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| 01:10 Uhr

Wie hieß die erste Obstdiebin?

28. Woche.. Wir zitieren diesmal den König Georg von Sachsen, der für seine volkstümlichen Sprüche bekannt war, mit einem zeitlosen Gedankensplitter. Dieser kann auf alle Regierungsoberhäupter zu jeder Zeit zutreffen. Georg der Sachse meinte: „Man wird mitunter irre an seinem Volke; ich bin es aber noch nicht.“ Wir meinen, dass der zweite Teil des Ausspruches immer wieder auf seine Aktualität zu prüfen wäre. Von Harri Piel

Der Grund der Äußerung war indes: "Veränderung des sächs. Landhauptwahlrechts gibt es nicht."
Dem König von Preußen und deutschen Kaiser stand ebenfalls der Sinn nach klugen Sprüchen. Er war zur Erholung auf seiner alljährlichen Nordlandreise. Das ist uns nicht neu, und dass wir keine verwertbaren Sprüche fanden, liegt in der Natur der Dinge. Andere Herrscher handelten dagegen lieber. Das Großherzogspaar von Mecklenburg-Strelitz schenkte anlässlich seiner diamantenen Hochzeit jedem Einwohner einen Gutschein von 25 Pfennigen, die an der Steuerkasse erhoben werden konnten. Das entsprach etwa 2,50 Euro. Heute ist das unvorstellbar, man redet lieber ständig über irgendwelche Reformen und jongliert mit imaginären Geldbeträgen. Ganz abgesehen davon, dass unser gegenwärtiger Kanzler in Hochzeitsfragen eher auf Menge, denn auf Qualität steht.
Der damalige Papst Leo XIII. rang dagegen mit dem Tode. Schon 14 Tage lang. Er war 94 Jahre alt und die Spekulation um seine Nachfolge hatte bereits eine Menge Druckerschwärze verbraucht. Es sollte noch eine Weile so bleiben - eigentlich genau wie heute.
Gehen wir in unsere nähere Heimat. "Das 3. Bataillon des 6. Bran denburgischen Infanterie=Regiments Nr. 52 trifft Dienstag Nachmittag gegen 5 Uhr in Roitz ein bivuakirt dort während der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch." Das war noch nichts Besonderes. Aber - jetzt kommt es: "Das Commando hat die Bierlieferung der hiesigen Braukommune übertragen." Dies ist unseres Erachtens sensationell. So wird richtige Wirtschaftsförderung betrieben. Die Cottbuser tranken - wie befohlen - Spremberger Biere. Später tranken die Spremberger lieber Cottbuser Schnaps als das Bier der Bezirkshauptstadt.
Natürlich war die Erntezeit im vollen Gange. Der Redakteur belehrte seine Leser. "Die Obstzeit steht auf der Höhe. Die Sippschaft der Obstdiebe stirbt nie aus." Er schlussfolgerte messerscharf: "Ahnfrau ist Eva, die erste Obstdiebin." Amtlicherseits hieß es dagegen: "Der Saa tenstandsbericht diagnostizierte eine gute Mittelernte."
Eine andere Aussage wurde dem Jahrbuch des Kaiserlich Statistischen Amtes entnommen. Im Deutschen Reich gab es damals 61 Schüler pro Lehrer und die staatlichen Aufwendungen betrugen 47 Mark pro Schüler. Weil wir gerade dabei sind. Die Rechtschreibreform beschäftigte wieder einmal die Experten. Lange Zeit war ja davon nichts zu hören. Es ging diesmal um die Schreibweise für Vornamen. Das Urteil: "Vornamen sind keine Eigennamen, sondern Appellativa" (Gattungsnamen). Deshalb wurde beispielsweise aus Walther jetzt Walter und ein Herman zum Hermann.
Das Eisenbahnunglück bei Drebkau beschäftigte die Redaktion immer noch. Es wurde bekannt gegeben, dass ein Kriminalkommissar als Streckenarbeiter arbeitete, um mit den Arbeitern auf „intime Fühlung“ zu kommen. So hatte er nämlich schon einmal einen Mord aufgeklärt. Damals arbeitete er in einer Schlosserwerkstatt. Die ausgesetzten 2000 Mark Belohnung wurden gerecht aufgeteilt. Der Kriminalkommissar bekam 1000 und der Tippgeber die andere Hälfte.