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| 17:57 Uhr

Werkstatt wälzt Ideen für Jung und Alt

54 Spremberger nahmen an den Gesprächsrunden teil. Eine detaillierte Auswertung will die Lenkungsgruppe im Februar vorlegen.
54 Spremberger nahmen an den Gesprächsrunden teil. Eine detaillierte Auswertung will die Lenkungsgruppe im Februar vorlegen. FOTO: Rene Wappler
Spremberg. Eine Werkstatt sammelt Ideen für das Zusammenleben der Generationen in Spremberg: Bis in den Mittwochabend hinein haben die Besucher im Bergschlösschen ihre Ideen und Fragen gewälzt. René Wappler

Die Bundestagsabgeordnete Birgit Wöllert (Die Linke) schildert ein Beispiel aus dem Spremberger Alltag. Ein Spielplatz an sanierten Wohnungen wurde verlegt, was viele Mieter befürworteten. Allerdings befindet er sich jetzt in direkter Nähe zum Straßenverkehr. "Vielleicht ist dies eine gute Lösung für die Senioren", sagt Birgit Wöllert. "Aber für die Kleinsten handelt es sich um die denkbar schlechteste Variante." Dieses Beispiel zeige, wie wichtig eine Lenkungsgruppe sei, die verschiedene Generationen vereint.

Ohnehin verändert sich nicht nur das Stadtbild: Darauf weist Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) hin. Auch die Altersstruktur der Einwohner unterziehe sich einem Umbruch. "Wir können aber viel dafür tun, dass unsere Stadt diesem Wandel gerecht wird: Wir alle werden älter, und zugleich wünschen wir uns, dass unsere Kinder und Enkel gute Bedingungen vorfinden.”

Jahr für Jahr steigt in Spremberg die Zahl der Menschen, die aus dem Berufsleben aussteigen. Zugleich sinkt der Anteil derer, die einer Arbeit nachgehen. Diesen Trend beleuchtet Friedrun Barchmann von der Lenkungsgruppe.

So werde der Anteil von Rentnern in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich zunehmen. "Erst in dieser Woche ist eine Studie erschienen, die besagt, dass inzwischen wieder mehr Leute in den Osten Deutschlands zurückkehren”, sagt Friedrun Barchmann. "Schauen wir mal, wie sich das auswirkt.”

Letztlich hängt der Erfolg jedes Modells davon ab, ob es genügend Jobs in der Region gibt, wie Professorin Brunhilde Soffner zu bedenken gibt. Sie arbeitete bis zum Jahr 2007 am Fachbereich für Sozialwesen der Hochschule Lausitz. "Wir können hier in erster Linie die weichen Faktoren beeinflussen", sagt sie.

In kleinen Gruppen diskutieren die Besucher der Werkstatt über ihre Ideen. Hubert Lamm vom Seniorenbeirat merkt an: "Es kann doch nicht sein, dass alles vom Gesichtspunkt des Geldes aus betrachtet wird."

Genau da scheint jedoch das Problem zu liegen. Ein paar Tische weiter beklagt die Politikerin Birgit Wöllert ein Grunddilemma der Pflegeberufe, in denen es für die Spremberger Region kaum noch Nachwuchs gibt. "Klassische Frauenberufe werden leider immer noch schlechter bezahlt", sagt sie. "Deshalb interessieren sich junge Männer auch kaum für einen Arbeitsplatz in dieser Branche."

Auch ganz praktische Vorschläge kommen zur Sprache. So stellt Claudia Wolf vom städtischen Fachbereich für Bauen und Wohnen fest: "Was am Busbahnhof noch fehlt, ist eine Möglichkeit, Einkäufe zu verstauen - zum Beispiel in Schließfächern."

Allmählich füllen sich die Tafeln im Bergschlösschen mit Spickzetteln der Besucher. "Plan: Haus für Alt und Jung mit Arztpraxen, Frisör, Nagelpflege." Oder: "Erdgeschosswohnungen für Ältere - Mangelware."

Später zieht der Sozialarbeiter Benjamin Schorg ein erstes Fazit: "Solche Treffen lohnen sich natürlich immer, zumal ich einige Leute kennenlernen durfte." So kam er mit der Rathaus-Mitarbeiterin Claudia Wolf ins Gespräch, die ihn auf den Gedanken brachte, dass ein Hierbleiber-Management für junge Menschen mindestens genau so wichtig wäre wie die Rückkehrer-Aktionen von Fachleuten aus Wirtschaft und Politik.

Enttäuscht äußert sich hingegen der Ortsvorsteher von Terpe, Dieter Freißler: "Ich hatte mir ja Antworten von Fachleuten auf die Frage erhofft, wie wir verhindern können, dass die Dörfer aussterben - aber da sprang für mich nichts an Informationen raus."

Allerdings lag es nicht im Sinn der Organisatoren, Fachvorträge anzubieten, wie Friedrun Barchmann von der Lenkungsgruppe erläutert. "Wir haben bewusst kein derartiges Konzept vorbereitet", sagt sie. "Vielmehr wollten wir erfahren, welche Vorschläge die Teilnehmer unterbreiten."

Eines steht schon fest: Bei dieser einen Gesprächsrunde soll es nicht bleiben.