| 02:35 Uhr

Wenn das Regenwasser ins Wiesental rauscht

Das Regenwasser in der vergangenen Woche brachte aus den Hangrinnen in Cantdorf auch viel Sand mit.
Das Regenwasser in der vergangenen Woche brachte aus den Hangrinnen in Cantdorf auch viel Sand mit. FOTO: René Nakoinz
Cantdorf. Beim großen Regen am vergangenen Donnerstag haben die Cantdorfer wieder mit heftigen Wassermassen gekämpft. Das Regenwasser floss in den über Jahrhunderte ausgewaschenen Rinnen den Hang hinunter und überflutete die Straße Wiesental. Annett Igel-Allzeit

Beim großen Regen am vergangenen Donnerstag haben die Cantdorfer wieder mit heftigen Wassermassen gekämpft. Das Regenwasser floss in den über Jahrhunderte ausgewaschenen Rinnen den Hang hinunter und überflutete die Straße Wiesental. Das Wasser spülte Einfahrten weg, floss direkt in eine Garage, in ein Haus, schildert Ortsvorsteher René Nakoinz die Situation. "Auch die Alt-Cantdorfer haben solch einen Regen schon lange nicht mehr erlebt. Es schütte ja von etwa 8.30 Uhr an den ganzen Tag wie aus Kannen", so Nakoinz.

Aber der Ortsvorsteher staunte am Donnerstag nicht nur über die Wassermassen. Sondern auch der kommunale Betriebshof der Stadt Spremberg rückte sofort nach dem Hilferuf aus dem Ortsteil an. "René Moch, der stellvertretende Betriebshofleiter, kam mit seinem Team und einem Bagger. Immer wieder mussten sie Splitt holen, um schnell einen Wall vor den besonders bedrohten Grundstücken aufzuschütten", erzählt Nakoinz. Und am Freitagnachmittag war dann schon alles beräumt, Einfahrten und der Straßenrand wieder ausgebessert. Auch Bürger hatten spontan geholfen.

"Cantdorf ist eben noch so ein Dorf, wo die Hilfe untereinander funktioniert", sagt Ulrich Fehlig vom Gewässerverband Spree-Neiße. Auch er hat sich die Situation in Cantdorf noch in der vergangenen Woche angeschaut. "Gräben, die wir schon freigeräumt hatten, müssen wir nun erneut beräumen", sagt er. Es ist ein feiner weißer Sand, der jetzt in den Gräben und hinter den Häusern auf der Wiese liegt. "Bei einem starken Regen vor etwa 15 Jahren sollen sogar Kartoffeln mit dem Regenwasser ins Wiesental hinabgekullert sein", erzählt Fehlig.

Der Hang ist geologisch gewachsen. Vor etwa zehn Jahren, erinnert sich Fehlig, hatten Mitarbeiter einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Kaskaden mit umgelegten Stämmen in den Hang gebaut. Diese Stufen halten das Wasser ein bisschen auf.

René Nakoinz ist dem Betriebshof für die schnelle Hilfe am Donnerstag und Freitag sehr dankbar. "Wir haben inzwischen einen guten Draht zum Gewässerverband, zur Stadtverwaltung, zu Marion Schulze-Hanisch von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises. Und solche Regenfälle zeigen, wie wichtig es ist, die alten Gräben wieder zu aktivieren."

Mit dem aktiven Tagebau war das Grundwasser einst gesunken, der Ort lag viele Jahre ziemlich trocken. Doch mit dem Wiederanstieg des Grundwassers haben die Gräben erneut ihren Sinn. Bereits im Frühjahr hatte der Gewässerverband mit Herrichtung des alten Grabens zur Spree begonnen. Im Herbst, wenn die Vögel ziehen, die Vegetationszeit endet, müssen noch Bäume und Büsche im Grabenverlauf fallen, so Ulrich Fehlig.

Am heutigen Mittwoch berichtet Ortsvorsteher Nakoinz noch einmal zur Lage vergangenen Woche: "In der Bürgersprechstunde in unserer Cantdorfer Kita um 17 Uhr - die Einwohner sind herzlich willkommen." Zum Anstieg des Grundwassers bereitet er für den Herbst eine Versammlung vor. "Wir wollen wissen, wie weit das Grundwasser noch ansteigen kann", erklärt René Nakoinz.

René Nakoinz zeigt die Kaskaden im Hang, die die Regen- und Schmelzwasser ein wenig aufhalten können.
René Nakoinz zeigt die Kaskaden im Hang, die die Regen- und Schmelzwasser ein wenig aufhalten können. FOTO: Annett Igel-Allzeit