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| 02:34 Uhr

Wenn die Kohle für Kohle fehlt

Heizkostenzuschuss gut und schön – aber im Heizkostenspiegel des Bundes taucht Kohle nicht mehr auf? Was ist also angemessen?
Heizkostenzuschuss gut und schön – aber im Heizkostenspiegel des Bundes taucht Kohle nicht mehr auf? Was ist also angemessen? FOTO: fotolia/dangutu
Spree-Neiße. Es gibt eine ganze Reihe Bewohner im Spree-Neiße-Kreis, die mit Kohlebriketts und Holz ihre Wohnung heizen. Auch der Welzower Frank Kuscherka. Annett Igel-Allzeit

Er muss mit Arbeitslosengeld II auskommen und ist auf einen Heizkostenzuschuss angewiesen, stellte den Antrag auf zwei Tonnen Briketts. Mit wie viel Kohle man rechnen kann, ist nicht so einfach nachzuvollziehen, auch nach einem Blick in den bundesweiten Heizkostenspiegel nicht. "Dort sind sämtliche Energieträger aufgeführt, aber nicht das Heizen mit Kohle und Holz", so Kuscherka. Das bestätigt Silvia Friese von der Pressestelle des Landkreises Spree-Neiße: "Die Heizkosten leiten unsere Mitarbeiter im Jobcenter je nach Heizart und Wohnfläche des Antragstellers vom bundesweiten Heizkostenspiegel her. Und tatsächlich ist dort Kohle als Heizstoff nicht mehr gesondert aufgeführt. In unserer Verwaltungsvorschrift zu den Bedarfen von Unterkunft und Heizung ist aber geregelt, dass hier die Übernahme der Heizkosten in der gleichen Höhe erfolgt wie bei der kostengünstigsten Heizart im Heizspiegel."

Der Wetterbericht sagte knackige Kälte voraus. Kuscherka beantragte zwei Tonnen Briketts. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch neun Pakete mit jeweils 25 Kilogramm Briketts", so Kuscherka. 225 Kilogramm. Die reichten zehn Tage. "Mir blieb erstmal nicht anderes übrig, als mir Briketts zu borgen." Dann kam der Bescheid. "Eine Tonne statt der beantragten zwei Tonnen wurde mir bewilligt. Eigentlich wollte ich das geborgte Heizmaterial gleich zurückgeben - aber dann hätte ich sofort einen zweiten Antrag stellen müssen", so Kuscherka. Und die Forderungen, die gestellt werden können, sind begrenzt. Silvia Friese nach Rücksprache mit dem Jobcenter: "Im Jahr 2016 war für eine Einzelperson ein Heizkostenzuschuss für Kohle in Höhe von 65,29 Euro im Monat angemessen. Für ein ganzes Jahr sind das 783,48 Euro. Für das aktuelle Jahr liegt der monatliche Heizkostenzuschuss für Kohle bei 67,92 Euro - fürs gesamte Jahr sind das 815 Euro." Das entspreche etwa 2,8 Tonnen Kohlen im Jahr.

Kuscherka ist als ALG-II-Empfänger geübt im sparsamen Denken. "Wären eine Lieferung mit zwei Tonnen allein von den Transportkosten nicht sparsamer gewesen als zwei Lieferungen mit jeweils einer Tonne?" Energiespartipps gibt ein Jobcenter nicht. Da müsse sich Frank Kuscherka selbst umhören.

Fürs Holz zum Anzünden lohnt es sich oft, in den Verwaltungen der Stadt und Gemeinden nachzufragen. Wie Bärbel Dabow vom Welzower Ordnungsamt bestätigt, können Bedürftige sogar Anträge zum Holzsammeln stellen. "Wir bringen dann die Antragsteller an die richtige Stelle. Mit Stadtwald sieht es bei uns ja rar aus, aber wir haben einen guten Kontakt zum Revierförster." Zudem bieten die Bauhöfe vieler Kommunen Holz an. Aber auch da müssen Antragsteller aufpassen. "Das Jobcenter übernimmt Heizkosten im Rahmen der Angemessenheit", erklärt Kreissprecherin Silvia Friese. "Deckt jemand seinen Bedarf zusätzlich mit kostenlosem Heizmaterial, mindert dies den Bedarf, da ja dann keine oder weniger Kosten anfallen."