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| 03:36 Uhr

Werner Guckenberger nimmt Abschied

Mit mehr als 100 Gästen hat Werner Guckenberger am Freitag den Abschied als Amtsdirektor von Döbern-Land gefeiert. Der Ort der Feier, der Stützpunkt der Amtsfeuerwehr in Döbern, hatte Symbolkraft: Mit der Modernisierung des Brand- und Katastrophenschutzes hat Guckenberger sich über 16 Jahre hervorgetan. Vertreter der 26 Wehren im Amtsbereich wünschten alles Gute. Von Frank Muscheid

"Heimat ist, wo man sich wohl fühlt", sagte der gebürtige Franke Werner Guckenberger (64) gestern sichtlich gerührt, nachdem er mindestens eine Stunde Glückwünsche und Geschenke entgegen genommen hatte. Darunter waren ein Rosenbusch und drei kleine Rosenbüsche für den Döberner Garten - "fürs Herz", so Amtsausschussvorsitzender Egbert S. Piosik. Der Amtsausschuss hoffe, dass der Busch Blüten trage und auch Werner Guckenberger "Ideen hat, wie es weitergehen kann mit dem Amt", sagte Piosik. Auch wenn am 1. November Punkt 24 Uhr der Stift fallen soll, wie Guckenberger in seiner Rede betonte. Nach einem RUNDSCHAU-Gespräch Ende vergangener Woche hatte er sich noch einen Stapel Arbeit ins Wochenende genommen, diesmal die Geschenke.

Etwa eine Statue des Feuerwehrschutzpatrons St. Florian aus den Händen von Amtswehrführer Klemens Nennewitz, der die Statue stellvertretend für die 1125 Feuerwehrmitglieder im Amtsbereich überreichte. Er ernannte Guckenberger zum Ehrenmitglied: "Sie werden in den Ortswehren immer ein gern gesehener Gast sein", lud er den scheidenden Amtsdirektor ein.

In seiner eigenen Rede begrüßte Guckenberger Landrat Dieter Friese (SPD), der "Lausitzer Mammuttropfen" mitgebracht hatte, aber auch Günter Froböse von der Abteilung Wasser- und Bodenschutz des Landesministeriums für Ländliche Entwicklung sowie seinen Ansprechpartner im Landes-Schuldenmanagement - ein augenzwinkernder Verweis auf sein "Lieblingsthema" Abwasser folgte. Die jetzige Situation sei mit dem Antritt im Jahr 1992 nicht mehr zu vergleichen - das Geld fehle hinten und vorne. Auch wenn es schwierige Zeiten gegeben habe, so Guckenberger: "Ich möchte keine Minute missen.

" Immer wieder war im Amtsausschuss, bei Stadtverordneten und Gemeindevertretern Kritik laut geworden, dass das Amt nicht fristgemäß arbeite. Guckenberger hatte sich stets vor seine Mitarbeiter gestellt und die Schwierigkeiten unter anderem mit der Umstellung auf die doppelte Haushaltsführung und einer dünnen Personaldecke begründet.

Landrat Friese bescheinigte Guckenberger gestern "Aufbauarbeit" in einem der schwierigsten Amtsbereiche des Landkreises, doch "trotz vielfältiger Taktik" habe die Mannschaft des Trainers auch das Tor verfehlt. Dennoch habe es im Landkreis eine Entwicklung zum Guten gegeben, so Friese: "Sie haben dazu maßgeblich beigetragen."

Am 2. Oktober 1992 war Guckenberger zum Amtsdirektor gewählt worden, am 2. November trat er sein Amt an. "Da war der Bau der Kläranlage in Döbern-Land schon durch", sagte Guckenberger im RUNDSCHAU-Gespräch. Im Jahr 1994 begann die Millionen-Haushaltslücke von Döbern unter anderem auch wegen Straßenbauten zu wachsen. "Ich wusste nicht, was auf mich zukommt", sagte Guckenberger, der seitdem um die Lösung des Abwasserproblems kämpfte und bis zum Schluss Gemeinden zum Beitritt in den Eigenbetrieb bewegen wollte.

Positiv gelaufen ist aus seiner Sicht die Schulübertragung seit dem Jahr 1998. Die Zentralisierung und Entwicklung der Schullandschaft habe im Land einen guten Ruf. Nach dem wirtschaftlichen Verfall um die Wende sei "Döbern wieder lebens- und liebenswerter geworden", erklärte Guckenberger. Dazu trügen stabile Vereine und schöne Einrichtungen bei. "Ich identifiziere mich mit diesem Amt", betonte er. Die Döbernerin Hannelore Guckenberger, die er im Jahr 1996 geheiratet hat, sei ihm bei der Arbeit eine gute Ratgeberin. In Döbern habe er sein persönliches Glück gefunden, betonte er gestern.

Vor Arbeit scheute er nicht: Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe Strittmatter-Land, acht Jahre auch Schiedsmann - Guckenberger ist auf Tuchfühlung mit den Menschen gegangen. "Mich haben Bürger nach der Arbeit gefragt, die arbeitslos waren. Ich konnte ihnen zwar keinen Job vermitteln - aber viele haben gesagt, dass ich sie moralisch aufgerichtet habe", blickte er zurück. Doch auch persönliche Anfeindungen habe er erlebt. "Dabei unterscheide ich klar zwischen Dienstlichem und Privatem", so Guckenberger.

Ja, es gebe die regionsbezogene Mentalität. "Die Franken sind die bayerischen Rheinländer", erklärte er. "Hart in der Sache, aber danach heißt es: Schwamm drüber." Auch den Lausitzern zollt er Respekt: "Sie sind schwer entflammbar, aber wenn sie erst mal für eine Sache brennen, nicht mehr zu löschen." Nachdem die Glasindustrie weggebrochen ist, hätten die Menschen viel durchgemacht. "Wir müssen aber nach vorn schauen und das Beste daraus machen", rief er auf.

Das plant er auch für sich. "Ich bin vom 2. November an weg - mit allen Konsequenzen", sagte er lächelnd. "Ich habe genug herumzubasteln." Im Hinterkopf hat er die AG Weinbau, aber auch das Mehrfamilienhaus seiner Frau in Eichwege oder Haus und Garten in der Stadtrandsiedlung. Dort stehe der kleine und der große "Guckenberg" - für seine Frau und sich. "Der große ist eine Nachbildung meines Hausbergs", erklärte er. Ein Berg bei Iphofen in Franken, auf den er immerhin 47 Jahre seines Lebens blickte. Bis 1991 lebte und arbeitete er dort, fing als Verwaltungsangestellten-Lehrling im Jahr 1958 an.

Er erhielt Einblicke in eine ganze Reihe stadteigener Betriebe. Noch immer schwärmt er von dem Weinfest, das er jahrelang organisierte. Bis ins Jahr 1971 absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung, wurde im Jahr 1991 Kämmerer der Stadt Fürstenfeldbruck.

Nun hat er wieder mehr Zeit, seine alte Heimat zu besuchen. "Ich freue mich darauf, dass die Verantwortung weg ist und der dauernde Leistungsdruck", bekannte Guckenberger, bevor er sich den Aktenstapel fürs Wochenende griff.