaat Sachsen für Vogelarten wie den Ziegenmelker. Tatsächlich sollte dieser Vertreter der Vogelfamilie der Nachtschwalben aus dem Einzugsgebiet der Spremberger Windenergieanlagen weggelockt werden. Das habe, so der Pächter, auch funktioniert. Im Jahr 2017 seien im Vergleich zu 2014 die Brutplätze erstaunlich gut besetzt gewesen.

Der Betreiber des Windparks I arbeitet zumindest gegenüber der RUNDSCHAU noch an einer Antwort, wie Nora Körner, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der WSB Service Deutschland GmbH, versichert. Nach dem Genehmigungsbescheid von 2007 sollte laut LfU ein dreijähriges Fledermausmonitoring mit jährlichem Zwischenbericht durchgeführt werden. „Nach Auswertung der Berichte hatte sich die Behörde verschärfende Auflagen zum Schutz der Fledermäuse vorbehalten“, so Thomas Frey.