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| 17:00 Uhr

RUNDSCHAU vor Ort
Wie Hund und Katze in Spremberg

Natürlich sind Katzenbabys süß. Aber die Tierheimchefin Annett Stange weiß, wie übersättigt der Markt ist für Katzen ist. Sie musste eine Aufnahmestopp ausrufen.
Natürlich sind Katzenbabys süß. Aber die Tierheimchefin Annett Stange weiß, wie übersättigt der Markt ist für Katzen ist. Sie musste eine Aufnahmestopp ausrufen. FOTO: LR / Rene Wappler
Spremberg. Kastrationskosten, Leinenzwang, Kaninchenklo: Die RUNDSCHAU will mit Experten und Bürgern über Haustiere sprechen. Von Annett Igel-Allzeit

Genau 836 Hunde sind in Spremberg im Jahr 2017 gemeldet gewesen. Wie viele Katzen in der Stadt mit ihren 14 Ortsteilen leben, weiß derzeit niemand. Im Tierheim am Schäferberg stehen 98 Hunde 270 Katzen gegenüber. Landet Spremberg angesichts dieses Vergleichs also bei 2300 Katzen? Das wird nicht reichen. Die Tierärztin Dr. Renée Robel, die seit  2016 in ihrer Praxis n der Dresdener Straße praktiziert, hat eine Katzen-Pyramide als Hintergrundbild auf ihrem Monitor: „So rasant vermehrt sich eine Katze.“ Wer mit seinem Kater, seiner Katze zu ihr kommt und noch zweifelt, ob er die 100 bis 120 Euro für die Kastration ausgeben soll, dem zeigt sie gern dieses Bild. Zudem verhindere die Kastration auch Krankheiten, die sich Freigängerkatzen beim Geschlechtsverkehr holen können. „Aber ich habe auch schon Leute erlebt, die zur Kastration nicht nur ihr eigenes Tier mitgebracht haben, sondern auch gleich noch eine Katze aus ihrer Umgebung“, sagt Renée Robel.

Dr. Annett Stange, die Leiterin des Tierheims am Schäferberg, musste im Juli ein Aufnahme-Stopp für junge Katzen ausrufen. Das fiel ihr schwer, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie mit ihrem Team seit Januar 340 Katzen aufgenommen - das war die Zahl, mit der sie sonst in einem ganzen Jahr rechnet. „Ich höre von vielen Leuten, dass ihnen die Kastration zu teuer ist“, sagt sie. Aber mit den Folgen – der Nachwuchs ihrer Katze sorgt ziemlich schnell für weiteren Nachwuchs – seien sie dann ganz schnell überfordert. Nach all den Jahren sei der Markt für Katzenbabys völlig übersättigt. „Man muss nur bei den Ebay-Kleinanzeigen nachschauen“, sagt Annett Stange.

Und das Problem haben viele Kommunen. In mehr als 670 Städte und Gemeinden bundesweit gibt es  nach Informationen des Deutschen Tierschutzbundes inzwischen Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen. Auch das Land Brandenburg ist mit Bad Belzig, Jüterbog, Frankfurt (Oder) und Luckenwalde dabei. Trotzdem wird in der Spremberger Stadtverordnetenversammlung und den Ausschüssen statistisch mehr über die Hunde geredet. Denn während es Katzen lernen, aufs Katzenklo zu gehen, setzen Hunde ihre Haufen auf öffentliche Wege, in Parks, sogar auf Kinderspielplätze. Gemeindearbeiter und Hausmeister könnten ein Liedchen davon singen. Einer von ihnen umrundet regelmäßig die Spremberger Kreuzkirche. Denn nicht nur Stadtführern ist es peinlich, wenn Sprembergs Gäste oben im Mauerwerk das Baujahr der Kirche suchen und unten in Hundekot treten.

Der Ruf nach Hundetoiletten erklingt immer mal wieder. Und Hundekotbeutel werden nachgefragt. Doch mehr Kontrollen von Hundehaltern, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht sofort wegräumen, sind nicht möglich. Und die kostenlose Ausgabe von Hundekotbeuteln hat die Stadtverwaltung aus Kostengründen 2017 eingestellt – und so 400 Euro eingespart. Genau 76 028,99 Euro nahm die Stadt im Jahr 2016 an Hundesteuern ein und rechnet im Ansatz auch 2018 wieder mit 74 000 Euro.

Doch immer nur Hund und Katze? Dagegen legt Renée Robel ein Veto ein. „Im Trend sind derzeit Kaninchen“, sagt sie. „Sie sind weich, können sehr zutraulich werden und lernen, ein Kaninchenklo zu nutzen.“

Aber egal, ob ein Wellensittich im Wohnzimmer zwitschert, die Katze im Fenster wartet, ein Hund morgens die Bettdecke wegzieht – viele Menschen brauchen ihr Haustier. Kinder finden in ihm einen Freund und lernen, sich um das Tier zu kümmern. Senioren wird durch ihren Vierbeiner der Tag strukturiert. „Und noch immer gilt der Spruch: Das letzte Kind hat Fell“, weiß Renée Robel.

Allerdings: Wie der Mensch so  gewöhnen sich leider auch die Haustiere an weniger Bewegung und fordern nach vergeblichen Versuchen nicht mehr das Spielen oder den Spaziergang ein, sondern  liegen mit Herrchen und Frauchen faul auf der Couch. „Wenn die Bewegung nicht mehr stimmt, stimmen natürlich auch die Portionenangaben der Tiernahrungshersteller nicht mehr“, erklärt Renée Robel. Deshalb hat die Tierärztin auch mehr übergewichtige Patienten. Und dann wird sie zur Futterberaterin.

In Baden-Württemberg werden Hundebesitzer mit Schildern an ihre Pflichten erinnert.
In Baden-Württemberg werden Hundebesitzer mit Schildern an ihre Pflichten erinnert. FOTO: dpa / Felix Kästle